22. Mai 2026

Mit einfachen Massnahmen zu mehr Brandsicherheit auf Baustellen

Brände auf Baustellen lassen sich oft auf Unachtsamkeit und Fahrlässigkeit zurückführen. Diese Brände sind vermeidbar. Mit Präventionsmassnahmen können Brandrisiken auf Baustellen minimiert werden. Die VKF sensibilisiert die am Bau beteiligte Stellen dafür. Ein entsprechendes Brandschutzmerkblatt sorgt für Klarheit. Ein Gastbeitrag von Michael Binz, Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF.

Im April dieses Jahres brannte es auf einer Baustelle in Erlinsbach im Kanton Aargau. Obschon die Ursache noch nicht abschliessend geklärt ist, könnten Dachdeckerarbeiten und insbesondere das Verschweissen von Bitumen eine Rolle gespielt haben. Arbeiten mit offener Flamme zählen zu den grössten Gefahrenquellen. Bei deren Ausführung oder bei unsachgemässem Verwenden von Bitumenkochern können angrenzende Bauteile, Fassaden oder gelagertes Material in Brand gesetzt werden.

Sicheres Arbeiten mit offener Flamme

Arbeiten mit offener Flamme an der Gebäudehülle werden oft im Bereich von brennbaren Stoffen ausgeführt. Holzunterkonstruktionen, brennbare Wärmedämmungen, PU-Schaum, Woll- und Seidenzöpfe bei Fenstern können leicht in Brand geraten. Umso wichtiger ist es, Sicherheitsabstände einzuhalten und temporäre Schutzmassnahmen zu berücksichtigen. Nach Abschluss der Arbeiten mit offener Flamme müssen Massnahmen zur Selbstkontrolle getroffen und gegebenenfalls Schutzmassnahmen ausgeführt werden. Eine Wärmebildkamera oder der Einsatz einer Brandwache sind notwendige Mittel dafür.

Allgemeine Risiken auf Baustellen

Nebst den eigentlichen Brandursachen wie das Verschweissen von Bitumen, sind es mehrere Faktoren, die die Gefahr eines Brandes erhöhen. Dazu zählen unter anderem Zeit- und Kostendruck, die eine sorgfältige Arbeitsausführung erschweren oder eine mangelhafte Ordnung. Gerade im Zusammenhang mit Arbeiten mit offener Flamme ist es wichtig, dass sich möglichst keine brennbaren Materialien im Arbeitsbereich befinden beziehungsweise diese korrekt abgedeckt sind.

Allgemeine Risiken

  • Zeit- und Kostendruck verleiten zu einer unsorgfältigen Arbeitsausführung mit einer erhöhten Brandgefahr.
  • Ungenügend ausgebildete oder instruierte Mitarbeitende kennen die Gefahren im Umgang mit den verwendeten Arbeitsmitteln nicht.
  • Mangelhafte Ordnung und Sauberkeit auf der Baustelle führen zu einer erhöhten Brandgefahr. Dazu gehören auch fehlende Vorgaben für das Rauchen auf der Baustelle.
  • Massnahmen zur Schadenminderung bleiben unberücksichtigt. Es fehlen z. B. Handfeuerlöscher auf der Baustelle oder Mitarbeitende wissen nicht, was im Brandfall zu tun ist.
  • Es existiert kein Konzept «Brandsicherheit auf Baustellen» und die Bildung von möglichen provisorischen Brandabschnitten wird weder geprüft noch werden solche realisiert.

Die Brandverhütung betrifft alle

Die verschiedenen Ansprechgruppen auf einer Baustelle von der Bauherrschaft über die Planerin und den Planer bis zur ausführenden Handwerkerin und Handwerker stehen in der Verantwortung. Sie können aktiv einen Beitrag zur Brandverhütung leisten.

Bereits im Vorfeld an ein Unterfangen können Bauherrschaften mit einigen Entscheiden für eine gute Ausgangslage sorgen. Dies, indem sie ein baustellenspezifisches Brandverhütungskonzept einfordern, fachlich geeignete Unternehmen beauftragen und für die Ausführung ausreichend Zeit gewähren. Werden bei Besuchen auf der Baustelle Mängel in der Brandverhütung festgestellt, ist deren Behebung zwingend und unverzüglich zu veranlassen.

Planende werden angehalten, ein dem Bauvorhaben und den unterschiedlichen Bauphasen angepasstes Brandverhütungskonzept zu erstellen. Dabei gilt es, die rechtlichen Grundlagen, die Regeln der Technik, die baustellenspezifischen Anforderungen und die Vorgaben der Bauherrschaft zu berücksichtigen. Während der Bauzeit ist eine fortlaufende Analyse des baustellenspezifischen Brandrisikos in Funktion des Baufortschritts unabdingbar. Allfällig notwendige und verhältnismässige Schutzmassnahmen sind umzusetzen.

Handwerkerinnen und Handwerker haben ihrerseits die Aufgabe, auf Risiken zu achten und geeignete Schutzmassnahmen zu ergreifen. Dazu zählt beispielsweise das Befolgen des Rauchverbots auf Baustellen und das Entsorgen von Raucherabfällen in feuersicheren Behältnissen.

VKF-Brandschutzmerkblatt als Hilfestellung

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) hat für die verschiedenen Ansprechgruppen Checklisten erstellt. Diese finden direkt Anwendung auf der Baustelle. Ein den Checklisten zugrundeliegendes Merkblatt geht auf die verschiedenen Gefahrenquellen ein. Zudem zeigt es einfache und kostengünstige Massnahmen auf, mit denen die Brandgefahr auf Baustellen wirkungsvoll reduziert werden kann. Damit sorgt sie für Klarheit und mehr Brandsicherheit auf Baustellen.

Merkblatt und Checklisten erhältlich unter: www.vkg.ch/baustellen

Die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) unterstützt die Kantonalen Gebäudeversicherungen (KGV) im Bereich der Prävention. Sie richtet ihren Fokus auf die Verminderung von Personen- und Gebäudeschäden. Die VKF entwickelt im Auftrag der KGV Instrumente zur Minimierung derartiger Schäden und führt Sensibilisierungskampagnen wie diese zum Thema «Brandverhütung auf Baustellen» durch.