08. Jul 2026
Dieser Sommer zeigt erneut, wie dringend sich die Schweiz an ein verändertes Klima anpassen muss. Die Bauwirtschaft setzt diese Anpassungen um – und Bauenschweiz bringt ihre Erfahrung im Netzwerk Anpassung an den Klimawandel des Bundes ein.
Das Netzwerk «Anpassung an den Klimawandel» fördert den Austausch über Lösungen und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und Städten sowie Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Bauenschweiz sitzt für die Bauwirtschaft in der Lenkungsgruppe. Das Netzwerk wird vom BAFU geleitet. Die Idee ist Lücken zu erkennen, Massnahmen anzustossen und die Kanäle der involvierten Organisationen für die Verbreitung zu nutzen.
2025 haben MeteoSchweiz und die ETH Zürich die neuen Klimaszenarien für die Schweiz veröffentlicht. Sie zeigen, wie sich das Klima in den kommenden Jahrzehnten entwickeln könnte und bilden eine wichtige Grundlage für die Planung von Bund, Kantonen, Gemeinden sowie privaten Akteurinnen und Akteuren. Damit alle mit denselben Annahmen arbeiten, hat das Netzwerk «Anpassung an den Klimawandel» die Empfehlung «Einheitliche Verwendung der Klimaszenarien in der Anpassung» erarbeitet. Sie unterstützt Planende und Entscheidungsträger dabei, Klimaanpassungsmassnahmen auf einer gemeinsamen und verlässlichen Grundlage zu planen.
Bauenschweiz setzt sich aktuell dafür ein, den Schutz privater Wohn-, Arbeits- und Produktionsgebäude stärker in den Fokus zu rücken und die Akteure zu sensibilisieren. Ziel ist es, Eigentümerinnen und Eigentümer frühzeitig für Präventionsmassnahmen zu sensibilisieren. Die Schweiz verfügt heute weitgehend über das Wissen, wie Gebäude und Infrastrukturen klimaresilient gestaltet werden können.
Die öffentliche Debatte dreht sich oft um Klimaziele, Netto-Null oder Energieeffizienz. Weniger Beachtung findet die Frage, wie diese Ziele konkret erreicht werden. Gebäude werden nicht von selbst hitzeresistent, Quartiere nicht automatisch klimaangepasst. Dafür braucht es Eigentümerinnen und Eigentümer, die investieren, Planende, die klimaresiliente Lösungen entwickeln, sowie Unternehmen und Handwerksbetriebe, die diese umsetzen. Klimaanpassung ist deshalb vor allem eine Umsetzungsaufgabe.
Ob ein Gebäude Hitze, Starkregen oder anderen Extremereignissen standhält, entscheidet sich bereits in der Planung. Ausrichtung, Beschattung, Begrünung oder Regenwassermanagement werden dort festgelegt. Gleichzeitig steht der grösste Teil der Gebäude, in denen wir 2050 leben und arbeiten werden, bereits heute. Klimaanpassung bedeutet deshalb vor allem, den bestehenden Gebäudepark schrittweise widerstandsfähiger zu machen.
Besonders deutlich wird dies beim Starkregen. Mehr als zwei Drittel aller gemeldeten Überschwemmungsschäden entstehen inzwischen durch Oberflächenabfluss – also Wasser, das bei intensiven Niederschlägen über Strassen und Grundstücke fliesst. Rund 62 Prozent der Schweizer Gebäude sind davon betroffen; in ihnen leben rund drei Viertel der Bevölkerung. Überschwemmungen und Hagel gehören deshalb seit Jahren zu den teuersten Naturgefahren der Schweiz.
Viele dieser Schäden lassen sich vermeiden. Ob Regenwasser versickern kann, Gebäude geschützt sind oder Quartiere auch bei Extremereignissen funktionieren, entscheidet sich lange vor dem nächsten Unwetter – durch vorausschauende Planung, geeignete Bauweisen und konsequenten Unterhalt. Wie widerstandsfähig die Schweiz in Zukunft sein wird, entscheidet sich deshalb nicht erst beim nächsten Extremereignis, sondern bei den Investitionen und Bauentscheiden von heute.