28. Jan 2026
Trotz einem Rekordwert kam der positive Trend bei Nachhaltigkeitskriterien im öffentlichen Beschaffungswesen während des letzten Quartals 2025 leicht ins Stocken. Ingenieurleistungen lösten Architekturaufträge bei der höchsten Qualitätsgewichtung ab.
Der Anteil qualitativer Vergabekriterien belief sich auf 53,4 % und blieb damit gegenüber dem Vorquartal praktisch unverändert (+0,4 %). Im Jahresvergleich resultierte ein leichter Anstieg von 0,5 %, ohne dass daraus eine eigentliche Dynamik abgeleitet werden kann. Qualitätskriterien erweisen sich damit weiterhin nicht als eigenständiger Treiber des Kulturwandels.
Bemerkenswert ist jedoch ein Wechsel an der Spitze: Während der Qualitätsanteil bei Architekturaufträgen weiter zurückging, nahm er bei Ingenieurleistungen erneut zu. In der Folge wurden Ingenieuraufträge mit einem Qualitätsanteil von 67,9 % neu am stärksten gewichtet und lösten die Architekturaufträge als führende Disziplin ab.
Mit einem Anteil von 50,0 % erreichten die Nachhaltigkeitskriterien den bislang höchsten gemessenen Wert. Gegenüber dem Vorquartal betrug der Zuwachs jedoch nur noch 2,9 % und fiel damit erstmals seit Inkrafttreten der Totalrevision nicht mehr zweistellig aus. Die Daten sprechen dafür, dass sich der Anteil der Nachhaltigkeitskriterien auf einem Niveau um 50 % einpendeln könnte.
Innerhalb der Bauwirtschaft blieb der Anteil der Nachhaltigkeitskriterien unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Besonders ausgeprägt war dieser Abstand weiterhin bei Architekturaufträgen. Im zweiten Halbjahr 2025 hat sich diese Differenz nochmals leicht vergrössert.

Eine vergleichbare Entwicklung zeigt sich beim Kriterium der Plausibilität des Angebots. Mit einem Anteil von 5,3 % wurde dieses Kriterium erneut häufiger angewendet als im ersten Halbjahr. Die Zuwachsraten fielen jedoch geringer aus als zuvor, was darauf hindeutet, dass auch hier ein vorläufiger Boden im Wachstum erreicht sein könnte. Besonders Planungsaufträge sind von dieser Entwicklung betroffen.
Als zentrale Treiber des Kulturwandels im Beschaffungswesen treten weiterhin der Bund sowie der Kanton Basel-Stadt hervor. Der Bund hat insbesondere im Ingenieurwesen markant aufgeholt, während Basel-Stadt im Baugewerbe deutlich an Bedeutung gewonnen und den dritten Rang übernommen hat. Der Kanton Basel-Landschaft überholte im Berichtszeitraum den Kanton Wallis, während auch der Kanton Aargau weiterhin zu den progressiven Vergabestellen zählt.
In ihrer Gesamtheit prägen diese Beschaffungsstellen den anhaltenden Kulturwandel, der weniger durch eine weitere Ausweitung der Qualitätskriterien als vielmehr durch die zunehmende Verankerung von Nachhaltigkeit und Plausibilitätsanforderungen getragen wird.
