12. Sep 2023

Open Source in der Architektur

Am 6. September 2023 fand im ZAZ Bellerive in Zürich ein interaktiver Workshop zum Thema «Open Source in der Architektur» statt, bei dem Experten und Expertinnen sowie Interessierte darüber diskutierten, was die «open» Bewegung für die Bauindustrie und insbesondere Architekten und Ingenieure bedeutet.

Was ist Open Source / die «open» Bewegung?

Open Source umfasst viele verschiedenste Bereiche: Open Code, Open Data, OpenAPI (offene Schnittstellen) oder OpenGOV (Government Data). Was all diese «offenen» Themen vereint, fasst die Open Knowledge Foundation gut zusammen. Es handelt sich stets um:

«Inhalte, Informationen oder Daten, die von den Menschen frei genutzt, wiederverwendet und weiterverbreitet werden können - ohne rechtliche, technische oder soziale Einschränkungen.»

Bei Open Source Software bedeutet das, dass der Code der Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Jeder kann ihn ansehen, verändern und weiterverbreiten. Charakteristisch für Open Source ist die dezentrale und kollaborative Vorgehensweise bei der Entwicklung. 

In der Tech-Industrie ist die «open» Bewegung schon längst angekommen. Konzerne wie Google, Adobe, Apple, Samsung, Spotify und PayPal (um nur einen Bruchteil zu nennen) setzen auf Open Source. Weshalb? 

Da der Quellcode offen und frei zugänglich ist, wird er von Peer-Programmierern ständig geprüft und verbessert. Eine Person oder auch ein ganzes Team oder eine Abteilung in einem Unternehmen kann niemals mit Millionen von aktiven Reviewern mithalten (z.B. Github 75 Mio. User). 

Neben Innovation sind weitere Vorteile Transparenz und Flexibilität. Open Source erlaubt es, alles selbst zu prüfen und den Code anzupassen, so dass selbst sehr spezifische Probleme behoben werden können. Nicht zuletzt können Kosten gespart werden, da der Code oder die Software frei verfügbar sind.

Zum Event

Experten und Expertinnen zu vier verschiedenen Bereichen von Open Source und Open Data wurden eingeladen um die Diskussionen im Workshop zu leiten. Nach einer kurzen Vorstellung und Einführung ins Thema konnten sich die Teilnehmenden für eine von vier Dialoggruppen entscheiden und sich dort austauschen. Die Moderation übernahm Jens Bachmann von Coeco

Mit diesen Leitfragen beschäftigten sich die vier Gruppen:

Wie können wir mit Open Source Lösungen die Architektur voranbringen?

Im Gegensatz zur Tech-Industrie ist die Baubranche noch weit davon entfernt die Möglichkeiten von Open Source auszuschöpfen und aktiv zu nutzen. 

Die Ausgangslage ist herausfordernd: Bei den Architektur und Ingenieurbüros in der Schweiz gehören 90% zu den kleinen Unternehmen (< 10 Mitarbeitende). Betrachtet man die gesamte Bauindustrie, so ist das Bild nicht ganz so extrem. Dennoch: Die kleineren und mittleren Unternehmen überwiegen auch dort. 

Dies bedeutet, die Unternehmen haben typischerweise wenig Ressourcen, eine lokale Ausrichtung, orientieren sich an bestehenden Normen und haben wenig bis kein Budget für Forschung und Entwicklung – ganz zu schweigen von der Entwicklung digitaler Lösungen.

Kollaboration ist heute in der Branche leider immer noch die Ausnahme anstatt die Regel. Dabei wäre Zusammenarbeit im Sinne aller und dringend notwendig um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen sowie dem Kostendruck zu entgegnen. 

Der Open Source Ansatz würde innovative technologische Lösungen ermöglichen und frei verfügbar machen, so dass jedes Unternehmen sie bedarfsoptimiert und kosteneffizient einsetzen könnte.

Eines steht fest «Die Diskussion hört nicht auf» und wenn man die Ergebnisse aus den einzelnen Diskussionen zusammenfassen möchte, bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: Mehr partnerschaftliche Zusammenarbeit! 

Über die Veranstalter

opensource.construction

Die Initiative opensource.construction hat zum Ziel, den durch die Open Source Bewegung ermöglichten Wandel zu einer digitaleren und innovativeren Bauindustrie zu beschleunigen.

opensource.construction

Archverein

Der Archverein hat zum Zweck, engagierte Architektinnen und Architekten zu vereinen und dient als Plattform zum Austausch, zur Entwicklung und zur Förderung von Innovationen. 

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