04. Okt 2021

Die Plattform Sicherheit und Gesundheit von Bauenschweiz hat in den vergangenen Monaten eine Auslegeordnung gemacht. Die Mitgliedverbände und Vertreter von Suva und OptiBau sehen positive Impulse für die Bauwirtschaft in einer gemeinsamen, frühen Planung und Koordination der baustellenspezifischen Kollektivschutzmassnahmen und gemeinsam genutzter Infrastruktur.
Der Vorstand von Bauenschweiz bestätigte im August 2019 die Gründung einer Plattform Sicherheit und Gesundheit für den Informationsaustausch unter den Mitgliedern und beauftragte die Geschäftsstelle diese administrativ zu unterstützen. Weitere Mitglieder sind Vertreter von Suva und OptiBau. Seit Sommer 2020 intensivierte die Geschäftsstelle den Dialog – auch auf Grund der Vorgaben zu Abstand- und Hygiene – und erstellte im Rahmen einer Workshop-Serie zusammen mit den Mitgliedern eine Auslegeordnung mit Botschaften.
Die Ist-Analyse zeigte: Die gesetzlichen Grundlagen für die Planung und Koordination der baustellenspezifischen Sicherheits- und Gesundheitsschutzmassnahmen sind vorhanden. Die Verantwortung liegt beim einzelnen Arbeitgeber auf der Baustelle und die paritätischen Berufskommissionen leisten seit vielen Jahren wertvolle Arbeit. Zudem wurde beim Thema Sicherheit auf den Baustellen und im Betrieb in den letzten Jahren sehr viel erreicht – auch dank der Sicherheits-Charta der Suva. Diese wurde von der Suva in Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden, Planerinnen und Gewerkschaften realisiert. Aktuell zählt die Charta über 18‘000 Mitglieder. Zahlreiche Bauenschweiz-Verbände aus dem Bauhaupt- und Nebengewerbe unterstützen die Charta. Zudem fördert die Suva einen sicheren Start der Lehrlinge in ihren Arbeitsalltag mit dem STOPP-Ausweis für Lernende.
Die Praxis zeigt aber auch, dass eine frühe Planung und Koordination der gemeinsam genutzten Infrastruktur und der baustellenspezifischen Kollektivschutzmassnahmen zum Beispiel gegen Hitze, Kälte oder bei schweren Lasten noch zu wenig gewährleistet ist.
Hier setzten Bauenschweiz und die Mitgliederverbände in den kommenden Monaten in der Kommunikation und im Austausch mit den Partnern an. OptiBau analysiert in einer zweiten Phase den ökonomischen Nutzen einer idealen Baustelle mit dem Ziel, die Baustelleninstallationen zu optimieren und Vorschläge zum Thema Ausschreibungen und Ausbildung zu machen. Die Stossrichtung der Suva bleibt bei den lebenswichtigen Regeln (LWR), aber Mensch und Prävention (u.a. Heben/Tragen) und die Entwicklung einer Präventionskultur im Betrieb sollen mehr ins Zentrum rücken.
Um die Berufsunfall und -krankheit bedingten Absenzen zu senken und das Image des Baugewerbes zu steigern, braucht es den Schulterschluss aller am Bau beteiligten Parteien. Die Argumente sprechen für sich: Die Projektkosten für baustellenspezifische, kollektiv genutzte Infrastruktur sind tiefer bei einer frühen Planung über den ganzen Baustellenprozess, die Abläufe sind klar und dadurch entstehen weniger Verzögerungen mit Zusatzkosten. Die Personalkosten sind tiefer auf Grund weniger Ausfälle durch Unfall oder Krankheit und tieferer Personalfluktuation, gesunde und motivierte Mitarbeiter führen zu weniger Absenzen und bleiben länger in ihrem gewählten Beruf.
Beeinflusst werden diese letzten Punkte auch durch die Gesundheitsförderung die keine gesetzliche Pflicht ist sowie die Umgangsformen und Zusammenarbeitskultur. Ein korrekter Umgang und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe schaffen Vertrauen für die gemeinsame Umsetzung von Bauprojekte. Hier lässt sich sogar die Brücke zum neuen Beschaffungsrecht schlagen: Es braucht einen Kulturwandel in der Zusammenarbeit, um den Fokus in der Beschaffung weg vom Preis hin zur Qualität zu schaffen.