Die 2021 verabschiedete Strategie stellt die Mittel und Ressourcen zur Verfügung, um die Aktivitäten auszubauen und die Grundlagen für ein durchgängiges Daten- und Informationsmanagement zu schaffen. Michel Bohren, Vorsitzender der CRB-Geschäftsleitung, erläutert das Vorhaben.
Michel Bohren, wie will CRB die digitale Transformation der Branche vorantreiben?
Analysen zeigen, dass in unserer Branche die Planungs-, Erstellungs- und Bewirtschaftungsprozesse stark fragmentiert sind. Es sind jeweils nur Teilbereiche optimiert, mit guten Daten und Informationen beschrieben und effizient digital unterstützt. Weil heute unklar ist, wie sich die Struktur der Branche und die Prozesse entwickeln werden, sind wir zum Schluss gekommen, dass es für uns als Standardisierungsorganisation nur eine Möglichkeit gibt, einen Beitrag zu leisten: Wir müssen die Grundlagen für ein durchgängiges Daten- und Informationsmanagement schaffen. Dazu werden wir bestehende Standards weiterentwickeln und – wo es zielführend ist – neue Standards schaffen. Diese neuen Standards werden auf modernen Konzepten aufbauen: offene Architekturen, verteilte Daten und hohe Transparenz.
Wo liegen die Herausforderungen?
Es ist offensichtlich, dass diese Konzepte im Gegensatz zur aktuellen Zusammenarbeitskultur in der Bauwirtschaft stehen. Um hohe Akzeptanz für das Umdenken zu schaffen, entwickeln wir neue Ansätze eng mit Partnern, Kunden und Mitgliedern und führen neue Methoden und Kooperationsmodelle ein. Ergänzend bauen wir unser Weiterbildungsangebot aus, um wichtige Ansätze und Erfahrungen weiterzugeben, wie die Transformation bei unseren Kunden und Partnern erfolgreich angegangen werden kann.
Wie können die erwähnten Ziele erreicht werden?
Mit der neuen Strategie hat unser Vorstand visionär die Richtung vorgegeben und die notwendigen Mittel zur Umsetzung bereitgestellt. Wir haben uns eine generelle Ausrichtung über die nächsten 12 Jahre gegeben, arbeiten aber in konkreten 3-Jahres-Projektportfolios und setzen die Projekte in Jahres- und Quartalszyklen um. Der Vorstand hat auch ein klares Bekenntnis zu den aktuellen Standards abgegeben: Um keines der im Markt etablierten Arbeitsmittel zu gefährden, werden die Innovationsprojekte nicht zulasten des operativen Geschäfts realisiert. CRB wird wachsen und bedeutende Investitionen tätigen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass alle grossen Fachverbände im CRB-Vorstand vertreten sind, wird klar, dass CRB einen wichtigen und verantwortungsvollen Auftrag der gesamten Branche erhalten hat. Darauf sind wir stolz.
CRB arbeitet mit verschiedenen Partnern eng zusammen. Wird sich das ändern?
Das Erfolgsmodell der letzten sechzig Jahre werden wir sicher nicht verändern. Nur über die gemeinsame Erarbeitung mit den Fachverbänden können belastbare Standards entstehen, und nur über die Distribution der Standards via Software-Partner können sie sich im Markt breit etablieren. Natürlich wird es Anpassungen brauchen. So kann im Sinne des durchgängigen Daten- und Informationsmanagements nicht mehr gewerkespezifisch gedacht und umgesetzt werden. Alles hängt zusammen und es darf keine Redundanzen und Widersprüche geben.
Was erwartet die Anwender und Anwenderinnen der CRB-Arbeitsmittel?
Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass CRB den Normpositionen-Katalog NPK weiter pflegt. Sie werden jederzeit über aktuelle Versionen der NPK-Kapitel verfügen. Bei jeder Überarbeitung werden wir diese sanft in Richtung der bauteilbasierten Ausschreibung weiterentwickeln. Der BIM-Profil-Server, der aktuell noch entwickelt bzw. ausgebaut wird, unterstützt bei der systematischen Erfassung und beim Austausch von Informationen. Auch den eBKP werden wir weiterführen und über die Web-Anwendung werk-material.online solide, nachvollziehbare Kostenkennwerte bereitstellen. Über Plugins in CAD-Systeme machen wir die eBKP-Klassifizierung in 3D-Modellen verfügbar und ermöglichen so eine strukturierte und standardisierte Mengenermittlung aus dem Modell. Mit der Erweiterung von 3D-CAD-Modellen zu 3D-Informationssystemen wird ein «Game Changer» eingeführt. Sie wird dafür sorgen, dass Bauteile, Systeme und Leistungen neben der geometrischen Ausprägung in einer einheitlichen und standardisierten Struktur auch über weiterführende (semantische) Informationen detailliert beschrieben werden können – das meinen wir, wenn wir vom CRB-Datenmodell sprechen.
Was ist aus Ihrer Sicht bei der Umsetzung dieser Aktivitäten besonders wichtig?
Die grösste Herausforderung ist aktuell, gute und motivierte Menschen zu gewinnen, die bei uns mitanpacken. Der schnelle und zugleich besonnene Ausbau der Organisation mit einer grossen Vielfalt hochqualifizierter Expertinnen und Experten wird der Schlüssel zum Erfolg sein. Dies dürfen die Leser und Leserinnen auch als «Call-to-Action» verstehen: Die Möglichkeit, mit grossem Gestaltungsspielraum und vielen Freiheiten in extrem spannenden Projekten die Zukunft einer ganzen Branche mitgestalten zu können, bietet sich vermutlich kein zweites Mal im Leben. Bewerben Sie sich bei uns!