22. Jan 2026
Die Schweiz wächst, der verfügbare Raum nicht. Seit 2014 verlangt das Raumplanungsgesetz eine haushälterische Bodennutzung. Doch in der Praxis zeigt sich: Die Verfahren sind langwierig, die Interessen zahlreich, die Zuständigkeiten oft unklar. Wenn wir die qualitätsvolle Verdichtung voranbringen wollen, gelingt das nur gemeinsam. Die beteiligten Akteure vom Projektinhaber über die Bewilligungsbehörde bis zum Umsetzer müssen frühzeitig und strukturiert zusammenarbeiten – nicht erst dann, wenn ein Baugesuch auf dem Tisch liegt.
Das Ziel ist klar: mehr Qualität und mehr Tempo in der Innenentwicklung. Dafür braucht es Planungssicherheit, klare Prozesse und eine konsequente Interessenabwägung. Kurz: schlankere und effizientere Baubewilligungsverfahren und weniger missbräuchliche Einsprachen. Auf dem Weg dorthin fehlt es jedoch häufig an einem gemeinsamen Willen zur Umsetzung und klaren politischen Signalen.
Aus diesem Grund engagiert sich der Dachverband der Bauwirtschaft 2026 für ein gemeinsames Verständnis in einer qualitätsvollen Innenentwicklung und unterstützt als Partnerin den Jahreskongress von EspaceSuisse vom 26. Juni 2026 zum Thema «Qualität gelingt nur, wenn die Bauwirtschaft, Planung, Gemeinden, Politik und Bevölkerung zusammenarbeiten».
Die Grundlage für diesen Dialog schafften während drei Jahren Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Kantonen, Gemeinden und Verbänden der Bauwirtschaft. Dafür identifizierten sie gemeinsam fünf Erfolgsfaktoren: es braucht Haltung und nicht nur Recht, einen frühzeitigen und strukturierten Dialog, klare Zuständigkeiten, Akzeptanz und Alltagsnutzen bei den Projekten und strategische Einbettung. «Was fehlt, ist oft nicht das Wissen, sondern die praxisorientierte Anwendung, die gegenseitige Verlässlichkeit und der gemeinsame Wille zur Umsetzung», wie einer Zusammenfassung des Dialogs zu entnehmen ist. Weitere Informationen und Arbeitshilfen zum Thema «Bauen einfacher machen» werden an der Swissbau am 22. Januar 2026 vorgestellt und die Arbeitshilfen stehen danach online zur Verfügung.
Die Bauwirtschaft übernimmt Verantwortung und arbeitet zusätzlich aktiv an Lösungsvorschlägen mit. Basierend auf dem von Bauenschweiz mitunterzeichneten Aktionsplan Wohnungsknappheit von Bundesrat Guy Parmelin und Grundlagen einer Studie von ARE und BWO haben wir ein Konzept für ein zweiphasiges Baubewilligungsverfahren entwickelt: Zuerst Klärung von Nutzung und Architektur, danach die technischen Aspekte und Normen – begleitet von einer konsequenten Digitalisierung des gesamten Prozesses. Dieses Konzept dient als Diskussionsgrundlage für Behörden, Politik und Öffentlichkeit und bringt die Sicht der Branche verständlich ein.
Auch beim Thema ISOS / Denkmal- und Ortsbildschutz engagieren wir uns intensiv. Unsere Mitglieder haben sich in den Dialog auf Bundesebene eingebracht. Dort wurde unter anderem auch festgehalten, dass Gemeinden und Kantone bei der Erfüllung von kantonalen und kommunalen Aufgaben von den ISOS-Erhaltungszielen abweichen können, wenn andere Interessen (wie der Wohnungsbau) überwiegen. Damit wird die Gemeindeautonomie wieder gestärkt. Die angekündigte Verordnungsanpassung bis Herbst 2026 ist ein wichtiger Schritt, um die Direktanwendung von ISOS auf wirklich ortsbildrelevante Fälle zu fokussieren. Zusätzlich soll nun geprüft werden, wie eine neue Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen die ISOS-Praxis beeinflusst. Der Nationalrat hat ein entsprechendes Kommissionspostulat überwiesen. Hier setzt Bauenschweiz weiterhin Druck auf.
Der Fokus der Bauwirtschaft bleibt klar: Wir setzen uns weiterhin für schlankere, digitale und schnellere Baubewilligungsverfahren ein. Wir bringen unsere Vorschläge – insbesondere zum zweistufigen Verfahren – aktiv ein und nutzen jede Gelegenheit, den Dialog zu stärken. Denn nur gemeinsam schaffen wir die Voraussetzungen, damit die Innenentwicklung der Schweiz gelingt: effizient, qualitätsvoll und verantwortungsvoll.