Von der Bauwirtschaft für die Bauwirtschaft

Ein Portrait über Nationalrätin Diana Gutjahr

Am 27. November 2017 wurde Diana Gutjahr als Nationalrätin vereidigt. Sie rückte damit für Hansjörg Walter nach, der nach 18 Jahren aus dem Nationalrat zurückgetreten ist. Seither ist die 34-jährige Thurgauerin Mitglied des eidgenössischen Parlaments.

Diana Gutjahr kann einen beeindruckenden Lebenslauf vorweisen: Nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau mit Berufsmatura bildete sie sich an der Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften in St. Gallen zur Betriebswirtschafterin aus. Dabei hatte sie die Möglichkeit in einem Austauschsemester an der Charles Sturt University in Australien zu studieren und somit die andere Seite des Globus kennen zu lernen.

Ihre weiteren beruflichen Erfahrungen sammelte sie in einem schweizweit tätigen Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, bevor sie in die elterliche Unternehmung zurückgekehrt ist. Heute führt sie zusammen mit ihrem Ehemann das Familienunternehmen Ernst Fischer AG, einen Stahl- und Metallbaubetrieb in Romanshorn. Ihre Unternehmung beschäftigt gut 80 Mitarbeitende und bildet Jahr für Jahr rund 15 Lernende aus.

Politisch ist die heutige Nationalrätin seit sechs Jahren aktiv. Als Vizepräsidentin der Arbeitgebervereinigung Romanshorn und Umgebung und gleichzeitige Vizepräsidentin des Thurgauer Gewerbeverbandes setzt sie sich für die Interessen der Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer Region ein. Als Botschafterin des Vereins „Leaderinnen Ostschweiz“ hilft sie mit, Frauen mit Führungs- und Fachverantwortung in der Ostschweiz zu stärken und besser zu vernetzen. Und als Mitglied des Bodenseerats gibt sich die Schweizer Unternehmerin, welche sich auch im angrenzenden Ausland behaupten muss, in einem internationalen Gremium ein.

Auch privat ist die junge Politikerin voller Elan. Sie spielt Tennis, joggt viel, liebt das Reisen und Lesen.

Nicht nur für die Bauwirtschaft ist es ein grosser Gewinn, dass mit Diana Gutjahr eine Politikerin in den Rat gewählt wurde, die beruflich täglich im KMU-Umfeld zu Hause ist. Eine Politikerin, die aus eigener Erfahrung die Herausforderungen der Bauwirtschaft kennt und sich für einen starken Werkplatz Schweiz, die Berufsbildung und einen gesunden Staatshaushalt einsetzt.

Wir wünschen Nationalrätin Diana Gutjahr weiterhin viel Erfolg in ihrer politischen wie auch unternehmerischen Tätigkeit!

Sandra Burlet, stv. Direktorin

Mobilfunk 5G: Verpasste Chance

In dieser Frühjahrs-Session – am 5. März - lehnte der Ständerat die Motion 18.3006 „Kollaps der Mobilfunknetze verhindern und den Anschluss an die Digitalisierung sicherstellen“ ab. Die Motion wollte dem Bundesrat den Auftrag erteilen, so rasch wie möglich eine Revision der entsprechenden Verordnung (NISV) in Angriff zu nehmen und die zu strikten Vorgaben, unter Berücksichtigung der internationalen Vorgaben, für den Strahlenschutz zu lockern.

bauenschweiz unterstützte zusammen mit anderen Wirtschaftsverbänden die Motion. Denn der bevorstehende Technologiesprung zu Mobilfunknetzen der fünften Generation (5G) stellt einen Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Digitalisierung dar. Damit die Schweiz diesen Sprung erfolgreich bewältigen kann, müssten jetzt die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Gerade die Bauwirtschaft ist auf ein funktionierendes und leistungsfähiges Mobilfunknetz angewiesen. Denn, wo früher mit Plänen auf Papier hantiert wurde, erfolgen die Abläufe heute mehr und mehr digital. Komplexer werdende Vorgaben und Technologien führen auf dem Bau zu ganz neuen Prozessen und Abläufen. Eine digitale Transformation des Planungs-, Bau- und Immobilienwesens ist im Gang, wie Building Information Modeling (BIM) zeigt. Die Digitalisierung hält aber auch beim Wohnen Einzug, wo Haustechnik und Geräte zunehmend vernetzt werden.

Aus Sicht der Wirtschaft stellt die Ablehnung der Motion eine verpasste Chance dar. Der Mobilfunk hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt und laufend neue, zuvor teils undenkbare Möglichkeiten eröffnet. Für den Standort Schweiz ist eine leistungsfähige, moderne Mobilfunkinfrastruktur heutzutage entscheidend, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Trotz Ablehnung der Motion ist der Bundesrat, der sich seinerseits für eine Erhöhung der Werte ausgesprochen hat, aufgefordert, das Thema weiterzuverfolgen, damit die Schweiz hier den Anschluss an die neuen Entwicklungen in der Mobilfunktechnologie nicht verpasst.

Ständerat Hans Wicki, Präsident bauenschweiz

Digitalisierung in der Geoinformationsbranche

Interview mit Rico Breu

Der Kulturingenieur ETH und patentierte Ing.-Geometer begann seinen beruflichen Werdegang als Partner in einer Ingenieurunternehmung. 2002 wechselte er zum IT-Servicemanagement der Graubündner Kantonalbank und begleitete das Outsourcing der GKB IT zu T-Systems (Schweiz) AG. Ab 2012 wurde er Leiter der Geschäftseinheit Vermessung und Mitglied der Geschäftsleitung der GEOINFO AG in Herisau. Im Rahmen der Neugründung der GEOINFO-Gruppe übernahm er den Vorsitz der Geschäftsleitung der GEOINFO Vermessungen AG und hat die Entwicklung der Unternehmung und den Wandel in der Ingenieurvermessung geprägt und gestaltet.  Rico Breu ist Vorstandsmitglied von Ingenieur Geometer Schweiz.

Herr Breu, was bedeutet Digitalisierung in Ihrem beruflichen Kontext?

«Die erste digitale Revolution des Vermessungsberufs hat vor vielen Jahren mit der AV93 begonnen. Ich meine damit die flächendeckende Aufarbeitung der amtlichen Vermessung in digitaler Form. An Stelle von Tuschzeichnungen von Hand konnten die Pläne automatisiert hergestellt werden. An der generellen Arbeitsweise hat sich mit der AV93 aber nichts Wesentliches verändert. In den letzten 10 Jahren wurden jedoch immer bessere Sensoren entwickelt. Diese erleichtern die Datenerhebung stark.»

Was wird sich im Zuge der Digitalisierung verändern?

«Die Arbeitsprozesse werden grundlegend verändert. Ein Beispiel, das dies sehr gut verdeutlicht: Die Vermessung einer Kiesgrube erforderte früher viele Tage Feldarbeit einer ganzen Vermessungsgruppe. Mit den heutigen Technologien erfasst eine Person in wenigen Stunden die gesamte Datenaufnahme alleine. Die Dauer der Feldarbeit wird stark verkürzt, standardisierte Auswertungen beschleunigen die Datenaufbereitung, es gibt weniger repetitive und viel weniger manuelle Arbeiten und das bei viel höherer Ergebnisqualität. Damit ändert sich auch das Berufsprofil des Vermessungsingenieurs und des Geomatikers erheblich. »

Welches sind die markantesten Veränderungen in den letzten 10 Jahren?

«Es ist erstaunlich: Viele Unternehmen der Vermessungs- und Planer Branche arbeiten noch fast so wie vor 10 Jahren. Die Werkzeuge sind noch dieselben und die Arbeitsprozesse haben sich kaum verändert. Der Umsatz in der amtlichen Vermessung ist aber seit Jahren stark rückläufig. Die Anforderungen an unsere Vermessungsdienstleistungen im Bereich Infrastruktur-Bau und in der Werterhaltung haben sich sehr stark verändert. »

Haben Sie konkrete BEISPIELE?

"Nehmen wir das Thema Drohnen: Noch vor 20 Jahren war die Produktion von Orthofotos eine «Ingenieurskunst». Sie bedurfte sehr teurer Infrastruktur und langer Planung. Heute kann mit ein paar Drohen und Apps sehr rasch und kostengünstig ein vergleichbares Produkt hergestellt werden. Mag sein, dass es nicht in jeder Hinsicht gleich präzis ist. Es ist aber mit Sicherheit aktueller und günstiger. Drohnen schliessen die Lücke zwischen terrestrischen Aufnahmen und Satellitenbildern. Das klassische Luftbild aus dem Flugzeug oder dem Heli wird immer weniger nachgefragt, obwohl die Rechtslage für Drohnen noch nicht geklärt ist. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass sich «Spielereien» rasch zu etablierten Lösungen entwickeln. Bestehende Infrastrukturen, langjähriges Wissen oder fehlende, rechtliche Grundlagen können dies nicht mehr verhindern."

Was soll man sich konkret darunter vorstellen?

«Heute erwarten die grossen Infrastrukturbetreiber wie SBB, ASTRA, Swissgrid, Post und andere eine hoch automatisierte Zustandsüberwachung. Beispiele dafür sind geotechnische Sensoren an Brücken, Kunstbauten oder Gleisen. Oder auch die Produktion von Stereobildpaaren in hoher Geschwindigkeit zur Erhebung des Strassenzustands. In der Architekturvermessung gehören heute 3D Rasterlaser Aufnahmen zum erwarteten Standard. Und nicht zu vergessen die Drohnenbefliegungen: photogrammetrische Aufnahmen, Orthofotos und Terrainmodelle sind weitere Produkte, die heute in kürzester Bearbeitungszeit hergestellt werden können. Die Kunden erwarten diese Angebote heute von der Ingenieurvermessung.»

Wer wird von der Entwicklung der Digitalisierung profitieren, wer wird verlieren?

«Vor allem wird der Kunde profitieren. Er bekommt bessere Produkte für günstigere Preise. Verlieren werden diejenigen Berufskollegen, die den technologischen Change in ihren Betrieben verpassen.»

Wie beurteilen Sie die Entwicklungen in den baunahen Branchen im Vergleich zu anderen?

«Die Bauwirtschaft ist aus meiner Sicht eine, noch am wenigsten digitalisierte Branche in der Schweiz. Im Vergleich dazu haben Industrie, Telekommunikation, Banking, und viele andere mehr, den Wandel bereits erkannt und setzen die Veränderungen rasch um. Die Vermessungsbranche ist von der Bauwirtschaft abhängig. Entsprechend liegt sie ebenfalls noch im Rückstand. Heute verfügbare Technologien lassen auch eine vollautomatisierte Baumaschinensteuerung zu. Hier haben wir erhebliches Innovationspotential! »

Was ist aus Ihrer Optik zu tun, damit die Vermessung mit der Digitalisierung und den anstehenden Veränderungen schritthalten kann?

«Die Vermessung muss vermehrt den Dialog mit ihren Kunden und Partnern in der Baubranche suchen. Sie muss sich aktiv in deren Prozessveränderungen einbringen. Sie darf nicht zögern, in neue Technologien und gleichzeitig in das Know-how des Personals zu investieren.  Ich erwarte, dass die Geoinformations-Branche im Rahmen des Wandels zu konkreten Fragen Stellung bezieht. Es ist dringend zu klären, wer für welche Aufgaben zuständig ist. Zum Beispiel: «Wessen Aufgabe ist der Aufbau und Betrieb von Geodateninfrastrukturen? Wie regeln wir künftig die Prozesse in der Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung (Bund, Kantone, Gemeinden) und den Unternehmen der Privatwirtschaft? Welche Spielräume hat die öffentliche Hand im Beschaffungswesen und wie können diese ausgeschöpft werden? Die digitale Transformation bietet viele Chancen!»

Vielen Dank Rico Breu für das spannende Gespräch!

Das Interview wurde geführt von Pol Budmiger, Gesamtleitung und Präsident von GEOSummit. Der GEOSummit (www.geosummit.ch) ist der wichtigste Anlass der Schweiz zu Geoinformation und Vermessung. Der Kongress mit Fachmesse findet vom 5.-7. Juni 2018 in Bern zum Thema «Der digitale Lebensraum» statt.   Melden Sie sich an, wenn Sie mehr zu den neusten Technologien (GeoBIM, Geomonitoring Drohnen, Augmented Reality, etc.) und Prozessen erfahren wollen.

Solides Baujahr 2017; Warnungen vor Risiken nehmen zu

Gesamtwirtschaftliche Lage

Das Schweizerische Bruttoinlandprodukt BIP wuchs laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft SECO im 4. Quartal 2017 um 0.6 %. Das Wachstum war breit über die verschiedenen Wirtschaftssektoren abgestützt. Positive Impulse kamen laut SECO vom verarbeitenden Gewerbe, vom Baugewerbe sowie von den meisten Dienstleistungsbranchen, insbesondere auch von den Finanzdienstleistungen. Für das gesamte Jahr 2017 resultiert eine Wachstumsrate des realen BIP von 1.0%.

Zementlieferungen: 2017 rückläufig

Im 2017 waren die Zahlen zu den Zementlieferungen gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Während im Jahre 2016 die Inlandlieferungen der Schweizerischen Zementindustrie noch um 4.2% zulegen konnten, reduzierten sie sich im Jahr 2017 um 2.8%, wie cemsuisse anfangs 2018 schreibt.

Projektierungssektor: 2017 gute Stimmung vorherrschend

Bei den Planern fällt das Urteil über die Geschäftslage im 2017 klar positiv aus. Es zeigte sich keine Spur von Krise, wie der SIA schreibt. Die tiefen Zinsen fördern nach wie vor die Bautätigkeit, der SIA warnt aber gleichzeitig auch von den beträchtlichen Risiken, die insbesondere im Immobilien- und Wohnungsmarkt lauern. Die Einschätzungen der erwarteten künftigen Geschäftslage sind denn auch namentlich bei den befragten Ingenieurbüros etwas zurückhaltender. 

Bauhauptgewerbe: Solides Baujahr 2017

Das Baujahr 2017 war laut dem Schweizerischen Baumeisterverband von moderatem Wachstum geprägt. Das Bauhauptgewerbe hat 20.8 Mrd. Franken Umsatz erzielt, 4.1% mehr als im Vorjahr. Der Hochbau trug dabei etwas mehr zum Wachstum bei als der Tiefbau. Gegen Jahresende wurde die Baukonjunktur wesentlich durch die trockene und damit baufreundliche Witterung begünstigt. Auch der Baumeisterverband verweist auf die bestehenden Risiken und die zunehmenden Leerstände im Wohnungsbau und hält fest, dass das Umfeld für die Bauunternehmen herausfordernd bleibt.

Ausbau und Gebäudehülle: Optimismus vorherrschend

Gemäss der KOF-Konjunktur-Umfragen, wird die Marktlage im 2017 von der Mehrzahl der Verbände aus den Ausbau-Branchen als weitgehend gut beurteilt. Der Reichweite der Auftragsbestände zeigt in den meisten Fällen eine leicht positive Tendenz. Mit Blick auch auf die positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen starten die Branchen des Ausbaugewerbes mehrheitlich verhalten optimistisch ins Jahr 2018.

Konjunktur-Ausblick: Deutliches Wachstum erwartet

Das KOF-Konjunkturbarometer stieg im Februar 2018 um 0.4 Punkte auf einen neuen Stand von 108 Punkten. Damit stabilisierte sich das Barometer nach dem Rückgang vom Vormonat auf einem Niveau, das über dem langfristigen Mittel liegt. Für die nähere Zukunft erwartet KOF deshalb für die gesamte Schweizer Wirtschaft weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten. 

Laut dem SECO erwartet die Expertengruppe des Bundes, dass sich die Schweizer Konjunktur im laufenden Jahr schwungvoll erholt. Dank des weltwirtschaftlichen Aufschwungs wird für 2018 ein starkes BIP-Wachstum von 2,3 % prognostiziert, für 2019 solide 1,9 %.

Übersicht in Zahlen vgl. Baukonjunktur-Barometer März 2018

Sandra Burlet, stv. Direktorin bauenschweiz