27. Aug 2026

Nachhaltigkeit auf Augenhöhe mit Qualität

Der Vergabemonitor der Schweizer Bauwirtschaft Sommer 2026 zeigt: Nachhaltigkeit holt zur Qualitätsgewichtung auf, während die Plausibilität des Angebots weiter an Bedeutung gewinnt.

Der Vergabemonitor der Schweizer Bauwirtschaft erscheint im Sommer 2026 in einem neuen Layout. Inhaltlich zeigt sich: Nachhaltigkeit holt zur Qualitätsgewichtung auf, während die Plausibilität des Angebots weiter an Bedeutung gewinnt.

Mit der Sommerausgabe 2026 erscheint der Vergabemonitor der Schweizer Bauwirtschaft in einem neuen Kleid. Statt die Ergebnisse wie bisher nach einzelnen Indikatoren zu gliedern, werden sie neu nach Branchen dargestellt. Dadurch wird der Bericht deutlich kompakter und erlaubt einen direkteren Vergleich der verschiedenen Indikatoren innerhalb von Baugewerbe, Ingenieurwesen und Architektur.

Nachhaltigkeit erreicht Werte der Qualitätsgewichtung

Inhaltlich zeigt sich im zweiten Quartal 2026 ein zunehmend differenziertes Bild. Während sich die Qualitätsgewichtung kaum mehr verändert, gewinnt die Nachhaltigkeit weiter an Bedeutung. Besonders deutlich wird dies im Jahresvergleich: Der Anteil der Qualitätskriterien sank von 53,5 % auf 52,8 %, während der Anteil der Nachhaltigkeitskriterien innerhalb der Qualitätsbewertung von 47,6 % auf 52,7 % stieg. Damit liegen beide Werte erstmals praktisch gleichauf.

Nachhaltigkeitskriterien nach Branchen

Zwischen den Branchen bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede. Mit einem Qualitätsanteil von 67,5 % führt das Ingenieurwesen vor der Architektur mit 63,1 %. Das Baugewerbe liegt mit 45,1 % deutlich darunter und dies, obwohl es mit 50,7 % mehr als die Hälfte aller untersuchten Ausschreibungen ausmacht.

Plausibilisierung von Angeboten etabliert sich zunehmend

Neben der Nachhaltigkeit gehört die Plausibilität des Angebots zu den wenigen Indikatoren, die auch im Jahresvergleich zulegen. Schweizweit stieg ihr Anteil von 4,4 % auf 5,7 %. Besonders stark ist die Anwendung bei Ingenieurleistungen: Dort enthalten inzwischen 17,8 % der Ausschreibungen das Kriterium, gegenüber 11,3 % in der Architektur und 6,0 % im Baugewerbe.

Auch der Vergleich der Zeiträume vor und nach Inkrafttreten der Totalrevision unterstreicht diese Entwicklung. Auf Bundesebene stieg der Anteil der Angebotsplausibilisierung von 9,1 % vor der Revision auf 28,2 % danach. Gleichzeitig liegt der Bund bei Qualität und Nachhaltigkeit weiterhin über dem Gesamtmarkt.

Varianten und Dialog leicht im Aufschwung

Im Vergleich zum Vorquartal zeigen auch Varianten und Dialogverfahren wieder mehr Dynamik. Der Anteil zugelassener Varianten nahm schweizweit um 14,8 % auf 8,6 % zu; Dialogverfahren stiegen um 26,3 %, bleiben mit einem Anteil von lediglich 0,5 % jedoch ein selten eingesetztes Instrument. Die grösste Bedeutung haben Varianten im Baugewerbe mit 11,1 %, während Dialogverfahren mit 2,3 % besonders häufig bei Architekturleistungen vorkommen. Im Jahresvergleich gingen allerdings sowohl Varianten als auch Dialogverfahren zurück.

Anteile nach Indikatoren

Bund und Basel-Stadt prägen den Kulturwandel

Als Treiber des Kulturwandels treten insbesondere der Bund und der Kanton Basel-Stadt hervor. Über die verschiedenen politischen Ebenen hinweg sind es vor allem Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien, teilweise auch Varianten und die Plausibilität des Angebots, welche die Veränderungen prägen.

Die Ergebnisse zeigen damit weniger eine flächendeckende Zunahme aller Instrumente als vielmehr eine Verschiebung innerhalb des Kulturwandels: Die allgemeine Qualitätsgewichtung hat sich auf hohem Niveau stabilisiert, während Nachhaltigkeit zunehmend Bestandteil dieser Qualitätsbewertung wird und sich die Plausibilisierung des Angebots als zusätzliches Instrument weiter etabliert.

Vergabemonitor Sommer 2026 (PDF)

Alle Informationen zum Vergabemonitor und frühere Ausgaben sind verfügbar unter bauenschweiz.ch/Vergabemonitor