Artikel aus dem Jugendmagazin Spick

Vier Baustellen, vier Welten

Wir waren beim Bau von einem Haus, Tunnel, Hochwasserstollen und einer Wohn- und Arbeitssiedlung dabei. Schau wie unterschiedlich Bauen sein kann!

Baustelle 1: Hochwasserschutz

Stell dir vor, ein sonst friedlicher Fluss verwandelt sich in wenigen Stunden in eine reissende braune Masse. Genau das kann im Sarneraatal passieren.

Bei einem Baustellenbesuch wurde Malin V. (13) das Projekt von Daniel Fanger, dem  Projektleiter, erklärt.

Warum ist das Sarneraatal besonders gefährdet? 

Das Sarneraatal ist eng, flach und stark bebaut. Viel Wasser aus den umliegenden Bergen sammelt sich in kurzer Zeit in der Sarner Aa. Früher hatte der Fluss mehr Platz, um sich auszubreiten. Heute stehen dort Häuser, Schulen, Strassen und Bahnlinien. Wenn der Fluss über die Ufer tritt, sind schnell ganze Quartiere betroffen.

Die baulichen Herausforderungen

Ein zentrales Problem ist der begrenzte Raum. Der Fluss kann nicht einfach breiter gemacht werden, weil links und rechts bereits vieles gebaut ist. Was also tun?

  • Der Fluss wird an gewissen Stellen tiefergelegt, damit mehr Wasser abfliessen kann.
  • Ufer werden mithilfe von Baumaschinen, Zement und Steinen gezielt verstärkt oder abgesenkt, sodass das Wasser kontrolliert überfluten kann, ohne grossen Schaden anzurichten.
  • Brücken müssen angepasst werden, weil sie bei Hochwasser wie ein Staudamm wirken können.

Gleichzeitig darf die Natur nicht vergessen gehen. Fische, Pflanzen und andere Lebewesen brauchen ihren Lebensraum. Darum wird versucht, den Fluss naturnaher zu gestalten – mit flacheren Ufern, Kiesinseln und neuen Lebens räumen.

Warum ist das Projekt so wichtig? 

Hochwasserschutz bedeutet Sicherheit für die Bevölkerung. Menschen sollen ruhig schlafen können, auch wenn es tagelang regnet. Schulen, Spitäler, Verkehrswege und Arbeitsplätze müssen geschützt werden. Zudem spart Vorsorge langfristig viel Geld: Reparaturen nach einem Hochwasser sind meist viel teurer als vorbeugende Massnahmen.

Baustelle 2: Tunnelbau

Die Schweiz hat über 1400 Tunnel. Diese sind wichtig, um den Verkehr am Laufen zu halten. Mit dem Bau eines Tunnels ist es aber nicht getan. Ein Tunnel muss regelmässig gewartet und irgendwann auch saniert werden.

Bei einem Baustellenbesuch durften Thomas M. (14) und sein jüngerer Bruder Simon M. (11) einen Blick hinter die Kulissen werfen. Begleitet wurden sie von Bauleiter Daniel Hardegger, der ihnen erklärte, was es bedeutet, einen der meistbefahrenen Tunnel der Schweiz instand zu setzen.

Warum ist der Gubristtunnel so wichtig? 

Der Gubristtunnel ist ein Herzstück der Nordumfahrung Zürichs. Täglich fahren über 120 000 Fahrzeuge hindurch – Autos, Lastwagen und Busse. Ohne diesen Tunnel würde der Verkehr in und um Zürich schnell zum Stillstand kommen. Tunnel sind in der Schweiz besonders wichtig, weil sie Berge durchqueren, Dörfer entlasten und sichere Verbindungen schaffen. 

Arbeiten unter besonderen Bedingungen 

Die grösste Herausforderung: Der Tunnel muss sicher bleiben, während der Verkehr weiter rollt. Nach der Eröffnung der dritten Röhre im Jahr 2023 konnten die ersten beiden Röhren saniert werden. Dabei wurde die Fahrbahn abgesenkt, die Zwischendecke erneuert und moderne Technik eingebaut. Enge Platzverhältnisse und Arbeiten tief unter der Erde verlangen höchste Präzision. 

Sicherheit durch Instandhaltung 

Strassen und Tunnel altern – genau wie Velos oder Spielplätze. Ohne regelmässige Pflege steigt das Risiko von Unfällen. Deshalb werden im Gubristtunnel auch Belüftung, Entwässerung und Brandschutz modernisiert. So bleibt der Tunnel auch in Zukunft sicher.

Das Video von Walo Bertschinger zeigt die Sanierung des Gubristtunnels eindrücklich:

Baustelle 3: Sanierung Mehrfamilienhausrift

Aus Alt mach Neu: Nur weil ein Haus alt ist, kann es trotzdem noch eine grosse Zukunft für sich und seine Bewohner vor sich haben – wie die Überbauung an der Rorschacherstrasse in St. Gallen zeigt.

Bei einem Baustellenbesuch durfte sich Mika D. (12) ein eigenes Bild machen, wie ein altes Haus ein neues Dach erhält. Hoch oben erklärte René Himmler, Vorarbeiter der Firma Weibel, Schritt für Schritt, warum das Dach so wichtig ist: Es schützt vor Regen, Kälte und Hitze – und spielt eine grosse Rolle für den Energieverbrauch eines Hauses.

Warum alte Gebäude sanieren?

Was tun, wenn ein Haus in die Jahre kommt? Abreissen und neu bauen ist nicht unbedingt die beste Lösung. Eine Sanierung spart wertvolle Ressourcen, weil Mauern, Fundamente und vieles mehr weiter genutzt werden können. Ausserdem bleibt der Charakter des Gebäudes erhalten – das ist besonders in Altstädten wichtig. 

Arbeiten mit Köpfchen 

Bei der Sanierung an der Rorschacherstrasse wird nicht nur repariert, sondern auch verbessert. Das neue Dach sorgt dafür, dass weniger Wärme verloren geht und das Haus energieeffizienter wird. Ausserdem werden Solarmodule eingebaut, durch die Strom gewonnen wird. 

Von Fall zu Fall 

Bevor an einem Haus gebaut wird, muss man zuerst gut überlegen: Was soll verbessert werden? Braucht es ein neues Dach oder sogar mehr Wohnungen? Kann man renovieren – oder muss man neu bauen? Mit Fachwissen und guter Planung hat man bei der Baustelle in St. Gallen die Lösung gefunden: Sanierung ist in dem Fall besser. So wird aus Alt wieder (fast) Neu.

Baustelle 4: Siedlungsbau

Wankdorfcity 3 – ein neues Quartier entsteht. Auf der Baustelle in Bern wird gebaut, geplant und koordiniert, damit hier in Zukunft Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen und zur Schule gehen können.

Bei einem Baustellenbesuch durften Eliza v. A. (15) und ihr jüngerer Bruder Efraim v. A. (12) hautnah erleben, wie so ein grosses Bauprojekt entsteht. Gezeigt wurde ihnen alles von Gabriela Theus, sie ist Chefin der Firma, die den Bau des neuen Quartiers finanziert.

Warum ist Siedlungsbau so wichtig?

In der Schweiz leben immer mehr Menschen auf begrenztem Raum. Durch neue Siedlungen entsteht neuer Wohnraum. Ziel ist es, alles Wichtige möglichst nah beieinander zu haben: Wohnungen, Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Schulen, Freizeitangebote und gute Verbindungen mit Bus und Bahn. So werden lange Wege vermieden – das schont Zeit und Umwelt. 

Siedlungsbau ist mehr als Häuser in einer Nachbarschaft 

Eine grosse Herausforderung beim Siedlungsbau ist die Planung. Wo spielen Kinder? Wo fahren Autos, Velos oder Trams? Wie laut darf es sein, und wo braucht es Grünflächen? All das muss früh bedacht werden. In Wankdorfcity 3 entstehen deshalb moderne Gebäude, die gut miteinander vernetzt sind. 

Gestapelt in die Zukunft 

Wankdorfcity 3 wird nicht in die Breite gebaut, sondern gut gestapelt in die Höhe. So entsteht ein Lebens raum, der das Zusammenleben auf gut geplantem Raum ermöglicht.