Bauwirtschaft aktuell, Nr. 35

"Erzählt mehr von Euch - ein Plädoyer für Kommunikation in der Bauwirtschaft"

Wer über sein Gewerbe, seine Branche, seinen Beruf erzählen will, muss stolz sein darauf, muss Freude verbreiten wollen – sonst schweigt er besser. Erfolgreiche Kommunikation beginnt mit einer mentalen Haltung.

Erfolgreiche Kommunikation hat also etwas mit Lebensfreude zu tun und mit dem Willen, die Welt zu gestalten. Genau das macht die Bauwirtschaft. Sichtbar und Tag für Tag. Und davon sollten die Exponenten des Baugewerbes in den unzähligen Kanälen, die heute für eine moderne Kommunikation zur Verfügung stehen auch erzählen.

Was ist Kommunikation? Der Mensch hat die Fähigkeit zu situationsgerechtem Verhalten. Er versucht, seine eigene Wirkung und die Wirkung seiner Entscheidungen und Taten auf andere vorherzusagen, sie in seine Handlungspläne miteinzubeziehen. Zu diesem Zweck muss er differenzierte Beziehungen aufnehmen, als Individuum, als Unternehmer, als Bürger, als Angestellter am Arbeitsplatz.

Früher bestimmten Verleger und Journalisten alleine die öffentlichen Gesprächsthemen – heute mischen alle mit: Jeder kann in der Welt des Internet seinen öffentlichen Auftritt und damit über seine Gesprächsthemen und Botschaften in der Öffentlichkeit berichten. Das Internet-Zeitalter gibt allen eine Chance. So kann das kleine Bauunternehmen ohne grossen Aufwand täglich über Fortschritte an seinem Hausbau per Video berichten und sich damit an sein Zielpublikum wenden: an die Nachbarn, an zukünftige Bauherren oder an potentielle Lehrlinge.

Wer erfolgreich kommunizieren will, muss diese neuen Medien-Mechanismen nicht nur begreifen sondern mental anzuwenden wissen. Es gilt Lebenslust zu versprühen und das Interesse an der eigenen Branche oder Sache zu wecken. Für die Bauwirtschaft heisst dies:

Warum nicht nach dem ersten Spatenstich twittern? Weshalb kein Interview mit einem Dachdecker unmittelbar nach seinem Arbeitstag auf die Homepage der eigenen Firma platzieren? Oder, wie wäre es mit einem Video über die ersten Bewohner im neuen Haus?

Das Interesse und die Sympathie an Bauen, an Architektur, an Handwerk in der Bevölkerung ist gross. Dies gilt es zu nutzen. Es gilt Geschichten aus dem unternehmerischen Alltag zu erzählen – sei es per Zeitungsartikel in der Regionalzeitung, per Video, per Tweed, per Blog, per Medienkonferenz unmittelbar vor der Fertigstellung des Baus, per Hintergrundgespräch mit Fach-Journalisten, per Lokal-Fernsehen usw.  

Das bedeutet aber auch, sich ebenso den grossen, umstrittenen Themen zu stellen. Denn Kommunikation bedeutet nicht, Probleme zu verschweigen, sondern sie in einen grösseren Zusammenhang zu stellen, sie zu erklären, Lösungen vorzuschlagen, auch Fehler zuzugeben. So baut sich langfristig Glaubwürdigkeit auf. Eine solche Glaubwürdigkeit bleibt dann auch im Krisenfall, in der öffentlichen Auseinandersetzung und in jeder Situation, in der Fehler eingestanden werden müssen, intakt.

Selbstverständlich braucht es auch den Kontakt zu den Journalisten. Diesen gilt es zu pflegen, am besten mit denjenigen in der eigenen Region. Man muss die Journalisten mit Hintergrundinformationen bedienen, mit Informationen also über einzelne Aufträge und Projekte oder über den real existierenden Kostendruck für einen Gewerbler in der Schweiz und wie man damit umgeht. All das muss ein Journalist wissen, damit er berichten kann.  Deshalb heisst die Devise: Informieren und Berichten. Das Interesse seitens Leser, Zuschauer, Zuhörer und User für die Baubranche ist jedenfalls vorhanden. Dies gilt es zu nutzen.

Peter Hartmeier, Berater und Publizist; Partner von Lemongrass Communications AG

EasyGov.swiss als Chance für die Bauwirtschaft

EasyGov.swiss ist der neue Online-Schalter der Verwaltung für Unternehmen. Er macht Behördenleistungen jederzeit elektronisch, sicher und zentral zugänglich. Das neue Online-Portal reduziert und vereinfacht die Administration für die KMU auf Stufe Bund, Kantone und Gemeinden. Die Schweizer Bauwirtschaft profitiert ebenfalls von EasyGov: Ihr bietet sich die Chance, sich durch ein modernes Dienstleistungsangebot zu profilieren und mehr Zeit in die Beratung ihrer Kunden zu investieren.

Administrative Belastungen machen den Schweizer KMU zu schaffen: Sie schränken im Tagesgeschäft ein, verursachen Kosten und binden wertvolle Ressourcen. Deshalb hat Bundesrat Johann Schneider-Ammann am 6. November 2017 gemeinsam mit Vertretern der Kantone und der Privatwirtschaft EasyGov.swiss lanciert – den neuen Online-Schalter der Schweizer Behörden für Unternehmen. Damit erfolgt im Rahmen der E-Government-Strategie Schweiz ein Schritt hin zu einer digitalen und nutzerorientierten Verwaltung. Dank EasyGov wird der Austausch mit den Behörden vereinfacht und der administrative Aufwand reduziert.

Easygov bietet während 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einen zentralen und benutzerfreundlichen Zugang zu digitalen Behördenleistungen wie

- Firmengründungen

- Anmeldungen bei der AHV, der Mehrwertsteuer und bei der Unfallversicherung

- Anmeldungen und Mutationen beim Handelsregister              

- MWST-Transaktionen: Fristverlängerung online, Antrag auf Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten, Unterstellungserklärung Saldosteuersatzmethode

In den kommenden Jahren wird das Angebot kontinuierlich ausgebaut, sodass bis Ende 2019 die gefragtesten Behördengänge allesamt digital zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund ist EasyGov eine Chance für die Schweizer Bauwirtschaft, sich mit einem modernen Dienstleistungsangebot und einer hohen Qualität in der Beratung zu profilieren. Die Unternehmerinnen und Unternehmer können sich dank EasyGov intensiver auf ihr Kerngeschäft fokussieren, noch mehr auf die Wünsche ihrer Kunden eingehen und dadurch die Geschäftsentwicklung positiver gestalten. Als Zentralpräsident des VSEI habe ich mich bei diesem Projekt von erster Stunde an eingebracht und bin von dessen Erfolg überzeugt. 

Michael Tschirky, Zentralpräsident VSEI

Normenschaffen – wo stehen wir?

Stefan Cadosch, SIA-Präsident, und Jean-Marc Jeanneret, Vorstandsmitglied des VSS, brachten den Anwesenden an der diesjährigen Herbstplenarversammlung von bauenschweiz die Baunormung näher. Dank dem langjährigen Engagement des SIA und des VSS besteht in der Schweiz ein einzigartig schlankes, zielorientiertes und kostengünstiges Normenwerk für die Planungs- und Baubranche.

Im Juni 1883 war die Geburtsstunde der ersten SIA-Norm – derjenigen für Backsteine. Die Delegiertenversammlung des 1837 gegründeten Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) beschloss mit 56 gegen 19 Stimmen, das Normalformat für schweizerische Backsteine auf 25 x 12 x 6 cm festzulegen. Diese erste SIA-Norm (von lateinisch „norma“ Winkelmass, Richtschnur, Massstab, Regel, Vorschrift) hat das Planen und Bauen von Backsteinbauten in der Folge wesentlich vereinfacht, weil nun alle masstechnisch vom gleichen sprachen, wenn sie von Backsteinen redeten. Seither sind rund 200 weitere SIA-Normen dazugekommen. Diese stehen heute für anerkannte Regeln der Baukunde, die in der Schweizer Planungs- und Baubranche breit zur Anwendung kommen.

Der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) wurde 1913 von kommunalen und kantonalen Baubehörden gegründet mit dem Zweck der Standardisierung der Verkehrsinfrastruktur. 1920 begann der VSS mit der Erstellung von Normen. Mit dem Autobahnbau ab 1960 wurde er die zentrale Schweizer Normierungsinstanz in Sachen Verkehr. Seither hat der VSS sein Normenwerke gleichfalls ausgebaut und passt auch heute noch immer laufend den Entwicklungen in der Mobilität (Wachstum des Verkehrsaufkommens, Weiterentwicklung und Veränderung der Fortbewegungsmittel, gestiegenes Umweltbewusstsein) an.

Die Oberaufsicht über das Normenwesen in der Schweiz liegt beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), das die Gesamtkoordination an die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV) weiterdelegiert hat. Klar für alle auf Seiten des SIA wie auch des VSS Mitwirkenden: Normen sind einfacher zu handhaben und besser zu implementieren als Weisungen, die in der Regel einen politischen Prozess durchlaufen müssen. Entwickelt nach der Strategie, die Kompetenz und die Eigenverantwortung der Normen anwendenden Fachleute in den Vordergrund zu stellen, ja sogar einzufordern, und dem Grundsatz «Nur so viele Normen wie nötig – so wenige wie möglich» folgend, sind die Normen des SIA und des VSS, entgegen der weitläufigen Meinung, auch kein Beitrag zu noch mehr Regulierung sondern ein bewusst gesetzter Kontrapunkt zur heutigen «Kontroll- und Überadministrationstendenz», ein Beitrag zur Entlastung der Gesetzgebung.

Dieses Er- und Überarbeitungsrezept wird auch angewendet auf die europäischen, in der Schweiz zur Anwendung gelangenden Normen. Normen, deren Einfluss auch in unserem Land immer grösser wird. Die europäischen Standards werden laufend überprüft und den schweizerischen Gegebenheiten angepasst. Dazu wirken der SIA und der VSS in den internationalen Normengremien Comité Européen de Normalisation (CEN) und International Organization for Standardization (ISO) mit.

Das Milizsystem muss bewahrt werden

Alle Normen des SIA und des VSS werden paritätisch in Kommissionen von Planern, Auftraggebern, Unternehmern, Lieferanten und Behörden mit Einbezug der Hochschulen erarbeitet. Eine öffentliche Vernehmlassung ist Bestandteil des Verfahrens. Heute noch wird das Normenschaffen bei beiden Vereinen von freiwillig mitwirkenden Fachleuten getragen, sprich im Milizsystem oder Volontariat erbracht. Der Normierung à la SIA und VSS inhärent ist ein intensiver Austausch zwischen Forschung, Praxis und Wissensvermittlung. Frauen und Männer aus allen Regionen der Schweiz, von den Hochschulen, von kommunalen, kantonalen und nationalen Ämtern und nicht zuletzt aus der Planungs- und Baubranche finden sich in Kommissionen zusammen, bearbeiten eine Norm und entwickeln sie weiter. Der tatsächliche Bedarf und das Fachwissen der Leute, die anschliessend auch mit der Norm arbeiten, werden so umfassend abgeholt. Das ist die Grundlage für den Erfolg.

Kostengünstige Finanzierung

Der VSS gibt im Jahr rund 4 Millionen Franken für die Pflege und Weiterentwicklung seiner Normen aus. Die Tätigkeit der zahlreichen Experten und Expertinnen, die dabei freiwillig mitwirken, ist in diesem Betrag nicht enthalten. Rechnet man für diese ca. 21'000 Stunden zum Ansatz von 180 Franken, dann ergibt sich ein monetärer Wert der VSS-Tätigkeit von insgesamt gegen 7,36 Millionen Franken. Mit anderen Worten: Könnte sich der VSS nicht auf zahlreiche, milizionär Mitwirkende verlassen – analog gilt das auch für den SIA - müsste er mit diesem jährlichen Aufwand rechnen.

Der VSS finanziert sich zu rund 62 Prozent mit den Einnahmen aus dem Normenverkauf. 2016 steuerte der Hauptauftraggeber, das ASTRA, 120'000 Franken oder rund 3 Prozent bei. Der Rest ergibt sich aus Mitgliederbeiträgen (19%) und aus Erträgen von Weiterbildungsveranstaltungen (16%). Der SIA finanziert die Erarbeitung und Weiterentwicklung seiner Normen zum grossen Teil mit den Vereinsbeträgen der SIA-Mitglieder und dem Verkauf der Normen:  etwa 4.5 Millionen Franken  pro Jahr. Vereinzelte SIA-Normenprojekte werden zusätzlich von Dritten mit Beiträgen unterstützt. Zum Vergleich: Eine staatlich-amtliche Normierung dürfte etwa 13 Millionen Franken kosten.

Forderungen des VSS und des SIA

1. Die Normierung für die Planungs- und Bauwirtschaft muss auch weiterhin in den Händen des SIA und des VSS bleiben und nach deren Strategie gepflegt und weiterentwickelt werden. Normen aus der Praxis für die Praxis!

2. Das Normenwerk von SIA und VSS muss in Einklang mit seiner europäischen Entsprechung gebracht werden, ohne dass es seine auf das Modell Schweiz zugeschnittenen Grundsätze aufgibt.

3. Die undifferenzierte Gleichsetzung der SIA- und VSS-Normierung mit Überregulierung muss gestoppt werden.  Die Schweiz funktioniert mit SIA und VSS Normen einfacher und besser!

4. Der Forderung nach Gratisabgabe der SIA- und VSS-Normen muss ebenfalls ein Ende bereitet werden.

5. Das Milizsystem von SIA und VSS beim Normenschaffen muss gestärkt werden!

6. Normierung, Forschung und Praxis gehören zusammen.

7. Baukultur, Erdbeben, Brandschutz, Naturgefahren, Digitalisierung: Der SIA und der VSS stellen sich den Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft.

Hans-Georg Bächtold, Geschäftsführer SIA