Bauwirtschaft aktuell, Nr. 13

Jahresrückblick

Die Bauwirtschaft blickt auf ein aktives und intensives Jahr zurück. Die Auftragslage der Bauwirtschaft steht laut KOF sowohl im Projektierungssektor, wie auch im Baugewerbe erfreulich gut da, was aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass zahlreiche Unternehmen unserer Branche mit äusserst knapper und teils ungenügender Ertragslage operieren.

Auch die Dachorganisation bauenschweiz erlebte in den vergangenen zwölf Monaten bewegte Zeiten. Mehrere für unsere Branche evident wichtige Themen standen auf der politischen Agenda und verlangten volles Engagement. So beschäftigte uns an vorderster Front die beabsichtigte Revision des Kartellrechts. Im Bereich der Raumentwicklung stand vor allem die Gesetzgebung zur angenommenen Zweitwohnungsinitiative auf der Traktandenliste. Unseren Einsatz verlangte auch das Bauprodukterecht, dessen Revision der Bundesrat anfangs September ans Parlament überwiesen hatte. Und nicht zuletzt hat uns der angepeilte Umbau des Energiesystems und die Beurteilung der in die Vernehmlassung gegebenen Energiestrategie 2050 beschäftigt.

Auch bauenschweiz-intern ist einiges gelaufen und es stehen Veränderungen an: Nach über zehnjährigem Engagement für die Bauwirtschaft verlässt uns Direktor Charles Buser per Ende Februar 2014. Charles Buser hat den Aufbau und die erfolgreiche Positionierung von bauenschweiz als Nachfolgeorganisation der Schweizerischen Bauwirtschaftskonferenz aktiv mitgeprägt. Für seinen unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz zugunsten der Bauwirtschaft möchte ich Charles Buser auch an dieser Stelle meinen grossen Dank aussprechen und ihm privat wie auch für seine berufliche Neuausrichtung meine besten Wünsche übermitteln.

Als Nachfolger von Charles Buser konnte im vergangenen Jahr Benjamin Wittwer gewonnen werden. Benjamin Wittwer ist seit 2009 Generalsekretär der Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz BPUK und deshalb in unseren Kreisen bestens bekannt. Der Vorstand ist überzeugt, dass B. Wittwer zusammen mit dem bestehenden Team die Geschäftsstelle erfolgreich und effizient weiterführen und den Verband auch künftig als gut vernetzte, schlagkräftige und lösungsorientierte Dachorganisation der Bauwirtschaft positionieren wird.

Ende November erreichte uns die traurige Nachricht, dass René Furler, Mitglied unseres Vorstandes und Präsident der Stammgruppe Produktion und Handel, nach schwerer Krankheit verstorben ist. René Furler hinterlässt mit seinem fundierten Wissen und seinem Erfahrungsschatz in unserem Vorstand, aber auch in der gesamten Bauwirtschaft eine grosse Lücke. Wir werden ihn und seine erfrischende und humorvolle Art in bester Erinnerung behalten.

Die meisten erwähnten politischen Themen haben nicht nur unseren, sondern auch den Einsatz unseres gesamten Netzwerkes verlangt. Ich möchte die Gelegenheit deshalb nutzen und bedanke mich herzlich bei unseren Mitgliedorganisationen und ihren Stammgruppen für die tatkräftige Unterstützung. Und da wir in den meisten Bereichen auch künftig gefordert sein werden, bin ich schon heute für eine erneute Unterstützung dankbar. Denn nur gemeinsam gelingt es uns, mit einer schlanken Organisation wie es bauenschweiz ist, schlagkräftig und erfolgreich zu agieren. Grundlage des erfolgreichen Handelns ist auch das Mitarbeiterteam von bauenschweiz, welchem ich für den grossen Einsatz und das Engagement herzlich danken möchte. Auch die Arbeit im Vorstand ist sehr angenehm, das kollegiale Wirken im Interesse der Bauwirtschaft bereitet Freude. Den austretenden Vorstandsmitgliedern sei auch an dieser Stelle für ihre jahrelange Tätigkeit bestens gedankt.

Nationalrat Hans Killer

Präsident bauenschweiz

Simap wird ausgebaut

Beim Ausschreibungsportal simap.ch stehen wichtige Änderungen bevor. Mit der Einführung von Anbieterprofilen und Formularen für Anbieterdaten erfolgt ein weiterer Schritt auf dem Weg zur komplett elektronischen Abwicklung von der Ausschreibung über die Angebotseingabe bis zum Zuschlagsentscheid.

simap.ch ist die gemeinsame elektronische Plattform von Bund, Kantonen und Gemeinden im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens. Ein Grossteil der öffentlichen Beschaffungen und auch viele Zuschlagsentscheide werden inzwischen auf diesem Portal publiziert. In der Regel können auf simap.ch auch Unterlagen, die zur Angebotserstellung nötig sind, heruntergeladen werden.

Gemäss priorisiertem Vorhaben von eGovernment Schweiz sollen Unternehmen künftig nicht nur Informationen herunterladen, sondern ihre Angebote auch elektronisch einreichen können. Damit dies mit der geforderten Sicherheit möglich ist und zweifelsfrei festgestellt werden kann, wer das Angebot einreicht, sind entsprechende Anpassungen auf der Plattform notwendig. Im bevorstehenden Ausbauschritt werden hierzu sogenannte Anbieterprofile und Standardformulare realisiert. In einem späteren Schritt sind die notwendigen Erweiterungen zum Upload der Angebote geplant. Die im Folgenden beschriebenen Neuerungen werden ab März 2014 nutzbar sein. Die elektronische Angebotseingabe wird frühestens 2015 verfügbar sein.

Neue Anbieterprofile
Die neuen Anbieterprofile erfordern zwingend eine Neuregistrierung der Unternehmung und der simap.ch-Benutzer, welche sich für Projekte anmelden wollen. Die Adressdaten der Unternehmung werden bei der Registrierung vom UID-Register1 übernommen und anschliessend automatisch aktualisiert. Die Registrierung erfolgt durch den Anbieter-Administrator, welcher vorgängig in der Unternehmung bestimmt wird. Weitere Benutzer aus dem Unternehmen, wie Projektleiter oder Akquisitionsverantwortliche, können zum Anbieterprofil hinzugefügt und als „Kontaktperson“ oder „Administrator“ registriert werden. Das Anbieterprofil und die Benutzerverwaltung können nur von Administratoren bearbeitet werden. Die Anmeldung für Projekte ist jedoch auch für Kontaktpersonen möglich. Unternehmungen mit Zweigniederlassungen oder Profitcentern müssen sich überlegen, ob sie ein einziges zentrales Anbieterprofil oder jeweils eigene Anbieterprofile pro Zweigniederlassung mit eigener UID einrichten wollen. Zum Test der richtigen Wahl steht die Schulungsplattform von simap.ch ab März 2014 zur Verfügung. Weitere UID für Niederlassungen oder Profitcenter können beim Bundesamt für Statistik beantragt werden.

Anbieter können Zusatzinformationen zur Unternehmung, wie zum Beispiel CPV-/BKB-Codes oder Zertifikate, in den Anbieterprofilen angeben. Diese Angaben werden automatisch im Anbieterverzeichnis von simap.ch veröffentlicht. Beschaffungsstellen haben somit die Möglichkeit, gezielt nach geeigneten Firmen für Einladungsverfahren zu suchen.

Während der Übergangsfrist können die bestehenden Anbieterprofile wie gewohnt genutzt werden. Der Zugriff mit den bisherigen Benutzerprofilen auf angemeldete Ausschreibungen und Foren sowie Abos bleibt weiterhin gewährleistet. Nach Ablauf der Übergangsfrist ist die Anmeldung für neue Projekte nur noch mit neuen Anbieterprofilen möglich.

Neue Standardformulare für Anbieterdaten
Ziel der Standardformulare ist es, dass die Beschaffungsstellen weitgehend einheitliche Anbieterdaten verlangen, welche von den Unternehmungen einfach bereitgestellt werden können. Die Möglichkeit, die von der Beschaffungsstelle bereitgestellten Formulare für Anbieterdaten ausserhalb von simap.ch auszufüllen, bleibt weiterhin bestehen.

Die einheitlichen Anbieterdaten umfassen neben den Adressdaten zusätzliche Informationen zum Unternehmen (Rechtsform, Zahl der Beschäftigten, Umsatz, Gesamtarbeitsvertrag u.a.), Bestätigungen der Erfüllung der Teilnahmebedingungen für öffentliche Ausschreibungen und Nachweisdokumente.

Die Abbildung zeigt schematisch das Zusammenspiel zwischen den Auftraggebern und den Anbietern zur Erstellung von Standardformularen für Anbieterdaten.

Beschaffungsstellen konfigurieren das Formular projektspezifisch. Neben der Auswahl der Standards „Info A“ und „Dokument D“ ergänzt die Beschaffungsstelle die anzugebende „Info X“. Füllt der Anbieter das Standardformular online aus, werden die im Anbieterprofil vorhandenen Daten und Dokumente übernommen. Die Daten können korrigiert und ergänzt werden. Das ausgefüllte, gedruckte und unterzeichnete Standardformular wird als Angebotsbeilage eingereicht.

Dejan Lukic, Leiter Technik Fachverband Infra


Weitere Informationen bei Dejan Lukic, Fachverband Infra: Tel 044 258 84 93 oder dlukic@infra-schweiz.ch.

Briefmarke „SwissSkills 2014“

Vom 17. bis 21. September 2014 finden mit SwissSkills Bern 2014 erstmals die Schweizer Berufsmeisterschaften an einem einzigen Ort statt. Über 50 Berufsverbände sind mit ihren Nachwuchstalenten dabei. Mehr als 1000 junge Berufsleute aus Handwerk, Industrie und Dienstleistung zeigen in rund 130 Berufen ihr Können. Die Schweizerische Post nimmt diesen Grossevent zum Anlass, um eine Sonderbriefmarke zu lancieren.

„Meistertitel Briefmarke“

Elf der an den SwissSkills Bern 2014 teilnehmenden Berufsverbände stellen sich einer ganz besonderen Herausforderung. In zahlreichen Projekten haben die Verbände eine Briefmarke entworfen, deren Sujet Bezug zu ihrer Berufsgattung nimmt. Einer der elf bei der Post eingereichten Entwürfe erscheint sodann als Sonderbriefmarke. Gleich mehrere Mitgliedorganisationen von bauenschweiz nahmen die Herausforderung an und haben ihren Briefmarke-Entwurf eingereicht. Es sind dies der Fachverband Infra, der Schweiz. Baumeisterverband, der Schweiz. Maler- und Gipserunternehmer-Verband, die Schweiz. Metallunion und der Verband Schweiz. Elektroinstallationsfirmen.

Letzte Tage: voten

Nur noch wenige Tage kann für den persönlichen Briefmarke-Favorit auf der Website der Post gestimmt werden. Aus den drei Briefmarkenentwürfen mit den meisten Stimmen wählt eine Jury am 27. Februar 2014 das Siegersujet. Die Sieger-Briefmarke steht für SwissSkills Bern 2014 und ist ab dem 4. September 2014 bei der Post erhältlich. Nutzen Sie deshalb die Chance, registrieren Sie sich noch heute und „voten“ Sie täglich und bis zum 15. Februar 2014 für eine Marke eines Verbandes aus der Bauwirtschaft unter

www.briefmarke-swissskills.ch/abstimmen/

Redaktion Bauwirtschaft aktuell

Ersatzneubauten sind der Schlüssel zur Verdichtung

bauenschweiz hat an der Swissbau 2014 in Basel die Diskussion um energieeffiziente Bauten neu lanciert: Dank energieeffizienten Ersatzneubauten könnte der Bedarf an Heizenergie auf einen Viertel des heutigen Wertes gesenkt werden. Gleichzeitig sind Ersatzneubauten der Schlüssel zur Verdichtung zentraler Siedlungsräume.

Energieeffiziente Bauweise, der Einsatz von erneuerbaren Energien in Gebäuden und eine ressourcenschonende Raumplanung gehören untrennbar zusammen. Die Bauwirtschaft hat dies erkannt und zum politischen Leitthema der Swissbau 2014 in Basel gemacht. Anlässlich der Eröffnungszeremonie vom 21. Januar 2014 wurde das Thema „Ersatzneubau: Gibt es Alternativen?“ im Rahmen eines prominent besetzten Podiums diskutiert.

Hans Killer, Präsident von bauenschweiz betonte in seinem Begrüssungsreferat, die Swissbau sei der Treffpunkt der Bauprofis. Die grösste Schweizer Baumesse setze den Standard nicht nur für Baumaterialien und Baugeräte, sondern auch für die politischen Themen, über die im Rahmen des Diskussionsplattform Swissbau Focus debattiert werde.

Die in bauenschweiz zusammengeschlossenen Bauwirtschaftsverbände sehen in den Ersatzneubauten ein wirksames Mittel, um die Ziele der Energiestrategie 2050 des Bundesrates zu erreichen. Dieser will jährlich 500 Millionen Franken in Massnahmen im Gebäudebereich investieren, rief Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie, in seinem Eingangsreferat in Erinnerung. Ab 2020 sollen in der Schweiz mehr und mehr Plusenergie-Gebäude erstellt werden.

Ersatzneubauten bedingen eine Verdichtung
Die Soziologin Joëlle Zimmerli zeigte an der im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung stattfindenden Podiumsdiskussion auf, dass es nicht nur darauf ankommt, Ersatzneubauten zu erstellen, sondern auch, diese am richtigen Ort zu erstellen. Am richtigen Ort würden diese nämlich dazu beitragen, die Stadtzentren zu verdichten und damit den unkontrollierten Verbrauch von unüberbautem Land zu bremsen. Zimmerli: «Wir leisten uns in der Schweiz eine geringe Einwohnerdichte, ganz besonders an guten Lagen. 90 Prozent der Wohnungen liegen im Erdgeschoss oder in den ersten drei Stockwerken.»

Daraus folgerte die Soziologin und Inhaberin eines Beratungsbüros: «Da Wohnungen in Ersatzneubauten grösser sind als in bestehenden Wohnhäusern, müssen Neubauten auch mehr Wohnungen aufweisen. Sonst führen Ersatzneubauten zu einer Ent- statt zu einer Verdichtung, und dies gerade an gut erschlossenen, zentralen Lagen.» Ersatzneubauten am richtigen Ort und mit einer höheren Ausnutzung tragen also dazu bei, den Verbrauch von unverbautem Land zu bremsen.

Zahlreiche Hürden verhindern die Verdichtung
Die Situation ist allen Baufachleuten hinlänglich bekannt: Wer an zentralen, gut erschlossenen Lagen verdichten will, stösst auf viele Gegeninteressen: Denkmalpflege, Städtebauer, Nachbarn oder Mieter. Jean-Daniel Gross, Denkmalpfleger von Bern, beteuerte, die zehn bis fünfzehn Prozent der Gebäude, mit denen sich die Denkmalpflege befasse, stellten lediglich einen kleinen Anteil der gesamten Bausubstanz dar. Ausserdem sichere die Denkmalpflege die Qualität kultureller Werte. Dem pflichtete auch SIA-Präsident Stefan Cadosch bei. Bauunternehmer Hans Aregger widersprach dieser Ansicht hingegen vehement: «Das bedeutet, dass die Denkmalpflege jedes zehnte Gebäude auf dem Radar hat. Mehr Sensibilität für den Nutzen von Ersatzneubauten wäre da angebracht.» Aregger kritisierte zudem, dass die Qualität am Bau vor allem von Denkmalpflegern und Architekten festgelegt werde. Das «Fussvolk» habe hingegen kaum etwas dazu zu sagen.

Neubauten entstehen vor allem an der Peripherie
Hans-Peter Domanig, Verwaltungsratspräsident des Immobilienentwicklers Priora, ist sicher, dass sich Investoren und Eigentümer von der Rentabilität von Ersatzneubauten überzeugen lassen. Wenn aber auf einem Grundstück Altlasten oder Asbest im Spiel seien, könne eine Sanierung für einen Eigentümer vorteilhafter erscheinen und der Ersatzneubau wieder aus dem Blickfeld verschwinden. «Immobilienentwicklung ist immer mit vielen Vorleistungen verbunden“, rief Domanig in Erinnerung, „bevor überhaupt gebaut werden kann. Das ist eine zusätzliche Hürde auf dem Weg zu einem Ersatzneubau. Wenn Einsprachen oder behördliche Auflagen dazukommen, kann es einem Investor zu viel werden.» Dies führe, so Domanig, oft dazu, dass Neubauten vor allem an der Peripherie oder auf der grünen Wiese entstehen.

«Die Schweiz hat in den letzten 20 Jahren geschlafen», betonte Thomas Kessler, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung von Basel-Stadt, «Wir können nicht nur den bestehenden Gebäudebestand pflegen, sondern müssen diesen Bestand auch weiterentwickeln.» Kessler möchte deshalb die Erneuerung des Gebäudebestands im bestehenden Siedlungsraum erleichtern, dafür das Bauen auf unverbautem Land erschweren.

Vorschriften verteuern das Bauen
Daniel Lehmann, Direktor des Schweizerischen Baumeisterverbands, ortete Hunderte von kommunalen und kantonalen Bauvorschriften: «Hier sollte man abbauen und harmonisieren, denn jede unnötige Vorschrift verhindert oder verteuert das Bauen.» Aus der Sicht der Banken ist ein Ersatzneubau nicht nur ökologisch, sondern auch sehr ökonomisch, hob Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, hervor: «Ersatzneubauten bringen die Nebenkosten auf ein Niveau, das eine Investition wieder attraktiv erscheinen lässt.»

Das Bauen auf der grünen Wiese ist heute zu einfach und das Bauen an zentralen Lagen zu schwierig und zu teuer: Dieses Fazit zog Alec von Graffenried, Nationalrat und Leiter Immobilienentwicklung Mittelland bei Losinger Marazzi zum Abschluss der Podiumsdiskussion. Die Diskussion zeigte: Es genügt nicht, Ersatzneubauten zu fördern. Gleichzeitig müssen die gesetzlichen und raumplanerischen Voraussetzungen geschaffen werden, damit in gut erschlossenen Siedlungsgebieten dichter gebaut werden kann.

Massimo Diana, Redaktor Schweizer Bauwirtschaft