Bauwirtschaft aktuell, Nr. 7

Wort zum neuen Jahr

2012 wird als weiteres turbulentes Jahr für Weltwirtschaft und Politik in die Geschichtsbücher eingehen. Gerade Europa erlebte schwierige Zeiten und die Verschuldungssituation innerhalb der EU scheint weiterhin alles andere als gelöst zu sein. Im Vergleich dazu steht die Schweiz in verschiedener Hinsicht sehr gut da. Unsicherheiten bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung sind aber auch hierzulande präsent.

In der Baubranche konnte im 2012 umsatzmässig vielerorts an das rekordverdächtige Vorjahr angeknüpft werden. Damit stellt die Bauwirtschaft nach wie vor eine zentrale Stütze der schweizerischen Konjunktur dar. Vereinzelt werden aber auch Stimmen lauter, welche nach der lang anhaltenden Boomphase innerhalb unserer Branche mittelfristig mit einer rückläufigen Entwicklung oder zumindest mit einer Konsolidierung rechnen. Gut möglich also, dass die Hochkonjunktur der Bauwirtschaft in nächster Zeit etwas nachlassen könnte. Auch wenn es mit Blick auf den Umsatz innerhalb der gesamten Baubranche nach wie vor rund läuft, sieht die Situation auf der Ertragsseite ohnehin nicht überall ganz so rosig aus. Die Situation, wonach viele Bauunternehmen eine ungenügende Ertragslage aufweisen, bereitet uns nämlich schon seit einiger Zeit Kopfzerbrechen. Dass viele Betriebe unseres Wirtschaftszweigs trotz der gegenwärtig noch gefüllten Auftragsbücher kaum Gewinne abschöpfen und offenbar die Arbeiten mit zu knapp kalkulierten Preisen ausführen, ist betriebswirtschaftlich bedenklich und birgt auch gesamtwirtschaftlich ein gewisses Gefahrenpotential. Es ist zu befürchten, dass sich das Problem der ungenügenden Gewinnmargen bei einer baukonjunkturellen Abschwächung verschärfen und zahlreiche Betriebe in arge Bedrängnis bringen könnte. Die Player unserer Branche sollten deshalb künftig noch genauer analysieren, ob und in wie weit Preisnachlässe betriebswirtschaftlich noch tragbar und vertretbar sind.

Auch bauenschweiz als Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft erlebte ein intensives Jahr. Gleich mehrere für unsere Branche wichtige Themen standen auf der politischen Agenda, so die Zweitwohnungsinitiative, die geplante Revision des Raumplanungsgesetzes, beabsichtigte Verschärfungen des Kartellrechts, das öffentliche Beschaffungswesen, die CO2-Verordnung oder die in die Vernehmlassung geschickte Totalrevision des Bauprodukterechts, um nur ein paar Themen zu nennen. Der Bauwirtschaft, als wichtigem Pfeiler der schweizerischen Wirtschaft, in Bundesbern eine Stimme zu verleihen, forderte unseren vollen Einsatz. Aber auch die interne Abstimmung und die Koordination der Interessen über die verschiedenen Zweige der Bauwirtschaft hinweg stellt einen zentralen Bereich unserer Dachorganisation dar. Dabei war der interne Abstimmungsprozess gerade im vergangenen Jahr nicht immer ganz einfach. Ich bin aber überzeugt, dass sich die oftmals aufwändige interne Abstimmung und Koordination lohnt. Nur so können die Anliegen über die verschiedenen Arbeitsgattungen der Bereiche Planung, Bauhauptgewerbe, Ausbau und Gebäudehülle sowie Produktion und Handel hinweg eruiert, abgestimmt, gebündelt und wo nötig und erwünscht nach aussen vertreten werden. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist die Kommunikation nach innen und nach aussen. Diese wurde im vergangenen Jahr mit Hilfe des vorliegenden, elektronischen Newsletters noch verstärkt. Der Newsletter „Bauwirtschaft aktuell“ scheint bei der Leserschaft gut anzukommen, wie uns Rückmeldungen und laufende Neuanmeldungen zeigen.

Ich erachte es als wichtig, dass die Bauwirtschaft über eine eigene und starke Organisation verfügt, die im Namen der gesamten Branche für deren gemeinsame Interessen auftreten kann. Hierfür möchten wir uns auch im neuen Jahr wiederum aktiv einsetzen. Unseren Mitgliedorganisationen und ihren Stammgruppen sowie den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle danke ich für die tatkräftige Unterstützung und ihr Engagement ganz herzlich und freue mich auf die weitere aktive Zusammenarbeit. Nur gemeinsam gelingt es uns stets von neuem, erfolgreich und im Sinne der Bauwirtschaft zu agieren.

Nationalrat Hans Killer, Präsident bauenschweiz

Wohnforschung zur Bewältigung der Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt

Die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt und die Entwicklungstendenzen deuten darauf hin, dass sich mittel- und längerfristig die Zielkonflikte im Wohnungswesen zuspitzen. Das Forschungsprogramm 2012-2015 des Bundesamtes für Wohnungswesen (BWO) will zu deren Bewältigung beitragen und für Marktakteure und die Politik Entscheidungsgrundlagen bereitstellen.

Die Bauwirtschaft läuft momentan auf Hochtouren. 2011 kamen 47‘000 neue Wohnungen auf den Markt, und im 3. Quartal 2012 wurden über 75‘000 im Bau befindliche Wohnungen gemeldet. Trotz der starken Angebotsausweitung verharrt die Leerwohnungsquote seit einigen Jahren knapp unter der Marke von einem Prozent. In weiten Teilen der Westschweiz, im Grossraum Zürich / Zug oder in der Region Basel ist die Knappheit ausgeprägter. Dort ist seit längerem ein stetiger Anstieg der Angebotspreise zu beobachten, und zwar bei den Eigentumsobjekten wie bei den Mietwohnungen. Wichtigste Treiber hinter dieser Marktdynamik sind das Bevölkerungswachstum, tiefe Zinsen, gestiegene Einkommen und eine weit verbreitete Präferenz für das urbane oder stadtnahe Wohnen.

Welche Perspektiven zeichnen sich für den Wohnungsmarkt und damit auch für die Bauwirtschaft ab? Die mittelfristige Entwicklung ist stark davon abhängig, wie sich das wirtschaftliche Umfeld verändern wird. Verschiedene Indizien lassen vermuten, dass sich die Konjunktur vorübergehend abschwächen wird. Eine eigentliche Wirtschaftskrise ist aber nicht in Sicht. Eine solche würde die Nachfrage nach Wohnraum stark dämpfen, dies wegen stagnierender oder sinkender Löhne, steigender Arbeitslosigkeit und allenfalls abnehmender Zuwanderung. Weil zumindest in den nächsten zwei bis drei Jahren viele Neuwohnungen auf den Markt kommen werden, wären in gewissen Regionen ein markanter Anstieg der Wohnungsleerstände, sinkende Angebotspreise sowie ein Wertverlust der Immobilien die Folge.

Im Forschungsprogramm 2012 – 2015 des Bundesamtes für Wohnungswesen wird ein solches Krisenszenario zwar als mögliche Zukunftsvariante skizziert. Als wahrscheinlicher wird jedoch eine Entwicklung angenommen, in der die Schweiz im Vergleich mit dem europäischen Ausland gut dasteht und als Arbeits- und Wohnstandort attraktiv bleibt. Damit wird die Nachfrage nach Wohnraum hoch bleiben. In einem solchen Szenario werden sich mittel- und längerfristig die Zielkonflikte im Wohnungswesen zuspitzen: Einerseits ist eine mit dem heutigen Produktionsvolumen vergleichbare Neubautätigkeit nötig, damit der Wohnungsmarkt nicht zum wachstumshemmenden Nadelöhr wird. Andererseits muss die Bautätigkeit möglichst ohne weitere Beeinträchtigung der Landschaft und des Kulturlandes erfolgen. Abstimmungen haben in jüngerer Zeit deutlich gemacht, dass eine weitere Zersiedlung der Landschaft von der Bevölkerung nicht mehr hingenommen wird. Im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Energiepolitik wird es nötig sein, den Gebäude- und Wohnungsbestand energetisch zu sanieren – entsprechende Investitionen dürfen jedoch nicht zu einem generellen Verlust preisgünstiger Wohnungsangebote führen. Denn ein weiterer Anstieg der Wohnungsmieten wäre zwar aus Anlegersicht zu begrüssen – er darf jedoch nicht das allgemeine Kostenniveau erhöhen und die Attraktivität des Industriestandorts Schweiz schmälern. Zudem wird immer ein Teil der Bevölkerung auf preisgünstige Wohnungen angewiesen sein.

Das aktuelle Forschungsprogramm des BWO will zur Entschärfung solcher Zielkonflikte und zur Bewältigung der damit verbundenen Herausforderungen beitragen. Welche Wohnformen, Standorte und Eigentumsformen sind von welchen Bewohnergruppen gesucht, und wie können Konflikte zwischen Wohnpräferenzen und übergeordneten Zielen entschärft werden? Wie kann der Schutz des Kulturlands mit Verdichtungsmassnahmen realisiert werden und wie können diese die zum Teil widersprüchlichen Anforderungen an die Rentabilität, Erschwinglichkeit, Wohnqualität und Akzeptanz in der Nachbarschaft erfüllen? Auf welche Weise muss auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und finanziellen Möglichkeiten der Bewohnerschaft sowie die speziellen Mechanismen des Wohnungsmarktes eingegangen werden, um den ökologischen Umbau des Gebäudebestandes voran zu treiben und so einen Beitrag zur Energiepolitik 2050 zu leisten? Wie kann die Wohnungsversorgung wirtschaftlich und sozial schwacher Gruppen gerade auch im städtischen Umfeld sichergestellt werden? Dies sind einige Fragestellungen, die in den Schwerpunktthemen des neuen Forschungsprogramms behandelt werden. Weitere Themen betreffen „Daueraufgaben“ der Wohnforschung, so etwa die Verbesserung der Datenlage betreffend Wohnungsmarkt und Wohnungsversorgung.
Das Programm ist kein Ausschreibungspapier sondern eine Absichtserklärung. Forschungsprojekte werden zu gegebener Zeit unter den interessierten Fachleuten ausgeschrieben. Die Forschungsergebnisse zuhanden der Marktteilnehmer und der politischen Instanzen werden über das Internet veröffentlicht (www.bwo.admin.ch > Dokumentation > Forschungsberichte).

Dr. Ernst Hauri, Direktor Bundesamt für Wohnungswesen BWO

Lobbying ist besser als sein Ruf

Lobbying scheint in der Schweiz keinen allzu guten Ruf zu geniessen. Diesen Eindruck konnte man jedenfalls aufgrund verschiedener Verlautbarungen in der jüngeren Zeit erhalten. Möglicherweise trägt dazu (auch) bei, dass es sich um eine aus dem Englischen übernommene Bezeichnung handelt, die gemäss Wikipedia wortgeschichtlich an die historischen Vorformen des „Antichambrierens (des Suchens von Einfluss im Vorzimmer der Herrschaft)“ anknüpft. Dazu sei vorab die Bemerkung erlaubt, dass in der Zwischenzeit das Vorzimmer schon deshalb an Bedeutung verloren haben dürfte, weil sich im digitalisierten Zeitalter auch andere, effiziente Kommunikationskanäle etabliert haben. Und eine „Herrschaft“ sucht man gottlob in der aus tiefster Überzeugung republikanischen Schweiz vergebens.

Mehr Klarheit gewinnt man, indem man „Lobbying“ durch den Begriff „Interessenvertretung“ ersetzt. Dann wird deutlich, dass Verbände, Parteien, Konferenzen, Organisationen und weitere Betroffene in der Schweiz in verschiedener Hinsicht in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Wohl das prominenteste Beispiel ist das sogenannte Vernehmlassungsverfahren. Es ist diejenige Phase innerhalb des Gesetzgebungsprozesses, in der Vorhaben des Bundes von erheblicher Tragweite auf ihre sachliche Richtigkeit, Vollzugstauglichkeit und Akzeptanz hin geprüft werden. Die Vorlage wird zu diesem Zweck den Kantonen, den in der Bundesversammlung vertretenen Parteien, den Dachverbänden der Gemeinden, Städte und der Berggebiete, den Dachverbänden der Wirtschaft sowie weiteren, im Einzelfall interessierten Kreisen unterbreitet. Die Bedeutung dieses Verfahrens wird daraus ersichtlich, dass gegenwärtig sogar eine Vernehmlassung zum Vernehmlassungsgesetz läuft. Gemäss Erläuterndem Bericht zu dieser Vorlage geht es den politischen Behörden darum, durch die Vernehmlassungen die politische Unterstützung für die Ziele des Vorhabens zu testen. Für die Verwaltung stehe die Überprüfung der Machbarkeit des Vorhabens und die Umsetzbarkeit im Vordergrund, so der Erläuternde Bericht weiter.

Ähnliches gilt für die zahlreichen ausserparlamentarischen Kommissionen (so zum Beispiel nebst vielen anderen die Eidgenössischen Kommissionen für die berufliche Vorsorge, für Konsumentenfragen, für Wohnungswesen oder die Eidgenössische Bauproduktekommission). Laut admin.ch, der Website der Bundesbehörden, erfüllen die ausserparlamentarischen Kommissionen eine fachliche Funktion, indem sie als Milizorgane die Bundesverwaltung in bestimmten Bereichen ergänzen, in denen dieser die speziellen Kenntnisse fehlen. Diese Kommissionen werden aber auch explizit als wirksames Instrument zur Interessenvertretung von Organisationen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft bezeichnet.

Diese Organisationen bzw. Verbände dienen den Behörden, auch und gerade über die Tätigkeit der ausserparlamentarischen Kommissionen hinaus, häufig als Kontaktstellen zur Zivilgesellschaft, da sie die Haltung und Meinung ihrer Mitglieder bündeln und nach aussen vertreten können. So wäre schlicht unmöglich, Tausende von Konsumenten, Umweltschützern, KMU oder Landwirten zu einem Gesetzesvorhaben einzeln zu befragen, sondern hier kommen ihre Interessenvertretungen ins Spiel. Analoges gilt für die Verbände der Bauwirtschaft. Geht es um Themen die in der einen oder andern Art das Bauen betreffen, so werden nicht die einzelnen Bauunternehmen kontaktiert, sondern in aller Regel die Fach- und der Berufsverbände oder eben bauenschweiz als deren Dachorganisation angehört. Dementsprechend pflegt auch das Parlament den Kontakt zu Interessenvertreterinnen und -vertretern. Seine vorberatenden Kommissionen laden regelmässig zu sogenannten Hearings ein, um sich die Meinung der betroffenen Gruppierungen anzuhören.

Interessenvertretung kann denn auch Sachkunde einbringen, Leerläufe vermeiden und die relevanten Akteure in Kompromisse einbinden. Im System der direkten Demokratie, in dem das Volk jeweils das letzte Wort hat, ist der letztgenannte Aspekt besonders wichtig. Aber auch Erhebungen, Statistiken oder Studien zu den einzelnen Branchen werden nicht selten durch die entsprechenden Verbände vorgenommen oder in Auftrag gegeben und publiziert. Auf diese Daten greift dann gelegentlich und sinnvollerweise auch die Politik oder die Verwaltung zurück.

Natürlich ist Lobbying nicht uneigennützig. Letztlich geht es darum, den Gesetzgebungsprozess in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Das aber ist legitim. Denn Politik dient der, ist geradezu Auseinandersetzung mit und gegenseitiges Abwägen von divergierenden Interessen. Lobbying – ob institutionalisiert oder informell – ist in diesem Sinn Ausdruck einer lebendigen Demokratie. Eine ganz andere Frage ist diejenige nach dem Stil oder der Transparenz. Sie ist aber nicht zu verwechseln mit derjenigen nach der Legitimität von Interessenvertretung an sich.

Charles Buser, Direktor bauenschweiz
Erweiterte Fassung des Beitrags im baublatt Nr. 2 vom 11. Januar 2013

Herausforderung in der Energiepolitik

Die Energiediskussion dominiert die politische Agenda seit dem tragischen Unfall von Fukushima. Zur Bewältigung des hastig beschlossenen Atomausstiegs hat der Bund eine Energiestrategie 2050 präsentiert, welche einen weitrechenden Umbau der Energielandschaft Schweiz mit sich bringen wird. In der Hektik der politischen Diskussion fehlt nicht selten die besonnene Stimme der Fachexperten. Diese Fachexperten finden sich in den Schweizer Planungs- und Ingenieurbüros. Wie keine andere Branche sind die Planungs- und Ingenieurbüros unmittelbar von der aktuellen Energiediskussion betroffen und werden bei der Umsetzung der Energiestrategie massgebend beteiligt sein. Die Ingenieur- und Planungsunternehmen vereinen dabei das neutrale, unabhängige Fachwissen im Bereich der Energie. Die Ingenieurinnen und Ingenieure können einen sachlich-lösungsorientierten Beitrag losgelöst von politischen oder technologischen Abhängigkeiten zur Realisierung der Energiewende beitragen. Den Planungsbüros kommt im Bereich der Energie eine wichtige Scharnierfunktion zwischen der Theorie und der Praxis zu.


Positive Energiestrategie 2050
Die vom Bundesrat erarbeitete Energiestrategie 2050 ist grundsätzlich richtig und verdient Unterstützung. Die Ingenieurinnen und Ingenieure sind überzeugt, dass die definierten Ziele und damit die angestrebte Energiewende technisch mach- und umsetzbar sind. Die Energiewende erfordert aber ganz besondere Anstrengungen der Politik, der betroffenen Branchen, der Grund- und Hauseigentümer sowie der ganzen Gesellschaft. Der nachhaltige Aufbau von neuen und alternativen Stromerzeugungsquellen ist ein gewaltiges Generationenprojekt. Um die hohen Ziele zu erreichen, sind gezielte Massnahmen auf unterschiedlichen Ebenen notwendig. Die beratenden Ingenieurinnen und Ingenieure, welche – unter anderem – in den usic-Mitgliedsunternehmen vereint sind, sind bereit, ihren Teil der Verantwortung zu tragen und ihr technisches und fachliches Know-how sowie ihre strategischen und organisatorischen Kompetenzen umfassend einzubringen.

Damit die Umsetzung der neuen Energiestrategie gelingen kann, sind indessen rasch gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei stehen folgende Aspekte im Vordergrund:


Rasches Schaffen von Planungssicherheit
Die erfolgreiche und zeitnahe Umsetzung der Energiestrategie 2050 bedingt in erster Linie ein rasches Schaffen von Planungs- und Rechtssicherheit. Planungs- und Rechtssicherheit sind zentrale Voraussetzungen für Investitionen Privater in den Bereichen der erneuerbaren Energien oder der Energieeffizienz.

Politische, planerische und rechtliche Fragen müssen rasch und transparent geklärt werden. Dazu ist es nötig, dass auf übergeordneter Ebene Planungsinstrumente geschaffen werden, welche eine effiziente und klare Umsetzung der notwendigen Massnahmen erlauben (z.B. eine Energierichtplanung analog der raumplanerischen Instrumente). Mit Blick auf eine nötige Effizienzsteigerung sind Bewilligungsverfahren zu vereinfachen und im föderalen System zu harmonisieren.

In Bezug auf den Ausstieg aus der Kernenergie ist die Frage der verbleibenden Betriebsdauer zweitranging. Zentral ist, dass alle Akteure möglichst rasch den verbindlichen Fahrplan für die Ausserbetriebnahme der AKW kennen. Namentlich sollte für alle bestehenden AKW möglichst rasch ein verbindlicher, nicht weiter verhandelbarer Endtermin definiert werden.


Abbau von Innovationshemmnissen
Die Innovation in der Industrie, der Energiebranche, den Cleantech-Betrieben sowie der Bau- und Planungsbranche ist in allen Belangen zu fördern. Innovationshemmnisse sind wirksam zu beseitigen. Namentlich ist Abstand zu nehmen von massnahmenorientierten Vorgehensweisen, denen die Gefahr innewohnt, gewisse Technologien oder Verfahren auszuschliessen. Vielmehr sind klare Zielvorgaben gefordert, welche die Wahl der Mittel der Innovation der Marktteilnehmer überlässt.


Aus- und Weiterbildung
Die auf die Ziele der Energiestrategie 2050 ausgerichtete Offensive des Staatssekretariats für Bildung und Forschung zur Stärkung der Energieforschung in der Schweiz ist begrüssenswert. Die vorgesehenen sieben Kompetenzzentren und Forschungsgruppen werden einen wichtigen Beitrag zur künftigen Energiepolitik der Schweiz leisten. Leider fehlt dabei ein Fokus auf die Aus- und Weiterbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren im Gebäudebereich. Der Fachkräftemangel in den MINT-Fächern betrifft in besonderem Mass die Gebäudetechnik- und die Energieplanung. Die Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudepark steht richtigerweise im Zentrum der Energiestrategie 2050. Zwingend erforderlich ist dabei, dass genügend qualifizierte Fachkräfte ausgebildet werden, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. In diesem Zusammenhang wäre zum Beispiel die Einführung eines Lehrstuhls für Gebäudetechnik an der Eidgenössisch Technischen Hochschule zu prüfen.

Bisher kaum diskutiert wurden zudem die grossen Herausforderungen – nicht nur finanzieller Natur – des Rückbaus der bestehenden Kernenergieanlagen. Aus heutiger Sicht fehlen in der Schweiz sowohl das diesbezügliche technische Know-how als besonders auch die erforderlichen Ressourcen. Es ist deshalb dringend angezeigt, dass auch in diesem Bereich die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in der Schweiz massiv ausgebaut und gefördert wird.

Dr. Mario Marti, Rechtsanwalt, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen usic


Anmerkung der Redaktion:
Auch bauenschweiz hat sich im Rahmen der Vernehmlassung detailliert zur Energiestrategie 2050 geäussert. Die bauenschweiz – Stellungnahme finden Sie ab 31.1.2013 hier.