Bauwirtschaft aktuell, Nr. 1

Bauwirtschaftliche Infos in neuem Kleid

Liebe Leserin, lieber Leser
Sie haben heute das erste Exemplar unseres elektronischen Newsletters vor sich. Ich freue mich Sie als Leserin und Leser unseres Newsletters "Bauwirtschaft aktuell" begrüssen zu dürfen.Pünktlich auf den Jahreswechsel hat bauenschweiz den bisherigen Bauwirtschaftsspiegel nach nunmehr 34 Jahren durch den vorliegenden Newsletter abgelöst. Mit diesem zeitgenössischen, elektronischen Kommunikationsmittel werden wir Sie rund sechs Mal jährlich über Aktuelles aus Politik und Bauwirtschaft auf dem Laufenden halten.

Gerade noch vor dem Jahreswechsel hat auch eine neue Legislatur im eidgenössischen Parlament begonnen. Ich freue mich auf die nächsten vier Jahre in Bern und werde mich auch künftig für die Bauwirtschaft einsetzen, damit unsere Branche in Bundesbern wahr- und ernstgenommen wird. Denn eine gut funktionierende Bauwirtschaft ist für die gesamte Volkswirtschaft von Bedeutung und beeinflusst nicht zuletzt den Wohlstand in unserem Land. Mit insgesamt über 500'000 Arbeitnehmenden und einem Umsatz von über 50 Milliarden Franken jährlich, was immerhin rund 10% des gesamten Bruttoinlandproduktes entspricht, stellt die Bauwirtschaft einen wichtigen Pfeiler der schweizerischen Gesamtwirtschaft dar. Unsere Branche hat sich in letzter Zeit zudem immer wieder als äusserst robust und als eigentliche Konjunkturstütze entpuppt, gerade in sonst für andere Wirtschaftszweige schwierigen und turbulenten Zeiten. Aus diesen Gründen lohnt sich der Einsatz für unseren Wirtschaftszweig ganz besonders. Dabei liegt mir auch das Wohlergehen der Gesamtwirtschaft - über den Rand unserer Branche hinaus - am Herzen. Denn der Bauwirtschaft geht es dann am besten, wenn es der ganzen Wirtschaft gut geht.

Es wird auch im Rahmen der neuen Legislatur viele Themen geben, welche die Bauwirtschaft direkt betreffen. Ich denke an die Revision des Raumplanungsgesetzes, an beabsichtigte neue Bestimmungen über die Verjährung, an die Vorstösse zur Einführung eines eidgenössischen Bauharmonisierungsgesetzes, an die geplante Revision des Kartellgesetzes und an vieles mehr, wo unser Einsatz gefragt ist. Es gilt den politischen Entscheidungsträgern, aber auch der breiteren Öffentlichkeit bewusst zu machen, dass neben der Finanzwirtschaft oder der Exportwirtschaft auch unsere Branche sich in den politischen Prozess einbringen kann und will. Denn die Bauwirtschaft ist nicht nur ein wichtiges Standbein unserer Volkswirtschaft, sondern sie zeichnet sich auch verantwortlich für die Erstellung und den Unterhalt der schweizerischen Infrastruktur, welche ein herausragender Standortvorteil unseres Landes darstellt. Nur eine gut funktionierende und leistungsfähige Baubranche kann dieser verantwortungsvollen Aufgabe gerecht werden.

Ich bin zum Glück nicht alleine, wenn es darum geht, für unseren Wirtschaftszweig einzustehen. Auch in der neuen Zusammensetzung unseres Parlaments gibt es über die Fraktionsgrenzen hinweg namhafte Parlamentarierinnen und Parlamentarier mit einem engeren Bezug zur Bauwirtschaft. Und auch auf kantonaler und kommunaler Ebene setzen sich unzählige Politikerinnen und Politiker für unseren Wirtschaftszweig und im Sinne der Gesamtwirtschaft ein. Für diesen Einsatz möchte ich mich bei dieser Gelegenheit bei allen bedanken. Zuguterletzt, wünsche ich Ihnen und allen die sich innerhalb und nach aussen für unsere Branche engagieren alles Gute und viel Erfolg auch im neuen Jahr!

Nationalrat Hans Killer, Präsident bauenschweiz

JA zur Bauspar-Initiative!

Volksabstimmungen vom 11. März 2012:

Am 11. März 2012 hat das Schweizer Stimmvolk die Chance, mit einem Ja zur Volksinitiative «für ein steuerlich begünstigtes Bausparen zum Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum und zur Finanzierung von baulichen Energiespar- und Umweltschutzmassnahmen (Bauspar-Initiative)» den seit 1972 in der Bundesverfassung verankerten Auftrag zur Förderung von Wohneigentum endlich in die Tat umzusetzen.

Die «Bauspar-Initiative»,deren Anliegen auch von bauenschweiz seit je her unterstützt werden, erlaubt den Kantonen die Einführung von attraktiven, aber ganz klar auch zweckgebundenen Sparaktivitäten zum erstmaligen Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum sowie zur energetischen Sanierung von bereits bestehendem Wohneigentum. Die ebenfalls vorgesehene Steuerbefreiung von staatlichen Förderprämien zur Senkung der Umweltbelastungen und zur Förderung von erneuerbaren Energien – unter anderem die energiesparende Sanierung von energetisch ungenügenden Wohnbauten – schafft eine unsinnige Besteuerung ab und erhöht den direkten Wirkungsgrad der Förderbeiträge.

Das will die «Bauspar-Initiative» konkret
Die Initiative ermöglicht den Kantonen die fakultative Einführung von:
a)   zweckgebundenem, steuerbefreitem Bausparen für die Finanzierung des erstmaligen Erwerbs von selbst genutztem Wohneigentum in der Schweiz
(max. CHF 15'000 pro Jahr, Ehepaare das Doppelte).
b)   zweckgebundenem, steuerbefreitem Energiespar-Bausparen für die Finanzierung von baulichen Energiesparmassnahmen am selbst genutzten Wohneigentum in der Schweiz (max. CHF 5'000 pro Jahr, Ehepaare das Doppelte).
c)   Steuerbefreiung von staatlichen Förderprämien zur Senkung der Umweltbelastungen – u.a. die energiesparende Sanierung von energetisch ungenügenden Wohnbauten – und zur Förderung von erneuerbaren Energien.

Mehr als genug gute Gründe für die Annahme der «Bauspar-Initiative»
•     Mehr Wohneigentum für den Mittelstand:
Bausparen fördert den Erwerb von Wohneigentum vor allem in den tiefen und mittleren Einkommensklassen und verstetigt dadurch die Nachfrage nach Baudienstleistungen.
•     Erwerb von Wohneigentum ohne Belastung der Altersvorsorge-Einrichtungen:
Das zweckgebundene Bausparen unterstützt den Erwerb von Wohneigentum (Haus oder Eigentumswohnung), ohne dass dafür die Pensionskasse mit Rentenkürzung im Alter beansprucht werden muss.
•     Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen:
Zweckgebundenes Bausparen schafft langfristig wirksames Auftragsvolumen und sichert damit Arbeits- und Ausbildungsplätze in den für unsere Volkswirtschaft wichtigen Branchen des Baugewerbes.
•     Wirkungsvolle Umwelt-Entlastung und Förderung von alternativen Energien:
Das ökologische Energiespar-Bausparen fördert wirkungsvoll und gezielt die Privatinitiative zur energetischen Sanierung von bestehenden Wohnbauten, welche heute Energie verschleudern, und gleichzeitig den Einsatz von alternativen Energien und neuen Technologien.
•     Innovationsschub für die Wirtschaft:
Von einem gezielt erhöhten Nachfragevolumen nach alternativen Energien und nach neuen Technologien zur Ressourcen schonenden Nutzung derselben profitieren unsere Unternehmen, die in diesen Technologiebranchen tätig sind. Das fördert innovative Neu- und Weiterentwicklungen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Gesamtwirtschaft.
•     Förderbeiträge für Energiespar-Massnahmen und nicht für den Staat:
Die Abschaffung der Besteuerung von Förderbeiträgen erhöht nicht nur die direkte Wirksamkeit dieser Anreizförderung, sondern beseitigt eine unsinnige Besteuerung. Währenddem der Staat heute mit der einen Hand Förderprämien gewährt, nimmt er nämlich durch die Besteuerung dieser Prämien gleichzeitig mit seiner anderen Hand einen Grossteil (je nach Grenzsteuersatz ein Viertel bis ein Drittel) davon wieder zurück. Zusätzlich führen heute Förderbeiträge aufgrund ihrer Besteuerung je nach dem zu einer stark ansteigenden Steuerprogression.
•     Sofortige und massgeschneiderte Umsetzung:
Die Kantone können das Bausparen unmittelbar nach der Volksabstimmung einführen und kantonale Bedürfnisse (z.B. bereits bestehende Fördermassnahmen) mit berücksichtigen. Sie können auch nur Teile der Initiativ-Bestimmungen umsetzen sowie gegebenenfalls auch nach unten abweichende Maximal-Sparbeiträge festlegen.
•     Bausparen kostet den Fiskus auf Dauer kein Geld
Die Erfahrungswerte aus 20 Jahren Bausparen im Kanton Basel-Landschaft (langfristige Durchschnittswerte) belegen, dass das Bausparen für den Staat kein Minusgeschäft ist. Langfristige Sicherung von 570 Vollzeit-Arbeitsplätzen durch ein zusätzliches jährliches Bauvolumen von CHF 72 Mio., jährlicher Steuerausfall CHF 4,5 Mio., jährliche Steuereinnahmen CHF 6,2 Mio. = jährlich CHF 1,7 Mio. Mehrertrag für die Staatskasse (Quelle: Studie Prof. Dr. Studer / Dr. Füeg 2005).
•     Vier von fünf Schweizer Einwohnern wollen Bausparen
Gemäss GfS-Forschungsstudie (Claude Longchamp) befürworten über 80% der Schweizer Einwohner das Bausparen. Der Nationalrat hat mit Zweidrittelsmehr deutlich Ja zur Bauspar-Initiative gesagt.

«Bahn frei» für das obligatorische Bausparen für Ersterwerber in allen Kantonen

Im Jahr 2012 kommt auch die Volksinitiative «Eigene vier Wände dank Bausparen»
des HEV Schweiz zur Abstimmung. Ein Ja zur «Bauspar-Initiative» am 11. März 2012 ebnet den Weg auch für diese zweite Volksinitiative, welche die obligatorische Einführung des Bausparens für Erstwerber von selbst genutztem Wohneigentum in allen Kantonen bringt.

Deshalb am 11. März 2012: JA zur «Bauspar-Initiative»!

e.Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Präsident Schweizerische Gesellschaft zur Förderung des Bausparens

Weitere Informationen:   www.bausparen.ch

Das KBOB  Vertragswerk

Höhere Rechtssicherheit und Einsparung von Kosten im Vertrags-, Planungs- und Bauprozess durch die Verwendung von Standardvertragsvorlagen im Baubereich

In jedem Bauprojekt wird eine grosse Anzahl von Verträgen erstellt. Zwischen Bauherr und Planern werden Planerverträge abgeschlossen. Das Vertragsverhältnis zwischen Bauherr und Unternehmern wird mithilfe von Werkverträgen geregelt.

Die KBOB hat die Aufgabe, den Bauherren und Liegenschaftsorganen der öffentlichen Hand geeignete Hilfsmittel wie standardisierte Vertragsvorlagen für die oben genannten Vertragsverhältnisse zur Verfügung zu stellen, damit diese ihre Bauprojekte effizient umsetzen können. Bei diesen Bemühungen ist die KBOB auf die Mitarbeit der Bauwirtschaft angewiesen. Als Ansprechpartner der KBOB ist für diese Themen bauenschweiz, die Dachorganisation der schweizerischen Bauwirtschaft, definiert.

Zusammenarbeit zwischen bauenschweiz und KBOB als Devise
Die aktive Zusammenarbeit zwischen bauenschweiz und der KBOB entstand aus der Erkenntnis heraus, dass viele Themen nur gemeinsam zu einer tragfähigen Lösung führen.  Es liegt auf der Hand, dass die von der KBOB zur Verfügung gestellten Hilfsmittel von den beauftragten Vertragspartnern nur widerwillig oder gar nicht angewendet werden, wenn diese nicht mit der Branche abgestimmt und von dieser akzeptiert sind.

Die KBOB-Vertragsvorlagen
Paritätisch zusammengestellte Arbeitsgruppen aus Vertretern von bauenschweiz und KBOB haben die nachstehenden Vertragsvorlagen in gemeinsamer Arbeit entwickelt:

·         Der KBOB-Planervertrag (Herausgabe 2006)
·         Der KBOB-Werkvertrag (Herausgabe 2008)
·         Der KBOB-GU-Vertrag für den Hochbau (Herausgabe 2010)
·         Der KBOB Service-Vertrag (Herausgabe 2010)
·         Der KBOB-TU-Vertrag für den Hochbau (Herausgabe 2010)
·         Der KBOB-TU-Vertrag für den Tiefbau (Herausgabe 2011)
·         Die Anwendungsleitfäden zu den meisten der o. e. Vertragsvorlagen
·         Die Bestimmungen zu den Vergabeverfahren zu Planer- und Werkvertrag

Den Beginn machte im Jahre 2006 der KBOB-Planervertrag. Dieses Werk wurde gemeinsam von der Gruppe Planung von bauenschweiz und der KBOB erarbeitet. Bei allen nachfolgenden Vertragsvorlagen hat die KBOB nicht mehr mit einzelnen Stammgruppen sondern mit bauenschweiz als Dachorganisation zusammengearbeitet.

Die erarbeiteten Dokumente werden den möglichen Anwendern jeweils unmittelbar nach ihrem Erscheinen an Einführungsseminaren vorgestellt und zwar jeweils auch in französischer und italienischer Sprache. Dabei erläutern spezialisierte Juristen die Inhalte, die Mitglieder der Arbeitsgruppe vermitteln die fachgerechte Anwendung. Zu den Seminaren sind alle Vertragsparteien und alle am Planungs- und Bauprozess beteiligten Personen wie Planer, Unternehmer, Bauherren, Juristen usw. eingeladen.

Anwendung bei den Mitgliedern der KBOB wird gefördert
Auf Seiten der KBOB werden grosse Anstrengungen unternommen, um immer mehr öffentliche Bauherren zur Verwendung der KBOB-Dokumente zu bewegen. Gemäss der Verordnung über das Immobilien- und Logistikwesen des Bundes (VILB) ist es der KBOB jedoch kaum möglich, ihre Mitglieder zur Nutzung der KBOB-Vorlagen zu verpflichten, sondern sie kann deren Anwendung lediglich empfehlen. Die Übernahme von KBOB-Hilfsmitteln und Vertragsvorlagen durch die öffentlichen Bauherren hat sich in letzter Zeit aber stark beschleunigt. Viele öffentliche Bauherren sehen ein, dass ein Alleingang zu aufwändig ist und die damit verbundenen rechtlichen Risiken erheblich sind. Die Effizienz im Vertragserstellungsprozess wird durch die Verwendung von standardisierten Vorlagen erheblich gesteigert, weil diese die Vertragspartner davon entbinden bei jedem Vertragsverhältnis eigene Verträge erarbeiten zu müssen.

Erarbeitung von Dokumenten entlang dem Beschaffungsablauf
Neben den oben erwähnten Vertragsvorlagen und den dazugehörigen Leitfäden gehört mittlerweile eine grosse Anzahl weiterer Hilfsmittel und Vorlagen zum Angebot der KBOB.

Die mit bauenschweiz zusammen erarbeiteten Dokumente bilden das Fundament eines Gesamtpakets der KBOB. Der Planervertrag und weitere Verträge, wie Werkvertrag oder GU-Vertrag sind die wichtigsten Dokumente in diesem Kontext.


 


Personalisierte Dokumente trotz Standardisierung möglich
Gegenüber standardisierten Vorlagen haben viele öffentliche Bauherren Vorbehalte. Sie sind der Meinung, die individuellen Bedürfnisse bezüglich der vertraglichen Bestimmungen von Auftraggebern und Beauftragten könnten damit zu wenig gut abgebildet werden. Die Vertragsvorlagen und die anderen standardisierten Dokumente der KBOB sind jedoch derart flexibel gestaltet, dass die meisten individuellen Bedürfnisse abgedeckt werden können. Den Kunden wird gar angeboten, individuelle Programmierungen, wie Bauherrenlogo, Bauherren- und Zahlungsadresse, Zahlungsinstruktionen, sicherheitsrelevante Bestimmungen usw. bauherrenspezifisch fest einzuprogrammieren. Nichts desto trotz enthalten die Vertragsvorlagen einige „unabänderbare“ vertragliche Bestimmungen, wobei sich die jeweiligen Arbeitsgruppen aber stets bemüht haben, deren Anzahl so klein wie möglich zu halten.

Kontinuierlicher Verbesserungsprozess der  bestehenden Dokumente im Gang
Die Entwicklung auf gesetzgeberischer wie auch auf normativer Ebene erfordert eine ständige Pflege der vorhandenen Dokumente. Um auf diese Entwicklungen und auf die Erfahrungen aus der Praxis rasch reagieren zu können, hat die KBOB zusammen mit bauenschweiz einen „kontinuierlichen Verbesserungsprozess für die KBOB-Dokumente“ (KVP) eingeleitet.

Notwendige substantielle Anpassungen der Dokumente werden in einer eigens dafür gebildeten und paritätisch von den Stammgruppen von bauenschweiz sowie Vertretern der öffentlichen Bau- und Liegenschaftsorgane aller föderalen Ebenen (Bund, Kantone, Städte, Gemeinden) gebildeten Arbeitsgruppe diskutiert und zur Umsetzung frei gegeben.

So ist auch weiterhin sichergestellt, dass die Dokumente ausgewogen bleiben und von einer grossen Anzahl öffentlicher Bauherren unverändert angewendet werden können.

Die auf diese Weise erarbeiteten und beschlossenen Anpassungen fliessen zwei Mal jährlich in die Dokumente ein. Jeweils per 1. Februar und per 1. August stehen die neuesten Versionen allen Anwendern auf der Homepage der KBOB (www.kbob.ch/Publikationen) kostenlos zur Verfügung.

Support der Anwender durch KBOB sichergestellt
Jedes Produkt ist nur so gut wie sein Service. Nach dieser Devise hat die KBOB die Betreuung ihrer Kunden aufgebaut. So erhalten die Anwender von Hilfsmitteln und Vorlagen der KBOB Hilfe bei rechtlichen Fragen oder bei der elektronischen Bearbeitung der Dokumente im Zusammenhang mit deren Anwendung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der KBOB, speziell beauftragte Juristen sowie der Programmierer der Dokumente stehen den Anwendern telefonisch oder per E-mail zur Verfügung. Die eigens eingerichtete Website www.kbob-faq.ch informiert über die häufig gestellten Fragen. Auf dieser Website ist aber auch die gesamte Entwicklungsgeschichte aller Dokumente festgehalten. Alle Anpassungen mit Angabe von Datum und Inhalt sind für jedes Dokument ersichtlich.

Fazit
Die von der KBOB zur Verfügung stehenden Dokumente stellen für alle am Bau Beteiligten eine erhebliche Erleichterung dar. Sie gewähren eine hohe Rechtssicherheit bei der vertraglichen Abwicklung von Planer-, Spezialisten-, Bau- und Serviceleistungen. Für die öffentlichen Bau- und Liegenschaftorgane lohnt sich die Übernahme dieser standardisierten Dokumente, da die Bauwirtschaft in deren Erarbeitung eingebunden war. Sie haben sich über mehrere Jahre in Tausenden von Anwendungen bewährt. Sowohl bauenschweiz wie auch die KBOB setzen sich für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Dokumente im Sinne der gesamten Bauwirtschaft ein.

Eduard Tüscher, Delegierter der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane  der öffentlichen Bauherren (KBOB)

Informationen und Musterdokumente: www.kbob.ch
KBOB = Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren

Gemeinsam für den guten Ruf verantwortlich

"Bauen ohne Mängel - Wunsch oder Realität?" Mit dieser Frage hat bauenschweiz die Swissbau 2012 eröffnet. Bundesrat Johann-Niklaus Schneider-Ammann forderte in seiner Begrüssungsrede von der gesamten Baubranche Innovation, Investitionen und neue Bauprozesse. Professor Sascha Menz präsentierte erste Resultate seiner Studie über Baumängel im Schweizer Wohnungsbau, welche im kommenden Herbst veröffentlicht werden soll. Acht Prozent der Bauausgaben dienen der Beseitigung von Baumängeln. Die ersten Ergebnisse seiner Studie lassen aufhorchen.

An der Swissbau präsentiert die Baubranche nicht nur sich selbst und ihre Produkte, sie feiert auch ein wenig sich selbst. Hans Killer, Präsident von bauenschweiz und damit Gastgeber des Swissbau-Eröffnungsanlasses, hob mit diesen Gedanken an zu einem Tour d'Horizon über die Baubranche. Sie ist mit 500000 Beschäftigten und 50 Milliarden Franken jährlichem Umsatz nicht nur ein Pfeiler der Schweizer Wirtschaft, sondern auch eine massgebende Konjunkturstütze in turbulenten Zeiten.

Die Konjunkturprognosen für die nächsten Monate deuten auf einen wirtschaftlichen Abschwung, doch die Baubranche bildet hier einmal mehr eine Ausnahme, rief der Präsident von bauenschweiz in Erinnerung. Nachfrage und Auftragsbestand stimmen optimistisch. Projektierungssektor, Wohn- und Tiefbau bilden dabei die Stützen der derzeitigen Baukonjunktur, während der Wirtschaftsbau als Sorgenkind bezeichnet werden darf, sagte Killer. Im Bauhauptgewerbe konnte im dritten Quartal 2011 eine Umsatzsteigerung von 1,7 Prozent erzielt werden. Wachstumstreiber sind hier ebenfalls Wohnungs- und Tiefbau. Im Ausbaugewerbe wird die Geschäftslage mehrheitlich positiv beurteilt, wobei sich in gewissen Sparten der hohe Frankenkurs negativer ausgewirkt hat als erwartet. Optimistisch stimme die stabile Zahl von Bauvorhaben: 71000 Wohnungen befinden sich in Bau und 44000 wurden neu bewilligt.

Mit Blick in die Zukunft stellte der Präsident von bauenschweiz fest, dass die Frage der Energieeffizienz in der Baubranche immer grössere Bedeutung erhält, weil sich die Schweiz zum Ausstieg aus der Atomenergie entschlossen hat. Killer ist überzeugt, dass es sich lohnt, wenn sich die Baubranche dieses Themas annimmt, denn es gehe darum, nach zukunftsträchtigen, finanzierbaren Lösungen zu suchen angesichts der drohenden Energieknappheit und steigender Energiepreise. Gerade beim Bau von Gebäuden mit ihrer durchschnittlichen Lebensdauer von 70 Jahren lohne sich eine langfristige, energiesparende Optik, betonte er.

Problematische Gebäudehülle

Architekt Sascha Menz, Vorsteher des Departements Architektur der ETH Zürich, erarbeitet zur Zeit eine vom Schweizerischen Baumeisterverband finanzierte Studie zum Thema "Baumängel im Schweizer Wohnungsbau". Anlässlich der Swissbau-Eröffnung stellte Menz die Studie vor und präsentierte erste Ergebnisse. Die vollständigen Resultate sollen im kommenden Herbst vorliegen. Die von Menz initiierte Studie befasst sich mit Baumängeln im Wohnungsbau, denn dieser macht zwei Drittel des Bauvolumens aus. Dabei hat sich herausgestellt, dass acht Prozent der Bauausgaben dazu aufgewendet werden, um Baumängel zu beheben. Für die Studie ausgewertet wurden Gutachten zu über 1000 Neubauprojekten, die zwischen 1992 und 2010 realisiert wurden. Ausserdem wurden 54 Mängelprotokolle von Neubauten detailliert ausgewertet, die zwischen 2004 und 2010 entstanden sind. Um auch den qualitativen Aspekt zu beleuchten, also den nicht direkt messbaren, wurden 141 Interviews mit Bauherren, Planern und Bauunternehmern geführt.

Rein zahlenmässig hat sich herausgestellt, dass in 25,8 Prozent der untersuchten Fälle Mängel an der Aussenwand eines Wohnhauses beanstandet wurden. In 19,7 Prozent der Fälle wurde die Entwässerung von Balkonen und Terrassen beanstandet. Undichte Stellen an der Gebäudehülle gaben in rund 60 Prozent der Fälle zu Kritik Anlass. Wenn es gelingt, so Menz, die Auslagen zur Behebung von Baumängeln von acht auf sieben oder sechs Prozent zu senken, so lassen sich erhebliche Summen einsparen, was die gesamte Baubranche stärkt. Dadurch werden die Konkurrenzfähigkeit und Bauqualität gesteigert sowie die Kosten gesenkt, ist Menz überzeugt. Die Auswertung der Gutachten und Mängelprotokolle hat zu Tage gefördert, dass Investitionsziele, Fachkompetenz, Qualität der Ausschreibung, Vergabekriterien und Termine die am häufigsten genannten Probleme im Zusammenhang mit Baumängeln sind. Allerdings, soviel steht laut Menz schon fest, nicht alle diese Probleme lassen sich anhand der Auswertung der Gutachten und Mängelprotokolle quantitativ nachweisen, obwohl diese in den Interviews immer wieder erwähnt werden. Nachweisen lässt sich hingegen die Problematik fehlender Fachkompetenz: mangelhaftes Ausführungswissen bei Planern, geringe Berufserfahrung bei Bauleitern und mangelhafte Qualifikation von Unternehmern finden sich in Mängelprotokollen und Gutachten wieder.

Um Baumängeln vorzubeugen, wird Menz auf Grund der Resultate der Studie auch Empfehlungen für die Baubranche formulieren. Menz beschränkte sich vorerst auf die Feststellungen, dass offenbar auf allen Ebenen ein Problem mit der Ausbildung besteht. Menz legte dem Publikum ganz besonders ans Herz, die Ausbildung des Bauzeichners aufzuwerten. Architekten ihrerseits benötigen wieder den Bezug zur Praxis sowie fundiertes Konstruktionswissen. Ebenso notwendig sind laut Menz Entscheidungsterminprogramme und für Vergabegespräche sollte sich der Auftraggeber wieder mehr Zeit nehmen, denn die Auswertung hat ergeben, dass bei Baumängeln meist kein sorgfältiges Vergabegespräch stattgefunden hat. In der Gesetzgebung fehlt zudem die obligatorische Prüfung der Ausführungs- und Detailpläne. Zuletzt empfiehlt Menz, im Verbund zwischen Forschung und Praxis beschleunigte Bautechnologien zu entwickeln. Dies erfordere aber mehr Mut zum Unternehmertum.
 
Das Schwungrad der Wirtschaft

Für Bundesrat Johann-Niklaus Schneider-Ammann, Vorsteher des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD) ist zwar eine Verringerung der Zuwachsrate der Bauinvestitionen von drei Prozent auf ein Prozent im kommenden Jahr absehbar, doch betonte er: "Das ist immer noch Wachstum". Sieben Prozent aller Schweizer Beschäftigten haben ihr Auskommen in der Baubranche. Mit ihrer Bedeutung ist die Bauwirtschaft, so Schneider-Ammann, nicht irgend ein Zahnrädchen innerhalb der Gesamtwirtschaft, sondern ein eigentliches Schwungrad. Doch ohne intakte Aussenwirtschaft gebe es in der Schweiz auch keine intakte Binnenwirtschaft, mahnte er. Jeder zweite Franken werde im Ausland oder im Zusammenhang mit dem Aussenhandel verdient. Deshalb könne es der Bauwirtschaft nicht egal sein, wie es der Exportwirtschaft gehe.

Angesichts der steigenden Zuwanderung wagte Schneider-Ammann die Frage zu stellen, ob die Schweiz "gebaut" sei, und spielte dabei bewusst auf die Aussage der ehemaligen Bauvorsteherin der Stadt Zürich Ursula Koch an. Der Magistrat nahm sich aber die Mühe, Koch korrekt zu zitieren: "Die Stadt ist gebaut, sie muss nicht neu, sondern umgebaut werden. Umgebaut zu einem lebenswerten Zürich, mit hohen urbanen Qualitäten". Damals machte sich Koch zur Feindin der Baubranche und der bürgerlichen Politiker, heute gestand ihr Schneider-Ammann zu, dass die Aussage in ihrer vollständigen Länge differenzierter klinge und durchaus etwas Visionäres habe, denn Umbauen und Verdichten werden das Bauen in Zukunft noch mehr prägen. Das bedeute, dass bestehende Vorschriften angepasst werden müssen, was einen intensiven politischen Prozess voraussetze. Schneider-Ammann plädierte deshalb für eine verstärkte Koordination von Raum-, Verkehrs- und Infrastrukturplanung. Schneider-Ammann rief in Erinnerung, dass der Bund eine innovative Bauzukunft mit verschiedenen Massnahmen gezielt fördert. Mit dem Entscheid von Bundesrat und Parlament, aus der Atomenergie auszusteigen, werden erneuerbare Energien einen wesentlich grösseren Stellenwert erhalten, prophezeite der Volkswirtschaftsminister. Der Bund will dem mit dem "Masterplan Cleantech" der energieeffizienten Baubranche Flügel verleihen. Damit werde auch der Denk- und Werkplatz Schweiz gestärkt.

Plädoyer für Verlängerung des LMV
Zum Schluss schnitt der Volkswirtschaftsminister auch das Thema des vertragslosen Zustands im Bauhauptgewerbe an: Schneider-Ammann betonte, er sei als ehemaliger Unternehmer und Swissmem-Präsident ein vehementer Verfechter von Gesamtarbeitsverträgen gewesen, und auch als Bundesrat sei er ein solcher geblieben. Deshalb sei für ihn ein vertragsloser Zustand kein Zustand. Er forderte deshalb die Sozialpartner auf, den bisherigen Landesmantelvertrag (LMV) zu verlängern und sich wieder an den Verhandlungstisch zu setzen, bis ein neuer Vertrag ausgehandelt ist. Schneider-Ammann erinnerte daran, dass der LMV das wirksamste Mittel ist gegen das Lohndumping im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit.

Werner Messmer, Zentralpräsident des Schweizerischen Baumeisterverbands, betonte in seinem abschliessenden Votum, dass die Baubranche einen gemeinsamen Ruf habe, den es auch gemeinsam zu fördern gelte. Es könne gerade im Zusammenhang mit Baumängeln nicht darum gehen, festzustellen, wer daran schuld sei, sondern darum, den Bauherren qualitativ hochstehende Bauwerke abzuliefern. Dabei spiele das duale Ausbildungssystem der Schweiz eine zentrale Rolle zur Förderung der Qualität am Bau, genauso wie eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Forschern und Praktikern am Bau. Die Studie von Sascha Menz, von der ETH initiiert und vom Schweizerischen Baumeisterverband finanziert, ist damit ein vielversprechender Anfang.

Massimo Diana, Redaktor Schweizer Bauwirtschaft