Bauwirtschaft aktuell, Nr. 45

Trendradar von bauenschweiz – wo stehen wir?

Ständerat Hans Wicki, Präsident bauenschweiz

Das Klima ist in aller Munde. Es war das Thema des Wahljahres 2019 und ist – mit Zusatz – auch Wort des Jahres 2019 (Klimajugend). Hat die grüne Welle nun auch bauenschweiz erfasst? Nein, denn Fragen der Nachhaltigkeit und klimafreundliches Bauen haben für bauenschweiz nicht erst seit diesem Jahr einen hohen Stellenwert.

Im Rahmen des bauenschweiz-Trendradars befassen wir uns kontinuierlich mit fundamentalen Veränderungen, welche unsere Umwelt und die Wirtschaft mittel- und langfristig beeinflussen. Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder Globalisierung sind hier wichtige Stichworte. Unsere Aufgabe als Dachverband ist es, diese Megatrends auf die Bauwirtschaft herunterzubrechen. Was bedeuten sie für uns konkret? Was können wir bei bauenschweiz tun, um in einer dynamischen Umwelt erfolgreich zu agieren? Welche politischen Rahmenbedingungen braucht es hierzu?

Basierend auf diesen Überlegungen überprüft der Vorstand von bauenschweiz unsere Vision regelmässig. Auch für 2020 stehen klimapolitische Themen im Fokus. Doch im Rahmen der politischen Arbeit sind Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft oder Nachhaltigkeit höchstens leere Schlagworte, wenn sie nicht mit konkreten Massnahmen ergänzt werden.

bauenschweiz hat ein grosses Interesse an einer wirksamen und wirtschaftsverträglichen Umweltpolitik. In diesem Zusammenhang hat eine energieeffiziente Bauwirtschaft hohe Priorität. Damit verbunden sind erstens Wachstumschancen sowie Anreize für Innovationen. Zweitens kann die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert werden. Drittens stärken die Anstrengungen die Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Unternehmen im internationalen Konkurrenzkampf.

bauenschweiz steht hinter den Zielen der Klimapolitik nach 2020. Um den CO2-Ausstoss und den Energieverbrauch zu senken, kommt dem Gebäudesektor grosse Bedeutung zu. bauenschweiz unterstützt eine lenkungswirksame CO2-Abgabe. Dabei sind aber drei Punkte zentral: Erstens muss die Innen-Verdichtung gefördert werden. Die Kantone sollen hier Mindestdichten statt Höchstdichten festlegen. Zweitens müssen bestehende Hürden und Regulierungen im Bau abgebaut werden. Und drittens müssen Baubewilligungsverfahren vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden.

Im Baubereich wurde schon viel erreicht und dieser Weg soll fortgeführt werden. Deshalb will sich die Bauwirtschaft frühzeitig bei der Ausgestaltung der politischen Rahmenbedingungen auf Bundes- und kantonaler Ebene einbringen. Grosse Herausforderungen erfordern klare Visionen, Agilität und Entschlossenheit. Nötig ist aber gleichermassen ein gutes Gespür für das politisch Machbare und wirtschaftlich Verträgliche. Luftschlösser scheitern oft an der Realität und ihre Wirkung im Ziel ist meist bescheiden – auch in der Klimapolitik. bauenschweiz engagiert sich hingegen für vernunft- und faktenbasierte politische Lösungen.

Hier finden Sie den bauenschweiz-Trendradar

   

bauenschweiz-Sessionanlass: Politik im Orchestergraben

Michèle Ramò, Leiterin Kommunikation bauenschweiz

Nicht nur die Politik verlangt nach der richtigen Tonalität, einem feinen Taktgefühl und gutem Teamspirit. Auch für ein Musikorchester sind dies zentrale Voraussetzungen für einen gelungenen Auftritt. Worauf es genau ankommt, um ein Orchester zum Klingen zu bringen, erzählte Dirigentin Lena-Lisa Wüstendörfer am Sessionsanlass von bauenschweiz.

Am Dienstagabend fand der erste der neuen bauenschweiz-Sessionsanlässe statt. Im Frühjahr wurde das Konzept überarbeitet und bauenschweiz organisiert ab sofort nicht mehr einmal jährlich, sondern in jeder Session eine Abendveranstaltung für Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie Führungspersönlichkeiten aus der Wirtschaft. Rund vierzig Personen fanden sich im Berner Schweizerhof ein, um sich rund um die Bauwirtschaft auszutauschen.

Hans Wicki, Präsident von bauenschweiz, verglich in seiner Begrüssungsrede das Orchester zum Dachverband. Dieser Vergleich liegt nahe, denn bauenschweiz vereint die unterschiedlichen und vielfältigen Akteure am Bau und vertritt ihre Anliegen mit einer Stimme gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Es gelte also, den Dachverband harmonisch klingen zu lassen und damit das Publikum zu berühren. Dies sei bauenschweiz im vergangenen Jahr besonders mit der Revision des Beschaffungsrechts gelungen. Damit sei ein echter Paradigmenwechsel im öffentlichen Beschaffungswesen erreicht. Mit der neuen Gesetzgebung rücke die Qualität wieder stärker in den Fokus und man käme weg vom reinen Preiskampf. Wicki verwies auf die Umsetzungsarbeiten bei Bund und in den Kantonen, die jetzt am Laufen seien. bauenschweiz setze sich auch da dafür ein, dass dieser wichtige und richtige Paradigmenwechsel überall ankommt und erfolgreich vollzogen werden kann.

In seiner Begrüssungsrede verwies Wicki auch auf die Unterstützung von bauenschweiz für eine lenkungswirksame CO2-Abgabe für Gebäude und Mobilität. Dabei soll aber erstens auch die Innen-Verdichtung gefördert werden: Die Kantone sollen Mindestdichten anstatt Höchstdichten festlegen. Zweitens sollen bestehende Hürden und Regulierungen im Bau werden abgebaut und Baubewilligungsverfahren vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden. Und drittens forderte Wicki, dass die Verfahrensrechte von Baugesuchstellern gegenüber Einsprechern gestärkt werden.

Danach gehörte die Bühne Lena-Lisa Wüstendörfer. Die Dirigentin nahm das Publikum auf eine Reise in die Orchesterwelt mit. Ein Orchester führen sei eine Managementaufgabe mit Sofort-Rückmeldung. Die Ergebnisse erfolgreicher Leitung und Kommunikation würden sogleich hörbar. Dadurch, dass die Dirigentin ihren Mitarbeitenden Eigenverantwortung für die Umsetzung des gewünschten Ziels überträgt, steigert sie Qualität und Innovation. Erfolgreiches Dirigieren bedeute, die Musikerinnen und Musiker für die Vision des gemeinsamen Unternehmens zu begeistern und das volle Potential seiner Musiker zum Tragen zu bringen. Diese Führungsphilosophie ist auch auf Politik und Wirtschaft übertragbar. So stiess das Referat bei den Teilnehmenden auf viel Anklang.

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Legislatur mit einigen Hindernissen zu erwarten

Diana Gutjahr, Nationalrätin SVP

In der 51. Legislatur werden wirtschaftliche, unbürokratische und damit auch kostensenkende Themen einen schweren Stand haben. Es ist schwer davon auszugehen, dass das neu gewählte rotgrün ausgerichtete Parlament unseren Sozialstaat tendenziell weiter ausbauen will und dabei die entscheidenden volkswirtschaftliche Notwendigkeiten aus den Augen verliert. Wir benötigen längst dringende Antworten auf die Fragen: Wie können wir unsere brüchigen Sozialwerke sanieren und auf ein in Zukunft gerichtetes Fundament stellen, oder welche wirklich griffigen kostensenkende Massnahmen gibt es in der Gesundheitspolitik? Ich habe grösste Bedenken das der Begriff «weniger Staat» und «mehr Eigenverantwortung» in weitere Ferne rückt. Frei nach dem Motto: Der Staat solls richten, ohne weiter zu hinterfragen, wer eigentlich der Staat ist. Wiederkehrend stellen sich bei mir immer wieder die Fragen, nach welchen Ideen und Interessen teilweise gewisse Politikerinnen und Politiker agieren. Wahljahre sind gefährlich, reissen sie doch für die Zukunft Löcher in jegliche Geldschatullen. So wurden doch unter anderem bereits in der Wahlkampfeuphorie politische Geschenke in Form des Vaterschaftsurlaubes verteilt, um die Gunst der Wähler zu gewinnen. Ohne dass sich die Verteiler mit der Frage auseinandersetzen, wer bezahlt das und mit welchen nicht nur monetären langfristig negativen Auswirkungen ist zu rechnen. Meiner Meinung nach haben wir über mehr Verzicht und mögliche Leistungsanpassungen in verschiedenen Bereichen zu diskutieren. Unser voll ausgebautes Komfortsozialsystem ist in dieser Form kaum länger haltbar. Es liegt auf der Hand, je länger wir die dringenden und sicher unpopulären Entscheidungen hinausschieben, desto grössere schier unlösbare Probleme fallen auf unsere zukünftigen Generationen zu. Das ist ganz einfach unverantwortlich. Dies sehe ich als Parlamentarierin und Unternehmerin unter anderem als Teil meiner weiteren zukünftigen Aufgaben in Bundesbern. Dies ganz nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.

   

Mehr Bürokratie beim Bauen

Hans Egloff, Präsident HEV Schweiz

Am 9. Februar 2020 stimmen wir über die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» ab. Die Forderungen sind happig: Im Gegensatz zu heute soll nicht mehr der Wohnungsbau im Allgemeinen gefördert werden, sondern nur noch der Bau preisgünstiger Wohnungen. Nach dem Willen der Initianten sollen Sanierungen nicht mehr zum Verlust von preisgünstigen Wohnungen führen und der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen am gesamten Neubau soll 10 Prozent betragen. Zusätzlich sollen die Gemeinden und Kantone ein Vorkaufsrecht für geeignete Grundstücke einführen können.

Wenn ich mir so überlege, wie die Forderungen umgesetzt werden könnten, bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: das Bauen würde noch bürokratischer werden als bisher. Um die Einhaltung der 10 Prozent Quote zu überprüfen, müsste ein administrativer Kontrollapparat aufgebaut werden. Dies dürfte dazu führen, dass bei jeder Baubewilligung überprüft werden muss, ob es sich beim Bauherrn um eine gemeinnützige Organisation handelt. Wenn in der betreffenden Region noch nicht genügend gemeinnützige Wohnungen gebaut wurden, könnten in der Konsequenz gewissen Bauprojekte vielleicht gar nicht realisiert werden. Dadurch würden Baubewilligungen noch komplizierter und langwieriger und die Bautätigkeit würde gebremst.

Auch die Forderung, dass nach Sanierungen die Mieten nicht ansteigen sollen ist für die Bauwirtschaft negativ. Wenn die Kosten für energetische Sanierungen nicht mehr mit den Mietern geteilt werden dürfen, werden sich wohl weniger Eigentümer für solche Massnahmen entscheiden.

Die Verknüpfung von Fördergeldern für energetische Massnahmen mit sozialpolitischen Zielen ist meiner Ansicht nach generell nicht sinnvoll. Mit den Fördergeldern sollen die Ziele der Energiestrategie erreicht werden. Sie sollen Eigentümer dazu motivieren, ihre Gebäude energetisch fit zu machen. Wenn noch weitere Ziele an die Fördergelder geknüpft werden, sinkt die Wahrscheinlichkeit, auch nur einen Teil davon zu erreichen. Die Energiestrategie wurde von einer breiten Schicht der Bevölkerung befürwortet. Es braucht daher auch die Bereitschaft von allen, sich für die Erreichung der Ziele einzusetzen. Nicht nur Eigentümer sollen die Kosten dafür tragen, die Mieter sollen ihren Teil auch beitragen.

Aus den dargelegten Gründen erachte ich die Mieterverbandsinitiative für die Bauwirtschaft als schädlich und empfehle Ihnen, sie am 9. Februar abzulehnen.