Bauwirtschaft aktuell, Nr. 43

Positionsbezug zur Klima- und Energiepolitik

Der Vorstand von bauenschweiz – der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft - hat sich ab Mitte 2018 und im Rahmen einer Klausur vom 4. Februar 2019 intensiv mit der Klima- und Energiepolitik auseinandergesetzt. Im Vordergrund stand die Frage, wie diese mit Blick auf den Gebäudepark nach 2020 fortgesetzt werden soll. Aus der anschliessend auch via die Stammgruppen mit den Mitgliedorganisationen diskutierten Position resultierten Ziele, Hauptanliegen sowie eine Forderung.

Die Ziele dokumentieren, dassdie Bauwirtschaft die CO2-Problematik anerkennt und sich für eine Vorwärtsstrategie bei der CO2-Reduktion im Gebäudepark ausspricht. bauenschweiz will sich als politischen Ansprechpartner in der Klima- und Energiepolitik positionieren, denn die Baubranche sieht sich als Teil der Lösung. Da im Baubereich schon viel erreicht wurde, soll dieser Weg fortgeführt werden. Die Bauwirtschaft will ihren Beitrag dazu leisten und gleichzeitig mithelfen, dass die Schweiz auch künftig einen Spitzenplatz hinsichtlich Innovation belegt. Dabei ist das Gewicht auf den Gebäudebestand zu legen. Während im Neubau eine klima- und energieeffiziente Bauweise heute Standard ist, liegt im Bestand das grösste Potential. Es gilt das Augenmerk auch auf Arealvernetzungen («Gebäude im System») zu richten, die ein grosses Effizienz- und Synergiepotential innehaben. Ebenso soll eine Lebenszyklusbetrachtung von Gebäuden im Vordergrund stehen. Nicht nur die Erstellung von Bauwerken, sondern auch deren Unterhalt, Sanierung und Weiterentwicklung liegen in der Verantwortung der Bauwirtschaft. Alle Phasen generieren eine hohe inländische Wertschöpfung, die es zu realisieren gilt.

Die politischen Hauptanliegen zielen zum einen auf verstärkte Anreize zur Erstellung von Ersatzneubauten ab. Da die Erstellung von neuen Gebäuden oft eine der energetisch wirkungsvollsten Bauweisen darstellt, braucht es entsprechende Massnahmen. Denn nur mit Hilfe eines genügend grossen Anteils an Ersatzneubauten lässt sich die energetische Transformation des Gebäudeparks mit der nötigen Geschwindigkeit umsetzen. Ein anderes Hauptanliegen betrifft das Gebäudeprogramm. Die Bauwirtschaft spricht sich für deren Beibehaltung aus, weil die Wirtschaft verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen ist und keine stop-and-go-Politik gebrauchen kann. Dadurch wird auch der Volkswillen respektiert, stellt doch das Gebäudeprogramm Teil der vom Volk gutgeheissenen Energiestrategie 2050 dar. Ein drittes Anliegen ist die verstärkte Koordination innerhalb der staatlichen Strukturen und über die verschiedenen Institutionen hinweg. Es gilt Doppelspurigkeiten und Widersprüche zu verringern. Hierzu braucht es eine ehrliche Interessenabwägung zwischen Klima- und Energiepolitik sowie baukulturellen und anderen Fragen.

Basierend auf den formulierten Zielen und politischen Hauptanliegen resultiert folgende Forderung:

Einführung einer lenkungswirksamen CO2-Abgabe für Gebäude und Mobilität (inklusive des Flugverkehrs),sofern gleichermassen folgende Ziele verfolgt werden:

  • Förderung der Innen-Verdichtung: Hierzu sind in Zentren Mindestdichten anstatt Höchstdichten zu definieren
  • Abbau bestehender Hürden und Regulierungen im Bau
  • Baubewilligungsverfahren vereinfachen, beschleunigen und digitalisieren
  • Verfahrensrechte von Baugesuchstellern gegenüber Einsprechern stärken

Weiteres Vorgehen

Auf Basis des vorliegenden Positionsbezugs wird sich bauenschweiz nun entsprechend in die politische Diskussion eingeben. Konkrete Vorschläge will der Vorstand an einer seiner nächsten Sitzungen diskutieren und verabschieden.  

Ständerat Hans Wicki, Präsident bauenschweiz

Positionspapier

  

Spannender Sessionsabend zum Bauen im Untergrund

bauenschweiz hat am 5. Juni zum Parlamentarierabend ins Hotel Schweizerhof in Bern geladen. Das Thema Bauen im Untergrund unter dem Titel «Dicht besiedelte Schweiz: Müssen wir nun unten durch?» hat interessiert. Vertreterinnen und Vertreter des Parlaments sowie Gäste sind zahlreich erschienen. Dr. Leonie Dörig, Juristin bei Ernst Basler Partner und Dozentin am Zentrum für öffentliches Wirtschaftsrecht ZHAW, hat als juristische Expertin auf kurzweilige Art und Weise die rechtliche Situation unter die Lupe genommen. Auch den Ausführungen von Dr. Andreas Flury, dipl. Ing. ETH, der sich als Mitinitiator des Fachkreises «Nutzung des Untergrunds» sowie als ehemaliger Gesamtprojektleiter der Glattalbahn seit Jahren intensiv mit dem Thema beschäftigt, hörten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gespannt zu. Interessiert hat auch das innovative Gesamtlogistiksystem «cargo sous terrain», über welches Jean-Pascal Gendre, Vorsitzender der Direktion der CSD Gruppe und Mitglied des geschäftsleitenden Ausschusses von cargo sous terrain aus erster Hand berichtete.

Alfred Squaratti, stv. Präsident von bauenschweiz war sich in seinem Schlussvotum sicher, dass das Bauen und Graben im Untergrund die Politik künftig noch intensiv beschäftigen wird. Darin schienen sich auch die Zuhörer einig, wie dem grossen Interesse am Abend und den angeregten Gesprächen am anschliessenden Apéro riche zu entnehmen war.

Impressionen Sessionsanlass

3. Building-Award 2019

Ingenieure und Unternehmen in sechs Kategorien ausgezeichnet

Das Gedeihen von Edelpilzen hat viel mit Ingenieurskunst zu tun

Am 6. Juni 2019 ging bereits zum dritten Mal der Building Award über die Bühne. Mit einer riesigen Party im KKL Luzern wurden Ingenieurinnen und Ingenieure für ihre herausragenden Leistungen ausgezeichnet und gefeiert. Dabei sorgte die Jury unter der Leitung der ETH Zürich-Rektorin Sarah M. Springman für eine Überraschung: Nicht etwa Kategoriensieger wie das international bekannte NEST in Dübendorf, der Seetalplatz in Emmenbrücke oder ein innovatives Nachwuchsprojekt wurden als Gesamtsieger geehrt, sondern das Team der EBP Schweiz AG, Zürich, mit dem Neubau für die Kernser Edelpilze GmbH. „Mit dem diesjährigen Gesamtsieger setzt die Jury ein starkes Zeichen in der Ingenieur- und Baubranche. Es ist nicht ausschliesslich das Grosse, das Komplexe oder Bauten mit starker architektonischer Wirkung, welche Spitzenleistungen der Schweizer Ingenieurskunst ausmachen. Ingenieurinnen und Ingenieure entwickeln sich in vielen Fällen dann zu wahren Meistern, wenn sie im Detail arbeiten und sie zu einem grossen Ganzen formen“, lobte Urs von Arx, Initiant des Building-Awards und Präsident der federführenden Stiftung bilding den Entscheid der Jury für den Gesamtsieger. Insgesamt wurden Preise in sechs Kategorien vergeben. Darunter sind zwei Projekte, welche explizit die jungen Berufsleute und die Nachwuchsförderung im Bereich Technik in den Mittelpunkt stellen.

Grösster Anlass der Ingenieur- und Baubranche in der Schweiz

Die Palette von guten Ingenieurleistungen in der Schweiz ist breit. Dies zeigt auch der diesjährige Building-Award. Dies dürfte mit ein Grund sein, warum der Building-Award mit über 750 Teilnehmenden an der Verleihung seit der ersten Durchführung 2015 zum grössten Anlass der Schweizer Ingenieur- und Baubranche geworden ist. Durch den Anlass im Kultur- und Kongresszentrum Luzern führte wiederum die Moderatorin und ehemalige Miss Schweiz Christa Rigozzi. Für unterhaltende Momente sorgte der Slam-Poet Remo Zumstein.

Die 17-köpfige unabhängige Fachjury unter der Leitung von Sarah M. Springman, Rektorin der ETH Zürich, vergab in sechs Kategorien je einen Building-Award für herausragende und innovative Ingenieurleistungen am Bau. Die diesjährigen Gewinner mit ihren Projekten sind:

  • Dr. Lüchinger+Meyer Bauingenieure AG, Zürich: Schlotterbeck Areal, Zürich
    (Kategorie 1 Hochbau)
  • Emch+Berger WSB AG, Emmenbrücke / SNZ Ingenieure und Planer AG, Zürich / Bänziger Partner AG, Zürich: Seetalplatz Emmenbrücke
    (Kategorie 2 Infrastrukturbau)
  • EBP Schweiz AG, Zürich: Neubau Kernser Edelpilze GmbH
    (Kategorie 3 Energie- und Gebäudetechnik, Gesamtsieger)
  • Empa / Eawag: NEST – Gemeinsam an der Zukunft bauen, Dübendorf
    (Kategorie 4 Forschung und Entwicklung)
  • Emch+Berger AG Bern, Marc-André Berchtold, Spiez: Gletschersandbrücke, Grindelwald
    (Kategorie 5 Young Professionals)
  • Verein Explore-it, Leuk-Stadt / Schulen Schönenwerd: Explore-it an den Schulen Schönenwerd
    (Kategorie 6 Nachwuchsförderung im Bereich Technik)

Erstmals einen Sonderpreis verliehen

Erstmals hat die Jury des Building-Awards einen Sonderpreis verliehen. Dieser geht an Conzett Bronzini Partner AG, Chur, mit ihrem Projekt zur Erdbebenertüchtigung eines neuen Berufsbildungszentrums in Kathmandu / Nepal. Realisiert hat das Projekt die Hilfsorganisation ROKPA International. In Zusammenarbeit mit den lokalen Planern konnte die Conzett Bronzini Partner AG unter der Teamleitung von Gianfranco Bronzini die lokal typischen Rahmentragwerke aus Stahlbeton mit Mauerwerksausfachungen massgebend verbessern.

Alle Siegerprojekte, die Ingenieurteams und die von der Jury nominierten Projekte werden hier vorgestellt:
http://www.building-award.ch/cont/nominationen_2019.html

Der Building-Award ist der Schweizer Preis für herausragende Ingenieurleistungen am Bau. Besonderes Augenmerk legt der Building-Award auf die Förderung des Ingenieurnachwuchses. Dafür wurden eigens zwei Kategorien geschaffen: Die Kategorie "Young Professionals" und die Kategorie "Nachwuchsförderung im Bereich Technik".

Der Building-Award wird von Infra Suisse, dem Schweizerischen Baumeisterverband und der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen usic getragen. Als weitere Partner konnten namhafte Schweizer Unternehmen, Organisationen und Verbände gewonnen werden. Organisiert und durchgeführt wird der Building-Award von der Stiftung bilding. Sie fördert den Ingenieurnachwuchs im Bauwesen.

Impressionen