Bauwirtschaft aktuell, Nr. 27

Zurückgewonnenes Vertrauen?

2015 war kein einfaches Jahr für den Schweizer Hochbau. Davon zeugen die neusten Zahlen des Verbandes der Schweizer Zementindustrie: Gemäss Cemsuisse gingen die Inlandlieferungen der schweizerischen Zementindustrie um 7.9 Prozent zurück und lagen damit zuletzt bei 4.2 Millionen Tonnen. Dieser eng mit den Hochbauinvestitionen korrelierende Indikator lässt davon ausgehen, dass die noch ausstehenden Zahlen zur Hochbautätigkeit negative Veränderungen für das Jahr 2015 zeigen werden.

Nach dieser Korrektur auf hohem Niveau wird erwartet, dass sich die Lage im 2016 zumindest im Neubau stabilisieren wird. Wüest & Partner rechnet bei den gesamten Neubauinvestitionen mit einem leicht positiven Jahreswachstum von 0.2 Prozent – eine erfreulichere Prognose als noch im Oktober 2015, die damit zu tun hat, dass sich die Zahlen der Neubaugesuche und Neubaubewilligungen erstaunlich positiv entwickelt haben. Es sind insbesondere der Anlagedruck auf Schweizer Investoren in Zeiten tiefer Zinsen sowie ein weiterhin robustes Bevölkerungswachstum, die massgeblich zu dieser Entwicklung beitragen und unter anderem den Neubau von Mehrfamilienhäusern vorantreiben (Prognose: plus 1.2 Prozent). In den zwölf Monaten von März 2015 bis Februar 2016 wurden Baubewilligungen für insgesamt 45 550 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern erteilt. Dies entspricht 1.4 Prozent des entsprechenden Gebäudebestandes. Rund zwei Drittel der in Mehrfamilienhäusern erstellten Wohnungen sind derzeit Mietwohnungen. Dieser in den letzten beiden Jahren stetig gestiegene Anteil hat sich in den vergangenen Monaten stabilisiert.

Eine besonders hohe Neubauintensität bei den Mehrfamilienhäusern weisen die Kantone Aargau und Fribourg auf. Dies liegt einerseits daran, dass hier noch verhältnismässig viel Bauland für neue Überbauungen zur Verfügung steht. Andererseits gehen die Bauherren von einer regen Nachfrage nach den neuen Wohnungen aus, da sich die beiden Kantone durch eine vorteilhafte Anbindung an attraktive Arbeitsmärkte auszeichnen. In den Grossstädten dagegen ist die Zahl der Baubewilligungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern verhältnismässig tief, weil die notwendigen Bauzonen immer knapper werden. In Genf, Basel und Bern wurden innert Jahresfrist Baubewilligungen für weniger als 1 Prozent des Bestandes erteilt.

Nicht in allen Segmenten sind positive Impulse spürbar. Beim Neubau von Geschäftsbauten – Büro-, Verkaufs- und Gastronomieflächen – dürfte sich der Abwärtstrend im Jahr 2016 fortsetzen. Einerseits führen die bereits bestehenden Überkapazitäten dazu, dass vielerorts von Neubauinvestitionen in diesem Segment abgesehen wird. Andererseits fehlen Impulse auf dem Arbeitsmarkt, die eine verstärkte, breitflächige Nachfrage nach Geschäftsflächen bewirken würden.

Rückgang der Umbauinvestitionen
Im Jahr 2015 hat das Volumen der Baubewilligungen für Umbauinvestitionen 7.6 Milliarden Franken betragen. Das bedeutet einen Rückgang von 2.1 Milliarden Franken (minus 21.6 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Dieser starke Rückgang ist zu einem beachtlichen Teil auf die Entwicklung bei den Infrastrukturprojekten zurückzuführen, die ein Fünftel der gesamten Umbauinvestitionen ausmachen (20.4 Prozent im 4. Quartal 2015). So wurden in den Jahren 2013 und 2014 für verschiedene Bauten des Gesundheitswesens kostenintensive Sanierungsprojekte wie etwa das Universitätsspital Lausanne oder das Regionalspital in Burgdorf bewilligt. Daneben schränken die verhältnismässig schwierigen realwirtschaftlichen Bedingungen die finanziellen Möglichkeiten ein, Gewerbe- und Industrieliegenschaften zu sanieren beziehungsweise umzubauen.

Aber auch bei den Mehrfamilienhäusern haben sich die baubewilligten Um-baukosten seit 2013 zurückentwickelt. Ein Teil der Investitionssumme dürfte jetzt dem Ersatzneubau zugutekommen. Diesen Trend fördern vor allem mietrechtliche Faktoren (Bindung der Mieten von bestehenden Verträgen an den Referenzzinssatz) und stark erhöhte Marktpreise. Zudem hat der Nationalrat dem Bestreben zugestimmt, die steuerlichen Anreize zur Gebäudesanierung auf Ersatzneubauten auszuweiten. Da der Ständerat hier anderer Meinung war, wird der steuerliche Umgang mit Ersatzneubauten im Rahmen des Differenzbereinigungsverfahrens im Parlament in diesem Jahr nochmals behandelt werden.

Auch wenn die tatsächlichen Sanierungs- und Renovationsinvestitionen im Hochbau höher sein dürften, als es die baubewilligten Volumen vermuten lassen (nicht alle Renovationstätigkeiten sind bewilligungspflichtig), verwundert es zunächst, dass die Umbautätigkeiten nicht stärker zunehmen. Das Tiefzinsumfeld und die Wertgewinne bei Immobilien machen Umbautätigkeiten eigentlich attraktiv. Fehlende realwirtschaftliche Impulse und rechtliche Anreizsysteme führen aber dazu, dass Umbauaktivitäten nur im limitierten Ausmass vorgenommen werden.

Autoren: Jörg Schläpfer und Robert Weinert, Wüest & Partner

Weitere Informationen: Immo-Monitoring 2016, Frühjahrsausgabe

Energiestrategie 2050: energetische Sanierungen und Ersatzneubauten vorantreiben

Am 17. Mai 2016 berät die ständerätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie UREK die Energiestrategie 2050. Für die Bauwirtschaft stellt die steuerliche Abzugsfähigkeit von energetischen Sanierungen und Ersatzneubauten einen wichtigen Aspekt dieser Energiestrategie 2050 dar.

Denn knapp 50% des schweizerischen Primärenergieverbrauchs werden für den Gebäudepark aufgewendet. In der Schweiz stehen rund 2,3 Millionen Gebäude. Gut vier Fünftel davon wurden vor 1990 erstellt. Für unsere Volkswirtschaft ist die kontinuierliche Erneuerung des Gebäudeparks hin zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit von grosser Bedeutung. Nirgendwo sonst können der Energieverbrauch und der CO2-Ausstoss so effizient und in so hohem Masse reduziert werden.

Aber auch aus raumplanerischer Sicht macht die steuerliche Abzugsfähigkeit Sinn. Das raumplanerische Gebot der Verdichtung nach innen erfordert mehr Wohn- und Arbeitsraum auf gleicher Grundstücksfläche; als qualitativ beste Lösung bietet sich häufig ein Ersatzneubau an. Mit der steuerlichen Abzugsfähigkeit von energetischen Sanierungen und Ersatzneubauten über mehrere Perioden hinweg wird ein effektiver Treiber geschaffen, damit diese raumplanerischen Ziele auch umgesetzt werden.

Den Bedenken vor Steuerausfällen ist entgegenzuhalten, dass durch eine bauliche Verdichtung das Steuersubstrat steigt und sich das grössere Auftragsvolumen nicht nur volkswirtschaftlich, sondern auch auf die Steuereinnahmen positiv auswirkt.

Dr. Benjamin Wittwer, Direktor

Verkehr und Mobilität – wie weiter?

Kürzlich war ich wieder einmal mit dem Auto von Zürich Richtung Bern unterwegs. Auf der Autobahn sind mir zwei Dinge aufgefallen:

  • Erstens: Die meisten PW-Lenker fahren permanent auf der linken Spur, auf der rechten befinden sich die Lastwagen. Auf der rechten Seite gäbe es eigentlich noch einiges an Platz und trotzdem bewegte sich der gesamte Verkehr nur zähflüssig.
  • Zweitens: In fast allen Autos sitzt jeweils nur eine einzige Person.

Beides zeugt nicht gerade von hoher Effizienz. Hier besteht sicherlich Optimierungsbedarf. Und in Sachen Mobilität und Mobilitätsverhalten tut sich ja gegenwärtig auch einiges. Das betrifft auch die Fragen der Strassenfinanzierung. Denn die Nationalstrassen und die Agglomerationsprogramme sollten dringend nicht nur neue Mittel, sondern auch eine neue Finanz-Struktur bekommen.
Die heutige Spezialfinanzierung des Strassenverkehrs wird aus den Einnahmen der Mineralölsteuer (genauer gesagt aus 50 % davon), des Mineralölsteuerzuschlags und der Autobahnvignette gespiesen.

Hier bestehen zwei Probleme:

  • Da die Fahrzeuge immer weniger Benzin verbrauchen - was grundsätzlich erfreulich ist -, sind die Einnahmen aus der Mineralölsteuer rückläufig, gleichzeitig steigen die Ausgaben.
  • Das zweite Problem ist die heutige Finanzierungsstruktur. Diese ist äusserst ineffizient. So besteht zwischen den verschiedenen Aufgaben wie der Fertigstellung des Nationalstrassennetzes oder der Engpassbeseitigungen aber auch bezüglich der Ausgaben über mehrere Jahre hinweg kaum Flexibilität. Bei Verzögerungen bleiben Mittel nicht automatisch für ein Projekt reserviert. Und wegen der Schuldenbremse und den Sparprogrammen können die Mittel trotz vorhandener Reserven nicht eingesetzt werden. Letzten Dezember musste das ASTRA die Autobahn-Sanierung St. Margarethen kurz vor Vertragsunterzeichnung mit den Baufirmen verschieben. Mehrere Baufirmen hatten sich bereits eingehend vorbereitet, um zu Beginn dieses Jahres mit der Erneuerung zu starten. Solche Dinge sorgen verständlicherweise für grossen Unmut – nicht nur bei den betroffenen Baufirmen.

Mit dem NAF können diese finanztechnischen Fehler ausgeräumt werden.

Denn mit der Fondslösung werden auch langfristig genügend Mittel generiert. Nach dem Willen des Ständerats sollen die Einnahmen aus der Automobilsteuer von jährlich 400 Mio. Franken in den NAF anstatt in die allgemeine Bundeskasse fliessen. Der Anteil aus den Mineralölsteuern erhöht sich etappenweise von 50 % auf 60 % zugunsten des NAF. An der Zapfsäule soll künftig 4 Rappen mehr pro Liter bezahlt werden; dies generiert rund 200 Mio. Franken jährlich zugunsten des Fonds. Weiter soll auch auf Elektrofahrzeuge eine Abgabe erhoben werden. Last but not least sollen sich auch die Kantone an der Finanzierung beteiligen müssen, weil mit dem neuen Netzbeschluss kantonale Strassen in den NAF und damit an den Bund übergehen.

Diesem Verteilschlüssel hat jüngst auch die nationalrätliche Verkehrskommission zugestimmt. Ich meine, sie ist eine akzeptable und ausgewogene Lösung. Gerade für unsere Bauwirtschaft, für die eine langfristige Planung und sichere Finanzierung von grosser Bedeutung ist, stellt sie wohl die beste aller diskutierten Möglichkeiten dar.

Auszug aus dem Referat von Benjamin Wittwer anlässlich der Frühjahrs-Plenarversammlung bauenschweiz

Plenarversammlung bauenschweiz in Aarberg

Rund 60 Delegierte nahmen am 15. April 2016 an der Frühjahrs-Plenarversammlung von bauenschweiz teil. Die Schweizerische Metallunion SMU gewährte der diesjährigen Delegiertenversammlung in ihrem Bildungszentrum in Aarberg Gastrecht. Hans Kunz, der Zentralpräsident der SMU, hiess die Delegiertenversammlung in Arberg willkommen. Anschliessend führte Paul Andrist als Leiter des Bildungszentrums die Teilnehmer durch die beeindruckende Bildungsstätte der SMU.

bauenschweiz-Präsident Hans Killer bedankte sich bei der SMU für die grosszügige Gastfreundschaft. Der Präsident blickte auf ein aktives Verbandsjahr zurück. Auf der politischen Agenda befanden sich diverse wichtige Dossiers, bei denen sich bauenschweiz engagiert und erfolgreich eingegeben hat. Von grosser Bedeutung sind die Raumplanung wie auch die Energie- und Verkehrspolitik. Ebenso zentral ist das Beschaffungswesen. Die Bauwirtschaft wird sich hier weiterhin engagieren. Auch beim Bauproduktegesetz ist die Bauwirtschaft in der jetzigen Umsetzungsphase gefordert. Für die Branche ist es von Bedeutung, dass die Anwendung dieser Gesetzgebung praxistauglich und einfach handhabbar bleibt.

Bei seinen Ausführungen zur Wirtschaftslage verwies der Präsident auf das schwieriger gewordene Umfeld. Nach einer langen Phase der Hochkonjunktur hat sich die Bauwirtschaft im vergangenen Jahr zurückgebildet. Dennoch scheint die Lage nicht allzu dramatisch zu sein, rechnen doch verschiedene Analysten für das laufende und kommende Jahr wieder mit steigenden Wachstumsraten, so der Präsident.

Nach den statutarischen Geschäften, welche allesamt einstimmig verabschiedet wurden,

erfolgte eine Kurzpräsentation über die Baukette Schweiz durch deren Präsidenten und Geschäftsführer, Richard Wachter und Markus Bühlmann. Unter dem Titel „Verkehr und Mobilität“ gab anschliessend der Direktor bauenschweiz, Benjamin Wittwer, einige Informationen zu den wichtigen und äusserst aktuellen Verkehrsdossiers.

Am Stehlunch herrschte aufgeräumte Stimmung, die Möglichkeit zum Austausch im Kreise der Bauwirtschaft wurde rege genutzt. Einmal mehr darf die Frühjahrs-Plenarversammlung als gelungener Anlass bezeichnet werden.