Bauwirtschaft aktuell, Nr. 26

Der Einsatz hat sich gelohnt

bauenschweiz ist erfreut darüber, dass die Vorlage über die 2. Gotthard-Röhre am 28. Februar 2016 klar angenommen worden ist. Dieser Entscheid erlaubt es, die wichtigste Nord-Süd-Achse der Schweiz effizient zu sanieren. Das Ja ist auch ein Bekenntnis an die Sicherheit. Der Gotthardtunnel wird mit Sicherheitsstreifen und richtungsgetrenntem Verkehr an die modernsten Sicherheitsstandards angepasst. Damit wird der gefährliche Gegenverkehr endlich der Vergangenheit angehören. Ausserdem verhindern wir mit dieser Lösung ein Abschotten des Kantons Tessin vom Rest der Schweiz. Und schliesslich und mit Blick auf die weitere Zukunft erleichtert die zweite Röhre alle künftigen Sanierungen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben hiermit zu einer sinnvollen, nachhaltigen und zukunftsgerichteten Lösung ja gesagt.

Hans Killer, Präsident bauenschweiz

Schwierigere Zeiten als auch schon

Gesamtwirtschaftliche Lage
Laut den Konjunkturumfragen der KOF zum 1. Quartal 2016 trübte sich die Geschäftslage aller Unternehmen der Schweiz zu Jahresbeginn ein. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate sind gegenwärtig zurückhaltender als noch Ende 2015.

Die Geschäftslage hat sich gemäss KOF denn auch in fast allen befragten Wirtschaftssektoren verschlechtert. Besonders ausgeprägt ist dies bei den Finanzdienstleistungen, im Gastgewerbe und im Grosshandel der Fall. Aber auch das Baugewerbe, das verarbeitende Gewerbe und der Detailhandel sind offenbar mit ihrer Geschäftslage weniger zufrieden als bis anhin. Der einzige Bereich, in dem sich die Lage geringfügig aufhellte, ist der Projektierungssektor.

Zementlieferungen: markant rückläufig
Im 2015 deutlich rückläufig waren die Zahlen zu den Zementlieferungen. Am markantesten abgenommen haben diese gleich im 1. Quartal mit einem Minus von 16% gegenüber dem Vorjahresquartal. Über das gesamte Jahr 2015 verringerten sich die Zementlieferungen um knapp 8%.

Projektierungssektor: Seitwärtsbewegung
Der SIA geht in seiner Berichterstattung zum 4. Quartal 2015 von einer doch recht komfortablen Lage im Projektierungssektor aus. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sind die befragten Architekten und Ingenieure bei der Einschätzung der Geschäftslage optimistischer. Und auch hinsichtlich der Erwartungen für die nächsten sechs Monate sehen die Architekten laut SIA leichte Verbesserungen. Demgegenüber hellen sich die Erwartungen für das nächste halbe Jahr bei den Ingenieuren nicht auf, auch wenn ihre Einschätzung der aktuellen Geschäftslage seit mehreren Jahren erstmals wieder gestiegen ist.

Bauhauptgewerbe: Schwieriges Baujahr 2015

Gemäss der neusten Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbands SBV sind die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe im 2015 um 8.6% gesunken.

Die Zahlen des SBV zeigen, dass der Hochbau um 11.8% zurückging, was sich vor allem auf den Wohnungsbau zurückführen lasse. Dort nahmen die Umsätze um 13.7% ab. Der Tiefbau ist laut SBV mit -5.3% deutlich weniger betroffen. In diesem Zusammenhang verweist der Baumeisterverband aber auch darauf, dass sich die Umsätze im langjährigen Vergleich nach wie vor auf ansprechendem Niveau bewegen.

Im 2015 ebenfalls zurückgegangen sind laut SBV die Auftragseingänge. Das Minus beträgt hier gegenüber dem Vorjahr 7.5%, wobei der Hochbau (-8.9%) wiederum stärker betroffen ist als der Tiefbau (-6.1%). Im Wohnungsbau beläuft sich der Rückgang auf 10.0%.

Im vierten Quartal haben sich die Auftragseingänge stabilisiert und liegen mit +1.0% gar etwas über dem Vorjahresquartal. Die Bauvorhaben für das laufende, erste Quartal 2016 liegen leicht tiefer als im Vorjahr (-5.3%). Insgesamt gehen die Experten des SBV davon aus, dass das Bauvolumen im laufenden Jahr sich auf ähnlichem Niveau bewegen wird wie im Vorjahr.

Ausbau und Gebäudehülle: Stimmung verhaltener
Gemäss der KOF-Konjunkturumfrage zum 1. Quartal 2016 ist auch die Mehrheit der Befragten aus dem Ausbaugewerbe im Laufe des 2015 etwas pessismistischer geworden. Bei den meisten Branchen des Ausbaugewerbes zeigt das Urteil über die Geschäftslage negative Tendenzen. Ebenso haben sich die Auftragsbestände vielerorts zurückgebildet, wobei sich hier grosse Unterschiede zeigen.

Konjunktur-Ausblick
Für das laufende Jahr rechnet die KOF in ihrem Bulletin vom Februar 2016 wieder mit einem Wachstum von 1.1%. Gleichzeitig geht sie aber auch davon aus, dass die Arbeitslosenquote mit 3.6% auf höherem Niveau verbleiben und sich der Strukturwandel weg von der Exportindustrie in Richtung konsumentennahe Dienstleistungen fortsetzen wird. Innerhalb der Bauwirtschaft scheint sich die Stimmung verschiedenenorts bereits wieder aufzuhellen.

Sandra Burlet, stv. Direktorin bauenschweiz

Einigung zur künftigen Finanzierung der Strasseninfrastruktur

Die ständerätliche Verkehrskommission KVF hat die Beratungen zum Strassenfonds abgeschlossen. Mit 7 zu 4 Stimmen bei 1 Enthaltung beantragt die Kommission, den Netzbeschluss 2012 zwei Jahre nach Inkrafttreten der Vorlage in den NAF zu integrieren und ihn mit einer Erhöhung der Zweckbindung der Mineralölsteuer zu finanzieren. Konkret soll die Zweckbindung zugunsten der Strasse mit dem Inkrafttreten der Vorlage um maximal 5% auf 55% erhöht werden. Im Gegenzug soll der Mineralölsteuerzuschlag um lediglich 4 Rappen pro Liter (auf 34 Rappen) erhöht werden. Zwei Jahre nach Inkrafttreten des NAF soll die Zweckbindung der Mineralölsteuer um weitere maximal 5% auf insgesamt 60% erhöht werden. Diese maximal 125 Mio. Franken dienen der Finanzierung des Netzbeschlusses, welcher auch in diesem zweiten Schritt in Kraft gesetzt werden soll. Ebenfalls in der zweiten Etappe erfolgt der Kompensationsbeitrag der Kantone im Umfang von 60 Mio. Franken.

Medienmitteilung KVF-S vom 19. Februar 2016

Kommentar:

Damit ist man ein gutes Stück weit dem Anliegen der Milchkuhinitiative entgegengekommen. Diese sieht eine vollständige Zweckbindung der Mineralölsteuereinnahmen für den Strassenverkehr vor und nicht nur 50 % – dies wären 1,5 Milliarden Franken Mehreinnahmen. Die Milchkuhinitiative beinhaltet jedoch kein Strassenbauprogramm. So gesehen ist der NAF die bessere Lösung, falls die Finanzierung akzeptabel ausfällt. Zuerst muss der NAF aber von den eidgenössischen Räten beschlossen und in der Volksabstimmung angenommen werden. Am 15. März 2016 behandelt der Ständerat die Vorlage. Bereits am 5. Juni 2016 findet die Volksabstimmung über die Milchkuhinitiative statt.

Dr. Benjamin Wittwer, Direktor bauenschweiz

Baukonjunktur-Barometer März 2016

4.Q.1.Q.2.Q.3.Q.4.Q.4.Q.1.Q.2.Q.3.Q.4.Q.
2014201520152015201520142015201520152015
Planung (KOF/SIA)Urteil aktuelle Geschäftslage Erwartete Geschäftslage ①
Insgesamtk. A.*k. A.*464948k. A.*k. A.*-10-6
Architekturbürosk.A.*k.A.*414946k. A.*k. A.*064
Ingenieurbürosk.A.*k.A.*504949k. A.*k. A.*-1-5-13
Bauhauptgewerbe (SBV)Aktuelle Geschäftslage(Bautätigkeit nominell)Auftragsbestand (am Quartalsende)
prozentuale Veränderung der Umsätzeprozentuale Veränderung des Arbeitsvor-
gegenüber dem Vorjahresquartalrats gegenüber dem Vorjahresquartal
Insgesamt-7-12-3-12-7-4-5-4-13
          
Hochbau5-14-8-13-12-4-16-10-7-3
- Wohnungsbau2-18-10-15-13-11-19-13-10-5
- Wirtschaftsbau14-11-11-205.5-7-8-8-3
- öffentlicher Hochbau-3-21-18-121617-201107
          
Tiefbau-17-92-11-3-46147
          
öffentlicher Bau-17-71.4-12116144
Privater Bau1-15-6-13-13-9-15-9-71
Ausbau und Gebäudehülle (KOF) Urteil aktuelle Geschäftslage Reichweite Auftragsbestand in Monaten
Boden-/Wand-/Deckenbel. (ISP) 11 30 44 5 -15 2.0 3.0 2.5 4.5 4.0
          
Sanitärgewerbe (suissetec) 40 26 32 41 23 6.5 5.0 6.0 6.5 3.0
          
Heizungsgewerbe (suissetec) -9 -17 -23 7 5 3.0 3.5 3.5 4.5 3.5
          
Dachdecker (Gebäudehülle Schweiz) 36 8 48 41 14 3.0 3.5 4.0 6.5 3.0
          
Elektroinstallationsgew. (VSEI) 87 67 88 54 53 6.0 6.5 7.0 6.0 5.0
          
Maler- und Gipsergewerbe (SMGV) 24 8 27 24 27 6.5 6.0 4.5 4.5 5.0
          
Metallbaugewerbe (SMU) -6 -2 -9 -11 -20 3.5 3.0 4.0 4.0 3.5
          
Schreinereigewerbe (VSSM) 11 -7 -52 -38 -14 3.0 2.5 3.0 3.0 3.0
Produktion und Handel
cemsuisse4. Qu. 20141. Qu. 20152. Qu. 20153. Qu. 20154. Qu. 2015
Lieferung in Tonnen1'104'942823'3751'163'8351'173'6371'058'619
Veränderung in % zum Vorjahr-5.7-16-7.7-5.1-4.2
Resultat = Differenz zwischen Anteilen positiver und negativer Meldungen in %. Fragestellungen:
"Insgesamt beurteilen wir unsere Geschätslage als gut, befriedigend, schlecht"
"Unsere Geschäftslage wird sich verbessern, nicht verändern, verschlechtern" (im nächsten halben Jahr)
* Da die Erhebung teilweise noch vor der Aufhebung der Frankenuntergrenze erfolgte,
wird an dieser Stelle auf die Wiedergabe der Resultate verzichtet.