Bauwirtschaft aktuell, Nr. 24

Hoher Besuch an der Herbst-Plenarversammlung von bauenschweiz

Hochkarätiger Besuch beehrte die Plenarversammlung vom 10. November 2015 von bauenschweiz. Die beiden Gastreferenten Frau Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf, Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements und Sergio Ermotti, CEO der UBS Gruppe zogen die Zuhörer in ihren Bann.

Über 100 Delegierte, Gäste und Pressevertreterinnen und –vertreter haben den Weg an die diesjährige Herbst-versammlung der Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft gefunden. Präsident Hans Killer gab einen kurzen Überblick über die bauwirtschaftliche Lage, von der gegenwärtig eine leichte Abkühlung konstatiert wird. Der Rückgang sei aber je nach Regionen sehr unterschiedlich, so Killer. Spürbar verschlechtere sich die Situation vor allem in den Tourismusregionen, wo sich zunehmend die Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative bemerkbar mache. Als bedenklich bezeichnete Killer auch das in der Braubranche vorherrschende Preisniveau, welches sich seit längerem und trotz noch vollen Auftragsbüchern auf dem Abwärtspfad befindet.

Der Präsident informierte ausserdem über einige für die Bauwirtschaft bedeutsame politische Dossiers. Mit Blick auf den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds NAF betonte er, dass es zur langfristigen Sicherung der Strasseninfrastruktur zusätzliche Mittel brauche, da sich bereits heute eine Finanzierungslücke abzeichne.

Die weitherum ablehnende Haltung gegen die Vorlage zur 2. Revisionsetappe des Raumplanungsgesetzes scheint das Amt für Raumentwicklung zur Kenntnis genommen zu haben. Das Projekt ist in der vorgelegten Form offenbar vorerst einmal vom Tisch, so der Präsident.

Den Entwurf zur Revision der Bundesgesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen begrüsste der Präsident im Grundsatz, ortete aber bei verschiedenen Bestimmungen noch deutlichen Korrekturbedarf.

Im Zusammenhang mit der Energiestrategie 2050 bedauerte Killer, dass der Ständerat beschlossen hat, ein Herzstück aus der Vorlage herauszubrechen, indem dieser die Möglichkeit, dass energetisch wirksame Investitionen an Gebäuden und Ersatzneubauten steuerlich abgesetzt werden können, gestrichen hat. Killer befürchtete im weiteren, dass sich die Politik demnächst wieder mit der Lex Koller zu befassen hat. Zwar haben die eidgenössischen Räte unlängst die Motionen Badran zur Änderung der Lex Koller bachab geschickt. In leicht angepasster Form tauchten diese Anliegen in den Gesetzesplänen Bundesrätin Sommaruga nun aber wieder auf.

Mit Spannung wurden die beiden Gastreferenten erwartet. Unter dem Titel „Werk- und Finanzplatz Schweiz – eine starke Symbiose“ verwies Sergio P. Ermotti auf die starken Wechselwirkungen zwischen den beiden Sektoren. Er legt dar, wie politische Entwicklungen und Regulierungen in der Finanzbranche Auswirkungen auch auf andere Branchen – nicht zuletzt auf die Bauwirtschaft – haben können und plädierte für wirtschaftsverträgliche Rahmenbedingungen. Eine unsichere, instabile Regulationssituation stelle nämlich ein grosses Geschäftsrisiko für die Unternehmen dar. Von der Politik forderte er deshalb Augenmass, damit die Schweiz für die Unternehmen aus Finanz- wie auch aus anderen Sektoren ein zuverlässiger Standort bleibe.

Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf gab einen Einblick in aktuelle Projekte des Bundes in den Bereichen Verkehr, Energie und Steuern. Sie unterstrich die Wichtigkeit eines gesunden Staatshaushaltes. Beim NAF sprach sie sich für das Finanzierungskonzept des Bundesrates aus. Es sei von Bedeutung, dass der NAF möglichst rasch durchs Parlament gebracht werden könne. Bei der Energiestrategie 2050 plädiert sie dafür, deren Chancen zu erkennen und wahrzunehmen. Im Zusammenhang mit der Unternehmersteuerreform gab sie der Hoffnung Ausdruck, dass diese das Parlament „möglichst unbeschadet überstehe“. Schliesslich betonte sie, dass in der Baubranche viel Innovationskraft steckt und ermutigte die Anwesenden, diese auch zu nutzen.

Die Referate stiessen auf beim Publikum auf Begeisterung, wie der langanhaltende Applaus zeigte. Beim anschliessenden Mittagessen wurde an verschiedenen Tischen das Gehörte bei angeregt weiter diskutiert.

Sandra Burlet, stv. Direktorin bauenschweiz

Impressionen Plenarversammlung 2015 …

Eröffnungsanlass zur Swissbau 2016

„INGENIEURSKUNST MADE IN SWITZERLAND: DER GOTTHARD-BASISTUNNEL“

Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich über eine hochwertige und leistungsfähige Infrastruktur. Deren Wiederbeschaffungswert beträgt rund eine Billion Franken. Sie ist die Grundlage für die nachhaltige Entwicklung des Lebensraumes Schweiz, für zukünftiges Wirtschaftswachstum und Wohlstand.

Ingenieurinnen und Ingenieure, Architektinnen und Architekten sind gemeinsam mit dem Baugewerbe die Schöpfer dieser Infrastruktur. Ein Jahrhundertprojekt Schweizer Ingenieurs- und Tunnelbaukunst ist der neue Gotthard-Basistunnel, der im Juni 2016 feierlich eröffnet wird.

Der Gotthard-Basistunnel ist auch am Dienstag, 12. Januar 2016, an der Eröffnungsveranstaltung zur Swissbau 2016, das grosse Thema. Nach einer Grussbotschaft von Bundesrat Ueli Maurer und Referaten von Urs Rohner, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group AG und Renzo Simoni, Vorsitzender der Geschäftsleitung AlpTransit Gotthard AG, diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft mit Experten aus der Planungs- und Baubranche über den längsten Tunnel der Welt als Paradebeispiel für «Made in Switzerland».

Das detaillierte Programm zur Eröffnungsveranstaltung finden Sie auf unserer Homepage unter „Veranstaltungen“. Dort finden Sie auch einen direkten Link zur Anmeldung – wir würden uns über Ihren Besuch in Basel freuen.

Redaktion Bauwirtschaft aktuell

Unterschiedlich Erwartungen beim Wohnen im Alter

Wohnen im Alter ist für viele junge Menschen bereits heute ein Thema. Dies zeigt der «Immo-Barometer 2015», eine gesamtschweizerische Umfrage zur Wohnzufriedenheit und zu Wohnbedürfnissen. In der aktuellen Befragung wird erstmalig auf die Wohnbedürfnisse im Alter von über 70 Jahren eingegangen. Den Ergebnissen zufolge hat sich nicht nur der Grossteil der Generation 50plus schon einmal mit diesem Thema auseinandergesetzt, sondern auch 36 Prozent der unter 35-Jährigen und mehr als die Hälfte der unter 50-Jährigen.

Infrastruktur ermöglicht Selbstständigkeit
Für 86 Prozent der Befragten ist das wichtigste Kriterium auf der Suche nach einer Wohnung für das Leben ab 70 die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten. Ebenfalls sehr wichtig ist für 82 Prozent der Befragten ein guter Anschluss an den öffentlichen Verkehr.

  • Anhand der Resultate wird deutlich, dass sich die Anforderungen an die Wohnungen fürs höhere Alter während des Lebens ändern. Die heute unter 50-Jährigen gewichten die Bedürfnisse anders als Personen, die bereits 50 Jahre und älter sind. Bei folgenden Bedürfnissen zeigen sich die grössten Unterschiede:
  • Mit zunehmendem Alter werden Anschlüsse sowohl an den öffentlichen Verkehr als auch an den Individualverkehr höher eingeschätzt.
  • Die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten wird von den befragten Personen umso wichtiger eingeschätzt, je älter sie sind.
  • Mit fortschreitendem Alter gewinnt die Barrierefreiheit der Wohnung an Bedeutung.

Der treibende Faktor für die steigende Wertschätzung dieser drei Kriterien mit zu-nehmendem Alter ist das im Verlauf des Lebens wachsende Streben nach Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit bis ins hohe Alter. Je näher die Lebensphase 70plus rückt, desto zentraler wird für die Menschen heutzutage das Bedürfnis, sich auch in Zukunft noch selbst versorgen und den Alltag ohne fremde Hilfe bewältigen zu können. Dieser Wunsch manifestiert sich vor allem bei den 65- bis 79-Jährigen. Auf der Suche nach einer Alterswohnung werden gerade bei ihnen jene Wohnungseigenschaften am höchsten gewichtet, die den Lebensalltag im hohen Alter erleichtern und ein möglichst eigenständiges Leben ermöglichen.

Kleinere Wohnungen an zentraler Lage
Die Studie fördert auch zutage, dass es ältere Menschen vermehrt in die Städte zieht. Während sich Personen, die heute noch «jung» sind, das Altwerden eher ausserhalb der Städte im ländlicheren Raum vorstellen, wird mit fortschreitendem Alter der Wunsch nach einer zentralen Wohnlage immer grösser. Dort locken unter anderem die Verfügbarkeit von Verkehrs- und Transportmitteln, die Nähe zu Handel und Dienstleistungen oder eine gute ärztliche Versorgung. Eine innerstädtische Wohnlage erleichtert insbesondere älteren Menschen, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, den Zugang zu diesen Angeboten.

Die beliebteste Wohnform für das Leben ab 70 ist die Mietwohnung: Hier wollen 40 Prozent der Befragten ihren Lebensabend verbringen. Je älter die befragten Personen sind, desto eher. Ebenfalls hoch im Kurs liegt bei den betagteren Personen die Eigentumswohnung als Altersdomizil. Und während bei den unter 50-Jährigen noch immer die Vorstellung vom Altwerden im eigenen Einfamilienhaus besteht, ist der Kauf eines Hauses bei der Gruppe der 65- bis 79-Jährigen kaum noch eine Option.

Die steigende Beliebtheit der Wohnung als Alterswohnsitz – zulasten des Einfamili-enhauses – lässt sich mit den bisherigen Erkenntnissen vereinbaren: In einer Wohnung ist zum einen die im Alter immer wichtiger werdende Barrierefreiheit eher gegeben als in einem Einfamilienhaus. Zum anderen finden sich Einfamilienhäuser im Gegensatz zu Wohnungen in Mehrfamilienhäusern eher in ländlichen anstatt in zentralen städtischen Gegenden. Was die Anforderungen an die Grösse betrifft, so fällt die altersgerechte Wohnung bei vielen Befragten eher klein aus. Demnach nimmt die Nachfrage nach grossen Wohnungen im gehobenen Alter ab, während jene nach kleinen bis mittelgrossen Wohnungen steigt.

400 000 zusätzliche Nachfrager
Das Wohnen im Alter wird in den kommenden zehn Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Gemäss dem Perspektivmodell dürfte sich die Personenanzahl der Generation der über 70-Jährigen bis ins Jahr 2025 um über 400 000 Personen erhöhen, was einer Zunahme von 39 Prozent entspricht. Auf der einen Seite bietet dieser Trend Chancen bei der Entwicklung von Neubauprojekten. Auf der anderen Seite ergeben sich damit Herausforderungen bei den Altbauwohnungen (Erschliessung, Barrierefreiheit). Es kann davon ausgegangen werden, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnen im Alter den Schweizer Gebäudepark schleichend verändern wird.

Patrick Schnorf, Partner Wüest und Partner AG