Bauwirtschaft aktuell, Nr. 14

Der neue Direktor im Amt

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Leserin, lieber Leser

Per 1. März 2014 habe ich meine Stelle als neuer Direktor von bauenschweiz angetreten. Ich freue mich sehr, dass ich diese Aufgabe übernehmen durfte. Ich glaube, dass ich aufgrund meiner früheren Tätigkeiten und insbesondere als bisheriger Generalsekretär der Bau-, Planungs- und Umweltdirektorenkonferenz BPUK auf Know-how und Erfahrungen zurückgreifen kann, die sich für die Bauwirtschaft sehr gut einsetzen lassen. Andere Bereiche werden für mich neu sein, aber auch auf diese Herausforderungen freue ich mich sehr.

Meine Ziele sind es, den erfolgreichen Kurs von bauenschweiz weiterzuverfolgen und den Verband noch verstärkt als die Organisation der gesamten Bauwirtschaft zu positionieren. bauenschweiz ist eine erfolgreiche und schlagkräftige Organisation, die einen sehr guten Ruf geniesst. Diesem Netzwerk von gegen 70 Mitgliedorganisationen aus Planung, Bauhauptgewerbe, Ausbaugewerbe sowie Produktion und Handel, vereint unter dem Dach von bauenschweiz muss Sorge getragen werden. Mir ist es wichtig, dass das Renommee unseres Verbandes weiter gepflegt wird und der Name bauenschweiz - wo möglich – auch ausserhalb der eigenen Reihen einem noch breiteren Publikum bekannt gemacht werden kann. Denn nicht zuletzt für die Vertretung der spezifischen Interessen unserer Branche auf dem politischen Parkett scheint es mir zentral, dass unsere Organisation von den Entscheidungsträgern, aber auch von der Öffentlichkeit erkannt und wahrgenommen wird.

Meines Erachtens ist es für die gesamte Bauwirtschaft notwendig und wichtig, dass sie über eine gemeinsame, effiziente und schlagkräftige Organisation verfügt, die auch das Wesentliche nicht aus den Augen verliert. Die Bauwirtschaft muss in Bundesbern, bei den Kantonen und in der Öffentlichkeit über eine gemeinsame Stimme verfügen, die auch erhört und angehört wird, wenn es um bauwirtschaftsrelevante Themen geht. Denn die Baubranche ist nicht nur ein äusserst wichtiger Wirtschaftszweig, sondern sie nimmt durch das Errichten und Unterhalten des gesamten Bauwerks Schweiz auch gesellschaftspolitisch eine zentrale Funktion war. Dabei ist bauenschweiz unbedingt auf die Unterstützung durch ihre Berufs- und Fachverbände angewiesen, die sich mit ihrem Fachwissen aktiv bei bauenschweiz und/oder sich im Rahmen der politischen Prozesse auch im eigenen Namen direkt einbringen. Ich bin überzeugt, dass wir dort, wo wir uns gegenseitig unterstützen, weiterhin äusserst erfolgreich und lösungsorientiert agieren können und werden.

Ich konnte vor rund einem Monat einen gut aufgestellten Verband übernehmen; wofür ich sehr dankbar bin. Ich möchte mich bei dieser Gelegenheit nochmals herzlich beim Vorstand für das mir entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben im Namen der Bauwirtschaft. Und besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Vorstand, den Geschäftsführern der Stammgruppen, den Mitgliedverbänden und dem gesamten Netzwerk von bauenschweiz. Und last but not least freue ich mich über die Zusammenarbeit im Team der Geschäftsstelle.

Dr. Benjamin Wittwer, Direktor bauenschweiz

Kartellgesetz geht zurück an den Ständerat

Am 6. März 2014 hat der Nationalrat mit 106 zu 77 Stimmen beschlossen nicht auf die Revision des Kartellgesetzes (12.028) einzutreten. Damit muss das Geschäft zurück an den Ständerat.

bauenschweiz und die gesamte Bauwirtschaft sind sehr froh über diesen Entscheid des Nationalrates. bauenschweiz hat sich hier gemeinsam mit dem Gewerbeverband aus verschiedenen Gründen engagiert und sich dezidiert gegen die beabsichtigte Kartellgesetzgebung ausgesprochen. Aber nicht nur eine breite Koalition aus der Wirtschaft sondern auch die Kantone haben sich unter der Federführung der BPUK klar gegen diese Gesetzesrevision ausgesprochen.

So ist es zum einen für die Wirtschaft äusserst schwierig und aufwändig, sich immer wieder auf veränderte Gesetzesvorlagen einzustellen. Häufige Gesetzesrevisionen, besonders im komplexen Wettbewerbsrecht, sind der Rechtssicherheit abträglich. Die Unternehmen müssen sich immer wieder mit den Neuerungen des Kartellgesetzes auseinandersetzen. Das Kartellrecht wird schon heute nur noch von einem kleinen Kreis spezialisierter Ökonomen und Juristen verstanden. Schon aus diesem Grund waren und sind wir gegen diese Gesetzesrevision. Dass durch die Gesetzesrevision der Wettbewerb effektiv gestärkt würde, konnte ausserdem bis jetzt nicht nachgewiesen werden und wurde stets nur pauschal begründet. Wir sind der Meinung, dass das geltende Gesetz genügend wirksame Mittel und Sanktionen enthält, um Missbräuche effizient zu bekämpfen. Immerhin hat die WEKO in den letzten paar Jahren Bussen in der Höhe von insgesamt CHF 760 Mio. gegen 120 Unternehmen ausgesprochen.

Der vom Ständerat – der als Erstrat das Geschäft bereits am 21. März 2013 behandelt hat - beschlossene Art. 5 schiesst zusätzlich weit über das Ziel hinaus. Dieser Artikel hätte keinerlei positiven Effekte, dafür zahlreiche negativen. Die Bildung von Arbeitsgemeinschaften ARGE würden damit erheblich erschwert und geriete unter Generalverdacht. Dabei haben sich ARGE seit Jahren, ja Jahrzehnten in der Schweiz bewährt und gerade unsere Branche ist auf diese Arbeitsform zwingend angewiesen. Die Durchführung von mittleren und grossen Bauprojekten ohne Arbeitsgemeinschaften ist undenkbar, denn nur dank dieser Arbeitsform ist es vielen KMU aus der Bauwirtschaft möglich, bei solchen Projekten überhaupt mit von der Partie zu sein. Nur wenige, ganz grosse – nicht selten ausländische – Unternehmen sind in der Lage sich alleine und ohne Arbeitsgemeinschaft an grösseren Bauprojekten zu beteiligen. So würde das Behindern von Arbeitsgemeinschaft also dazu führen, dass dereinst wohl oft nur noch grosse und auf keine Gemeinschaft angewiesene Unternehmen Angebote einreichen und Aufträge annehmen könnten. Damit würde nicht mehr, sondern im Gegenteil weniger Wettbewerb geschaffen, was dem Ziel des Kartellgesetzes, nämlich den Wettbewerb im Interesse einer freiheitlichen marktwirtschaftlichen Ordnung zu fördern, geradezu entgegenläuft.

Die Vorlage geht nun zurück an den Ständerat. Wir hoffen, dass auch im Ständerat die Mehrheit zur Überzeugung gelangt, dass in dieser Vorlage die Nachteile gegenüber den Vorteilen massiv überwiegen und deshalb mit gutem Gewissen, auf die Revision des Kartellgesetzes verzichtet werden kann und muss.

Hans Killer, Präsident bauenschweiz

Neues BauPG unter Dach und Fach

Am 10. März 2014 hat der Nationalrat als Zweitrat die Totalrevision des Bundesgesetzes über Bauprodukte (13.076) gutgeheissen. Damit steht der Inkraftsetzung der neuen Gesetzgebung nichts mehr im Wege.

Seit 2008 besteht das Kapitel über Bauprodukte im bilateralen Abkommen mit der EU über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (MRA). Seither genügte eine durch eine anerkannte Konformitätsbewertungsstelle ausgestellte Konformitätsbewertung, um ein Bauprodukt sowohl auf dem schweizerischen als auch auf dem EU-Markt vermarkten zu können. Weil seit April 2011 eine neue Bauprodukteverordnung (CPR) in der EU in Kraft ist und dadurch die Gleichwertigkeit der technischen Vorschriften in der EU und in der Schweiz nicht mehr gegeben war, wurde die Anpassung des Bundesgesetzes über Bauprodukte nötig.

bauenschweiz hat sich für die Revision der Bauproduktegesetzgebung ausgesprochen. Die Bauwirtschaft hat sich einzig bei Art. 2 Ziff. 18 „Bereitstellung auf dem Markt“ bereits im Rahmen der ständerätlichen Beratung für eine Begriffsanpassung eingesetzt, welche vom Ständerat wie auch vom Nationalrat übernommen worden ist.

Ohne diese Gesetzesrevision hätte die Gefahr bestanden, dass das Abkommen über die gegenseitige Anerkennung von Konformitätsbewertungen (MRA) sistiert oder gestrichen würde. Dies hätte für den Schweizer Markt Handelsverzerrungen und Wettbewerbsnachteile zur Folge. Es würden insbesondere für diejenigen Schweizer Bauprodukte, welche in die EU exportiert werden sollen, Handelshemmnisse entstehen. Demgegenüber hätten legal in der EU handelbare Bauprodukte in der Schweiz weiterhin ungehindert in Verkehr gebracht werden können, dies aufgrund des von der Schweiz einseitig anerkannten Cassis des Dijon-Prinzips. Im Weiteren können mit der neuen Gesetzgebung bestehende Unsicherheiten in Bezug auf das seit 2010 in der Schweiz existierende Produktesicherheitsgesetz zumindest teilweise ausgeräumt werden. Denn der Aspekt der Produktesicherheit bei Bauprodukten wird in die neue Bauproduktegesetzgebung integriert, womit eine bessere Transparenz für Hersteller und Verwender von Bauprodukten geschaffen werden kann.

Die neue Gesetzgebung führt bei denjenigen Bauprodukten, die von einer harmonisierten technischen Norm (hEN) erfasst sind oder anhand einer Europäischen Technischen Bewertung ETB bewertet werden, zu einem Wechsel von der Konformitätsbewertung zur Leistungserklärung. bauenschweiz hat von Anfang an gefordert, dass die Umsetzung KMU-freundlich erfolgen muss und die betroffene Wirtschaft so weit wie möglich zu entlasten sei. So werden individuell gefertigte Bauprodukte von Verfahrenserleichterungen profitieren können. Das federführende BBL hat bereits im Vorfeld der Beratungen der Gesetzgebungen versichert, dass es für eine möglichst pragmatische und zweckmässige Umsetzung Hand bietet und zur Verfügung steht. bauenschweiz wird sich auch mit seiner Arbeitsgruppe Bauprodukte sowie durch seine Vertreter in der Eidg. Bauproduktekommission weiterhin dafür einsetzen.

Benjamin Wittwer, Direktor
Sandra Burlet, stv. Direktorin

Mehrheitlich optimistische Lagebeurteilung

Konjunktur in Europa und der Schweiz
Laut dem Bulletin der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich vom März 2014 festigte sich der Aufschwung in der EU im 4. Quartal 2013. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der EU legte gegenüber dem Vorjahresquartal um 1.6 % zu. Insgesamt stehe die wirtschaftliche Entwicklung in Europa inzwischen auf einer deutlich breiteren Basis als zuvor, ist KOF überzeugt.

Gemäss den Ergebnissen des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im 4. gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 0.2 % gestiegen. Basierend auf den Quartalschätzungen ergibt sich für das ganze 2013 ein vorläufiges BIP-Wachstum von 2 %, nach 1 % im Jahr 2012.

Mit dem ausgewiesenen Quartalswachstum von 0.2 % verlief das schweizerische Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 2014 schwächer als von BAKBasel erwartet. Die hierfür massgebende Exportschwäche ist aber nach Einschätzung von BAKBasel vorübergehender Natur.

Wachstumstempo im Projektierungssektor gesenkt
Die Geschäftslage im Projektierungssektor wird laut der im Auftrag des SIA durchgeführten KOF- Umfrage im 4. Quartal 2013 von den Planern mehrheitlich weiterhin als zufriedenstellend eingestuft. Die Phase des stürmischen Wachstums scheint aber vorerst beendet zu sein. Die Reichweite des Auftragsbestands hat sich laut Umfrage verringert, liegt aber weiterhin bei einem beachtlichen Wert von 11 Monaten. So rechnen laut KOF auch nur noch 15 % der Büros mit einer Zunahme der Projektierungsdienstleistungen. Analog ging auch der Wert von Büros zurück, welche einen Mangel an Arbeitskräften beklagen. Auch stockten im 4. Quartal 2013 mit 15 % deutlich weniger Büros ihren Personalbestand auf. Im Sommer und Herbst 2013 lag dieser Wert noch bei 25 %. Die Einschätzungen der weiteren Geschäftsentwicklung bleiben aber gemäss KOF-SIA optimistisch.

Bauhauptgewerbe: Rückschlag wettgemacht
Das Baujahr 2013 verlief gemäss der jüngsten SBV-Quartalserhebung erfreulich. Die nominellen Umsätze im Bauhauptgewerbe sind um 4.9 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen und betrugen Ende 2013 19.9 Mrd. Franken. Der witterungsbedingte Rückschlag im Jahr 2012 ist damit laut dem Schweizerischen Baumeisterverband SBV wettgemacht. Auch die Auftragseingänge werden als solide bezeichnet. Sie erreichten im 2013 1.7 % mehr als im Vorjahr und beliefen sich auf 19.2 Mrd. Franken. Als Wachstumstreiber identifiziert der SBV wiederum den Wohnungsbau, dessen Bauvolumen im 2013 um 3.2 % gestiegen ist. Für 2014 sind die Aussichten laut SBV durchzogen. Rückläufige Baubewilligungen sowie die Auswirkungen des sich seit März 2012 in der Bundesverfassung befindliche Zweitwohnungsartikels werden langsam aber sicher spürbar.

Ausbau und Gebäudehülle
Laut den Ergebnissen der KOF-Konjunkturumfrage vom Januar 2014 floriert das Ausbaugewerbe gesamthaft und die Geschäftslage hat sich nochmals verbessert. Unternehmen mit schlechter Geschäftslage kommen laut KOF kaum vor. Für die kommenden Monate wird mit einer Stabilisierung auf hohem Niveau gerechnet, positive und negative Stimmen halten sich die Waage.

Konjunktur-Ausblick
Für das Jahr 2014 rechnet BAKBASEL weiterhin mit einer Beschleunigung im Aussenhandel. Allerdings ist mit Annahme der „Masseneinwanderungsinitiative“ laut BAKBasel ein Belastungsfaktor hinzugekommen. Die gestiegene Unsicherheit könnte vor allem die Investitionsbereitschaft schwächen.

Die Expertengruppe des Bundes hält im Rahmen ihrer Frühjahrsprognose vom 18. März 2014 an ihrer bisherigen Einschätzung fest und geht davon aus, dass sich der schweizerische Konjunkturaufschwung in den Jahren 2014 und 2015 weiter festigen dürfte. Es wird ein BIP-Wachstums auf 2.2 % für 2014 sowie ein solches von 2.7 % für das Jahr 2015 prognostiziert.

Sandra Burlet, stv. Direktorin bauenschweiz

Baukonjunktur-Barometer März 2014

4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q 4. Q 1. Q 2. Q 3. Q 4. Q
2012201320132013201320122013201320132013
Planung (KOF/SIA) Urteil aktuelle Geschäftslage Geschäftslage im nächsten halben Jahr
Insgesamt656568625827542
Architekturbüros6161625754751285
Ingenieurbüros6969716661-27110
Bauhauptgewerbe (SBV)Aktuelle Geschäftslage (Bautätigkeit nominell) Auftragsbestand (am Quartalsende)
prozentuale Veränderung der Umsätzeprozentuale Veränderung des Arbeitsvor-
gegenüber dem Vorjahresquartalrats gegenüber dem Vorjahresquartal
Insgesamt-1716641-5-2-1
          
Hochbau-611-3165-3-328
 - Wohnungsbau-1011-225045412
 - Wirtschaftsbau015-41621-8-151-2
 - öffentlicher Hochbau0-1.5-2-6162-28-20-711
          
Tiefbau43411644-6-5-8
          
öffentlicher Bau3-15892-4-12-8-8
Privater Bau-413-25476456
Ausbau und Gebäudehülle (KOF) Urteil aktuelle Geschäftslage Reichweite Auftragsbestand in Monaten
Boden-/Wand-/Deckenbel. (ISP) -2 7 28 40 35 3.5 3.0 2.5 4.5 3.0
          
Sanitärgewerbe (suissetec) 35 17 51 52 59 4.5 6.0 7.0 5.0 5.5
          
Heizungsgewerbe (suissetec) 1 1 34 28 -8 5.5 5.0 11.5 4.0 4.5
          
Dachdecker (Gebäudehülle Schweiz) 45 43 61 64 48 6.5 3.5 4.0 4.0 3.5
          
Elektroinstallationsgew. (VSEI) 79 81 84 86 91 5.0 5.5 6.5 6.0 6.0
          
Maler- und Gipsergewerbe (SMGV) 20 40 45 55 6 4.0 3.5 4.5 3.5 3.5
          
Metallbaugewerbe (SMU) 17 -7 4 0 -9 3.5 3.5 4.0 3.5 3.5
          
Schreinereigewerbe (VSSM) 12 56 11 9 21 3.0 3.5 3.0 3.5 3.0
Produktion und Handel
Cemsuisse 4. Qu. 20121. Qu. 20132. Qu. 20133. Qu. 20134. Qu. 2013
Lieferung in Tonnen1'092'190821'6551'285'6181'285'2891'171'369
Veränderung in % zum Vorjahr-1.231.83.47.2
Resultat = Differenz zwischen Anteilen positiver und negativer Meldungen in %. Fragestellungen:
      "Insgesamt beurteilen wir unsere Geschätslage als gut, befriedigend, schlecht" 
      "Unsere Geschäftslage wird sich verbessern, nicht verändern, verschlechtern" (im nächsten halben Jahr)