Bauwirtschaft aktuell, Nr. 11

Info BBL: europäische Bauprodukteverordnung in Kraft

Mit Blick auf die in der EU in Kraft getretene, europäische Bauprodukteverordnung hat das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL auf seiner Website eine Information veröffentlicht, die wir an dieser Stelle wiedergeben möchten.

Redaktion Bauwirtschaft aktuell

Export von Bauprodukten in den EU-/EWR-Raum: Situation ab dem 1. Juli 2013

Seit dem 1. Juli 2013 gilt in den EU-Mitgliedstaaten die europäische Bauprodukteverordnung (Verordnung EU Nr. 305/2011). Sie basiert auf einem neuen Konzept für das Inverkehrbringen von Bauprodukten, welches sich an der Deklaration von Produktleistungen orientiert. Das Schweizerische Bauprodukterecht entspricht dieser EU-Verordnung inhaltlich nicht vollständig. Der Bund revidiert zur Zeit seine Bauproduktegesetzgebung, um sie an das neue EU-Recht anzugleichen.

Bis die neuen gesetzlichen Grundlagen in Kraft getreten sind, ist Folgendes zu beachten:

Für den Export von Bauprodukten in den EU-/EWR-Raum muss ab dem 1. Juli 2013 die europäische Bauprodukteverordnung beachtet werden. Es gelten die folgenden Neuerungen:

  • Für Bauprodukte, die von einer harmonisierten europäischen Norm erfasst sind oder für die eine Europäische Technische Bewertung ausgestellt worden ist, braucht es eine Leistungserklärung des Herstellers, damit sie in Verkehr gebracht werden dürfen. Ausserdem müssen diese Bauprodukte mit einem CE-Kennzeichen versehen werden.
  • Hersteller, Bevollmächtigte, Importeure und Händler von Bauprodukten unterliegen neuen Verpflichtungen.
  • Für Kleinstunternehmen und für bestimmte Bauprodukte (z.B. Einzelanfertigungen) sieht die Verordnung EU Nr. 305/2011 Vereinfachungen vor.
  • Alle EU-Mitgliedstaaten verfügen über eine eigene Produktinformationsstelle.
  • Bauprodukte, die vor dem 1. Juli 2013 im EU-/EWR-Raum in Verkehr gebracht worden sind, können auf dem Markt bleiben; sie gelten als konform mit der EU-Verordnung. Konformitätserklärungen, die vor diesem Datum ausgestellt worden sind, dienen unbefristet als Grundlage für die Leistungserklärung. Technische Zulassungen, die vor dem 1. Juli 2013 ausgestellt worden sind, bleiben gültig.

Bauprodukte, die der neuen EU-Regelung entsprechen, dürfen grundsätzlich auch in der Schweiz vermarket werden.

Fachkontakt: www.baupk@bbl.admin.ch.

Die europäische Bauprodukteverordnung sowie Informationen zur laufenden Revision des Bauprodukterechts des Bundes – insbesondere zur 2012 durchgeführten Vernehmlassung – finden Sie unter www.bbl.admin.ch/baupk/03002/03003/index.html

Weitergehende Informationen zur europäischen Gesetzgebung und zur CE-Kennzeichnung finden Sie unter www.seco.admin.ch/themen/00513/00730/00734/index.html

Handbuch „Mängel im Hochbau“

Nicht nur falsche Handgriffe oder Zeitdruck, sondern auch Schwachstellen im Planungs- und Entscheidungsprozess führen zu einem Grossteil der Mängel auf Schweizer Baustellen. Dies zeigt eine wissenschaftliche Studie der ETH Zürich, die vom Schweizerischen Baumeisterverband SBV unterstützt wurde.

Baumängel sind ein grosses Thema
Baumängel sind seit Jahren ein Ärgernis. Genaue Zahlen oder Fakten dazu fehlten aber bisher. Deshalb tat sich der SBV mit dem ETH-Institut für Technologie und Architektur zusammen. Untersucht worden sind von Studienautor Oliver Kriebus in dreijähriger Forschungsarbeit Mängelprotokolle von 54 Wohnbauprojekten und 505 Gutachten aus dem Zeitraum von 1992 bis 2010. Um die Erkenntnisse der Studie für die Praxis nutzbar zu machen und Baumängel künftig auf ein Minimum reduzieren zu können, wurde gestützt darauf ein Handbuch erstellt, das Oliver Kriebus gemeinsam mit Prof. Sacha Menz, Professur für Architektur und Bauprozess an der ETH Zürich, geschrieben hat. Diese 176-seitige Publikation „Mängel im Hochbau – Empfehlungen für Ausführende und Entscheidungsträger“ wurde im Juli 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Handbuch soll im Arbeitsalltag auf den Schweizer Baustellen eine hilfreiche Stütze für Auftraggebende, Planende, Bauleitende und Ausführende sein, damit in keiner Phase eines Bauprojekts der entscheidende Blick aufs Detail verloren geht.

Werner Messmer, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbands erläuterte an der Buchvernissage, weshalb der SBV die Zusammenarbeit mit der ETH Zürich eingegangen ist: «Wir Baumeister liefern zusammen mit über 100`000 Mitarbeitern im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament für eine erfolgreiche Volkswirtschaft. Kein Wohnen, keine Arbeit, keine Freizeit, kein Verkehr ohne unser Handwerk. Doch mit der Beschleunigung der Bauprozesse, der Rationalisierung und der Mechanisierung vieler Bauaufgaben nehmen die Anforderungen an uns alle ständig zu. Umso wichtiger ist es, bei jedem Bauprojekt bestmögliche Vorkehrungen zu treffen, um Fehler zu vermeiden», erklärte Werner Messmer. «Deshalb hat sich der Schweizerische Baumeisterverband entschlossen, gemeinsam mit der ETH Zürich ein Forschungsprojekt über «Mängel im Hochbau» durchzuführen.

Mängel entstehen überall
Die Resultate der Studie bestätigten einerseits das befürchtete Ausmass der Baumängel: Rund 8 Prozent aller Bauausgaben wurden bei den untersuchten Projekten für die Beseitigung von Baumängeln aufgewendet. Dabei ist aber auch der Begriff „Mangel“ etwas genauer zu betrachten: Als Mangel ist – analog zur SIA-Norm 118 – jede „Abweichung vom Vertrag“ zu verstehen. Dadurch erklärt sich laut Professor Menz auch die hohe Zahl von 9`983 aufgetretenen Mängeln bei den 54 Wohnüberbauungen beziehungsweise die in den 505 Gutachten erwähnten 1337 Baumängel. Sacha Menz nannte ein Beispiel, um die Schwere der Mängel einzustufen: „Obwohl bei den Gutachten 19,7 Prozent der mangelbetroffenen Gebäudeelemente Balkone und Terrassen waren, war kein einziger Balkon baufällig. Aber jede einzelne Abweichung vom Gewünschten ist natürlich eine zu viel“, betonte Menz.

Vor allem aber hat die Studie mit dem leider bis heute gängigen Schwarzpeterspiel aufgeräumt: Es ist nicht die eine oder die andere Berufsgattung, die für die Baumängel verantwortlich ist; die Ursache der meisten Baumängel liegt vielmehr im ungenügenden Zusammenspiel der verschiedenen, an einem Bau beteiligten Akteure.

Dies zeigt sich insbesondere bei vermeintlich kleinen Teilaufgaben, wie etwa der Arbeit an einem Balkonabfluss. Das Handbuch listet alle diese Aufgaben eines Hochbaus auf und legt dar, welche Akteure dabei welche Aufgaben wahrzunehmen haben. Damit weiss jeder Akteur jederzeit, mit wem er sich koordinieren muss, womit auch der Blick fürs letzte Detail auf Schweizer Baustellen wieder geschärft werden soll.

Betreffend der Schuldfrage fand Sacha Menz klare Worte: „Unsere Analyse zeigt, dass die Ursache für Baumängel in erster Linie im menschlichen Versagen liegt mit Schwerpunkt bei den Ausführenden, den Planern und der Bauleitung. Materialfehler, Nutzungsfehler und natürlicher Verschleiss sind vergleichsweise vernachlässigbar“, hielt er fest. Interviews, die ebenfalls im Rahmen des Forschungsprojekts mit 107 Bauakteuren geführt worden sind, würden diese Erkenntnis bestätigen. Die festgestellten Ursachen liegen laut Menz in der jeweils zu geringen Fach-, Entscheidungs-, Kosten- und Terminkompetenz, wie auch in der ungenügenden Planungs-, Bauleitungs-, Ausschreibungs- und Vergabekompetenz.

Bezugsquelle
Das Handbuch „Mängel im Hochbau – Empfehlungen für Ausführende und Entscheidungsträger“ (ISBN Nr. 978-3-9524170-0-3) kann in deutscher Sprache beim SBV bezogen werden (www.baumeister.ch, Tel. 044 258 82 92, Fax 044 258 82 23, Mail: sbvshop@baumeister.ch) und kostet 48 Franken. Die französischsprachige Ausgabe des Handbuchs erscheint 2014.

Matthias Engel, Mediensprecher Schweizerischer Baumeisterverband

Die Zusammenarbeit zwischen bauenschweiz und der KBOB trägt Früchte

Seit vielen Jahren arbeiten bauenschweiz und die KBOB auf mehreren Gebieten zusammen. In der Zwischenzeit sind verschiedene gemeinsam erarbeitete Dokumente und Hilfsmittel in drei Landessprachen entstanden. Diese Unterlagen werden sowohl von den öffentlichen Bauherren wie auch von Planern und Unternehmern genutzt. Gründe für die immer zahlreicher werdenden Nutzer dieser Vorlagen und Hilfestellungen dürften in deren einfachen Anwendung, der erhöhten Rechtssicherheit und der deren Ausgewogenheit zu suchen sein.

Koordination beugt unnötigem Aufwand und Unklarheiten vor
Die öffentlichen Bauherren koordinieren sich über die KBOB, der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren. Dadurch sollen unnötiger Aufwand vermieden und die Projektabwicklung sowie insbesondere die Beschaffungsprozesse harmonisiert werden. Die KBOB setzt hierfür zu einem guten Teil auf gemeinsam mit bauenschweiz erarbeitete Musterverträge, Hilfestellungen und Schulungen.

Beispielsweise mit den Dokumenten entlang dem Beschaffungsablauf (Ausschreibungsunterlagen, Musterverträge, Evaluationshilfen und Protokollvorlagen) existiert eine Dokumentation, auf die öffentliche Bauherren bei Beschaffungen zurückgreifen und so die Zeit und das Geld für das Erstellen und die Pflege einer eigenen Sammlung von Dokumenten sparen können. Gerade kleinere öffentliche Bauherren, welche nur gelegentlich bauen, profitieren von diesen Musterdokumenten.

Der Einsatz einheitlicher Dokumente und Hilfsmittel bringt auch der Bauwirtschaft ganz erhebliche Vorteile. Mangels Einflussmöglichkeiten kann die KBOB die von den Anbietern geforderte Kongruenz des Beschaffungsrechts zwar nicht bieten, sie trägt mit ihren Vorlagen aber der Forderung nach Harmonisierung Rechnung. Je mehr öffentliche Bauherren mit den gleichen Dokumenten arbeiten, desto weniger Zeit müssen Anbieter aufwenden, um die Struktur und die Eigenheiten unterschiedlicher Dokumente und Berechnungsmethoden zu begreifen. Die (überregionale) Tätigkeit für mehrere öffentliche Auftraggeber wird einfacher.

Die Verbreitung dieser Dokumente fördert die Effizienz, führt auf beiden Seiten zu einer Professionalisierung und vergrössert die Markttransparenz. Einheitliche Formulierungen für denselben Sachverhalt erhöhen die Verbindlichkeit zwischen Bauherren und Unternehmern. Es tauchen weniger unklare oder überraschende Inhalte in den Unterlagen, die zu Streitigkeiten führen könnten, auf. Gemeinsame Unterlagen bringen also Rechtssicherheit und Rechtsfrieden, zum Nutzen nicht nur der Bauherrenseite, sondern auch der beauftragten Planer und Unternehmer.

Grundsatz der Zusammenarbeit und der Fairness
Die KBOB wahrt die Interessen der öffentlichen Bauherren und versucht, die besten Bedingungen für ihre Seite zu schaffen. Gleiches tut bauenschweiz im Namen ihrer Mitglieder. Die Diskussion dieser Bedingungen fördert das gegenseitige Verständnis und schafft auch nach harten Auseinandersetzungen die Basis für faire Konditionen, welche auch langfristig zur Vermeidung von Streitigkeiten beitragen. KBOB wie bauenschweiz sind überzeugt, dass die Verwendung dieser gemeinsam erarbeiteten Modalitäten dazu beiträgt, dass die Bauwirtschaft in einem gut funktionierenden Wettbewerb gute Qualität zu einem günstigen Preis anbieten kann. Die Er- und Überarbeitung von Vertragsvorlagen ist ein Prozess von Geben und Nehmen zwischen den Interessen der Bauherrschaft sowie denjenigen der Planer und Unternehmer. Beide Seiten sind überzeugt, dass der eingeschlagene Weg nur erfolgreich ist, wenn er gemeinsam, d.h. KBOB zusammen mit der Bauwirtschaft, begangen wird. “Diktiert“ die KBOB zu einseitige oder nicht nachvollziehbare Bedingungen, werden die Vorlagen von ihren Mitgliedern und den Verbänden beanstandet und/oder sie finden in der Praxis keine Akzeptanz.

Die Inhalte der Dokumente müssen immer wieder, auch im Lichte neuer Entwicklungen, überprüft werden. Aber auch andere Themen im Aufgabenbereich der KBOB unterliegen einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Sie werden deshalb regelmässig in Arbeits- oder Fachgruppen mit den betroffenen Verbänden aus der Bauwirtschaft ergänzt und weiterentwickelt.

Mit ihren Dokumenten setzt die KBOB Standards, welche die Projektabwicklung und insbesondere das Beschaffungswesen für öffentliche Bauherren vereinfachen, Aufwand sparen und die Rechtssicherheit erhöhen sollen. Die Bauwirtschaft ihrerseits, vertreten durch bauenschweiz mit ihrem Netzwerk von Berufs- und Fachverbänden, steht ein für die Interessen ihrer Mitglieder und entsprechende Anforderungen an die Standards. In einem dynamischen Markt, wie wir ihn heute erleben, kann keine Seite ihre Forderungen im Alleingang umsetzen.

Die oben angesprochenen Dokumente sind unter folgendem Pfad abrufbar:
www.kbob.ch -> Publikationen -> Dokumente entlang des Beschaffungsablaufs

Eduard Tüscher, Delegierter der KBOB

Sandra Burlet, Leiterin Projekte und Kommunikation bauenschweiz

Nein zur „1:12-Initiative“

Der Vorstand von bauenschweiz – dem Dachverband der Schweizer Bauwirtschaft – hat am 28. August 2013 einstimmig die Nein-Parole zur Volksinitiative „1:12 – Für gerechte Löhne“ gefasst.

bauenschweiz lehnt die „1:12- Initiative“ entschieden ab, weil sie viel zu weit geht und in ungerechtfertigter Art und Weise in die Vertragsfreiheit und die lohnpolitische Gestaltungsmöglich-keit der Unternehmen, ihrer Mitarbeiter und der Sozialpartner eingreift. Ein derart massiver Eingriff in die Lohnpolitik der Unternehmen würde die liberale Wirtschaftsordnung - eine der ganz grossen Stärken des Standorts Schweiz – ernsthaft gefährden. Sowohl bezüglich Beschäftigung wie auch hinsichtlich des Lohnniveaus steht die Schweiz äusserst gut da und sucht ihresgleichen im internationalen Kontext. Die Initianten gehen denn auch von falschen Annahmen aus, wenn sie damit rechnen, dass mit einer Begrenzung der Löhne nach oben die tiefsten Löhne angehoben würden. Im Gegenteil: Bei Annahme bestünde die akute Gefahr von Abwanderungen von Unternehmen oder Auslagerungen bestimmter Tätigkeiten ins Ausland, weil für zahlreiche Firmen das Lohndiktat viel zu restriktiv wäre. Dies würde nicht zuletzt Tätigkeiten im Bereich der tieferen Löhne betreffen und wäre wohl keineswegs im Sinne der Initianten.

Aus diesen Gründen lehnt bauenschweiz die Initiative dezidiert ab und empfiehlt, am 24. November 2013 ein NEIN zur Volksinitiative „1:12 - Für gerechte Löhne“ einzulegen.

Redaktion Bauwirtschaft aktuell