Bauwirtschaft aktuell, Nr. 8

Entwicklung Bauwerk Schweiz

Ein kleiner Kreis von Fachleuten stellte sich vor einiger Zeit die Frage, wie es heute um das Bauwerk Schweiz bestellt ist und wie sich dieses unter Berücksichtigung der neuen Herausforderungen in den nächsten Jahrzehnten entwickeln soll. Rasch zeigte es sich, dass einige Akteure im Schweizer Bauwesen wohl daran sind, für sich Konzepte für die Zukunft zu erarbeiten, dass es aber an einer Gesamtsicht fehlt. Diese Einsicht führte zur Entwicklung des Projektes "Entwicklung Bauwerk Schweiz (EBS)".

Im Rahmen von vorbereitenden Arbeiten wurde Folgendes festgestellt: Das Bauwerk Schweiz (Gebäude, Strassen- und Bahnanlagen, Energieanlagen sowie Ver- und Entsorgungsnetze usw.) ist ein zentraler Pfeiler unseres Wohlstandes. Es gilt die hohe Qualität dieser wertvollen Infrastruktur (heutiger Wiederbeschaffungswert ca. 2’500 Mrd. CHF und jährliche Investitionen von über 50 Mrd. CHF) und der darauf basierende Standortvorteil der Schweiz auch für die Zukunft zu sichern und damit zu einer nachhaltigen Entwicklung der Schweiz beizutragen.

Zu Einzelthemen liefen oder laufen Aktivitäten auf verschiedenen Ebenen, initiiert und gefördert von staatlichen und privaten Stellen. Eine übergeordnete und ganzheitliche Sicht mit einer Bewertung der gesellschaftlichen, politischen und finanziellen Aspekte sowie der Netzrisiken und der Netzsicherheit (z.B. Versorgungssicherheit, Naturgefahren, Umweltrisiken, Tragsicherheit) liegt jedoch nur in Teilbereichen vor. In Anbetracht der grossen Herausforderungen in finanzieller und personeller Hinsicht genügt dies jedoch nicht. Zudem sind wichtige Themen bisher nicht in ausreichender Tiefe behandelt worden. So sind beispielsweise im Bericht des Bundesrates zur Zukunft der nationalen Infrastrukturnetze wichtige lokale und regionale Netze (Strassen, Bahnen, Wasser, Abwasser- und Abfallentsorgung, Strom und Gas), für die die Kantone und Gemeinden die Verantwortung tragen, nicht behandelt. Ebenso werden die Auswirkungen auf die personellen Ressourcen, z.B. veränderte Aus- und Weiterbildungsbedürfnisse, künftige Kompetenzen der Leistungserbringer, kaum angesprochen. Ebenso sind kaum Untersuchungen vorhanden, die die Alterung und Erhaltung der bestehenden Infrastruktur mit einer längerfristigen Perspektive behandeln.

In diesem Zusammenhang spielt der sich verschärfende Fachkräftemangel im Bauwesen eine sehr wichtige Rolle. Es gilt dafür zu sorgen, dass in der Schweiz genügend Fachkräfte, die für die Bewältigung der anstehenden Aufgaben zu Verfügung stehen müssen, aus- und weitergebildet werden. Die verstärkte Immigration von ausländischen Fachkräften zur Deckung der Lücken vermag wohl temporäre Abhilfe zu schaffen, ist aber längerfristig keine Option.

Auf der politischen Ebene sind in den letzten Jahren Mechanismen in Gang gesetzt worden, um z.B. den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen bei der Erstellung und des Betriebs der Gebäude zu reduzieren. Es stellt sich die Frage, welche Massnahmen z.B. bei Gebäuden in Zukunft nötig sind, um diese Zielsetzung wirkungsvoll und effizient zu unterstützen.

Aufgrund sorgfältiger Überlegungen und Analysen kamen die Initianten zum Schluss, dass die Schweiz dringend ein auf die Problematik der Erhaltung, Erneuerung und Weiterentwicklung der bestehenden Bausubstanz bezogene, auf die Fachwelt, die Politik und die Gesellschaft als Ganzes ausgerichtete Strategie mit einem Zeithorizont von 20 bis 40 Jahren braucht, um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen. Dabei ist vorhandenes Wissen bestmöglich zu nutzen und der Wissenstransfer unter den verschiedenen Akteuren ist zu stärken.

Das gesamte Projekt ist in drei Phasen gegliedert:

Phase 1 (Januar 2012 – Juni 2013): In der Phase 1 wird eine impulsgebende, sorgfältig vorbereitete Tagung auf hohem Niveau durchgeführt. Die Tagung soll die vorhandenen Erkenntnisse zusammenfassen und aufzeigen, wo Handlungsbedarf besteht und wie die erkannten Bedürfnisse unserer Gesellschaft im betrachteten Bereich und im anvisierten Zeithorizont nachhaltig befriedigt werden können. Es gilt eine Systemabgrenzung vorzunehmen und die Aktionsfelder mit der grössten Hebelwirkung herauszufiltern. Zielpublikum dieser Tagung sind Entscheidungs- und Wissensträger sowie alle an der Zukunft des Bauwerks Schweiz Interessierte.

Phase 2 (Juli 2013 – Dezember 2013): In der Phase 2 soll eine vertiefte Analyse die Bedürfnisse und Zielsetzungen der Akteure über den anvisierten Zeithorizont ermittelt werden. Mit diesen Erkenntnissen und basierend auf den Ergebnissen der Tagung soll ein Strategiepapier erarbeitet werden. Das Strategiepapier wird den Handlungsbedarf bei den verschiedenen Akteuren bei der Erhaltung, Erneuerung und Weiterentwicklung aufzeigen, die innerhalb des Impulsprogramms "Entwicklung Bauwerk Schweiz" im Rahmen der Phase 3 bearbeitet werden sollen. Dazu sind Themen sowie Projekte zu definieren und die Finanzierung sicherzustellen.

Die Phasen 1 und 2 sind Gegenstand des ersten Teiles des Projektes. Basierend auf den Ergebnissen der Phasen 1 und 2 kann die Phase 3 lanciert werden:

Phase 3 (2014 - 2019: Die Phase 3 wird als "Impulsprogramm Entwicklung Bauwerk Schweiz" (IP EBS) bezeichnet. Es stellt den eigentlichen Kern des gesamten Projektes dar. Im Rahmen des IP EBS sollen die im Strategiepapier festgelegten Themen und definierten Projekte bearbeitet und die für Umsetzung der Strategie nötigen Werkzeuge und Instrumente geschaffen werden. Die Aus- und Weiterbildung der Akteure wird sicher ein Schwerpunkt bilden. Die für die Umsetzung der Strategie (Phase 3) benötigten Grundlagen (z.B. Normen, Dokumentationen), Instrumente (z.B. Anreize) und Werkzeuge (z.B. Checklisten) müssen aufgrund der gesetzten Ziele erarbeitet und im Rahmen der Aus- und Weiterbildung aller Akteure verankert werden. Es ist anzunehmen, dass für einzelne Teilziele vorgängig Forschungsarbeiten nötig sein werden.

Das Projekt fand rasch das Interesse massgebender Akteure im Schweizer Bauwesen. Die Arbeiten für die Phasen 1 und 2 sind durch finanzielle Beiträge der folgenden Partner sichergestellt: Bundesämter ARE, ASTRA, BAFU, BAV, BFE, der SBB sowie Verbände SBV, SIA, SVV, VKF, VSS und die Gruppe P+H von bauenschweiz.

Weitere Unterstützung durch: BPUK, Gemeindeverband, HEV, Infra, KBOB, KIK, Kommunale Infrastruktur, NNBS, Professoren ETHL und ETHZ, Städteverband, usic und Wasser-Agenda 21.

Die impulsgebende Tagung findet am 12. Juni 2013 in Bern statt. Für alle weiteren Informationen: www.tfb.ch

Peter Matt (Vorsitzender Lenkungsausschuss EBS) und Dr. Fritz Hunkeler (Projektleiter EBS)

Kartellgesetz: markante Verschärfungen beabsichtigt

Für das Kartellgesetz stehen verschiedene Revisionsbestrebungen an, welche die Wirtschaft und insbesondere auch die Bauwirtschaft beschäftigen.

Nachdem der Bundesrat im Oktober 2011 bereits die dritte Revision des Kartellgesetzes innerhalb eines guten Jahres in die Vernehmlassung geschickt hat, ist viel über die Thematik berichtet und diskutiert worden. Die vielen Vorstösse und Revisionsbestrebungen, aber auch die relativ häufige Thematisierung in den Medien zeigen, dass das Thema bewegt.

Revisionsbestrebungen
Laut seiner Botschaft vom 22. Februar 2012 will der Bundesrat verschiedene Bereiche revidieren: Vorab wird eine bessere Trennung zwischen der Untersuchungs- und Entscheidinstanz angestrebt. Dazu sollen eine Wettbewerbsbehörde und ein erstinstanzliches Wettbewerbsgericht errichtet werden. Daneben will der Bundesrat ein Teilkartellverbot einführen, wobei gewisse horizontale und vertikale Abreden künftig grundsätzlich unzulässig wären, vorbehältlich einer Rechtfertigung im Einzelfall. Als weiteren Aspekt schlägt der Bundesrat Sanktionsminderungen für Kartellsünder vor, wenn sie das Vorhandensein betriebsinterner Compliance-Programme nachweisen können. Ausserdem soll – wie der Botschaft zu entnehmen ist - durch die Stärkung des zivilrechtlichen Wegs die Bekämpfung der Abschottung des Schweizer Marktes erfolgen.

Kritik der Bauwirtschaft
bauenschweiz hat sich wiederholt zu den gemachten Revisionsvorschlägen geäussert. In die richtige Richtung geht die beabsichtigte institutionelle Aufteilung der Wettbewerbskommission in eine Wettbewerbsbehörde als untersuchende Instanz und in ein Wettbewerbsgericht als urteilende Instanz.

Den anderen Revisionsvorschlägen kann die Bauwirtschaft kaum etwas abgewinnen. Insbesondere das beabsichtigte Teilkartellverbot mit Rechtfertigungsmöglichkeiten geht aus Sicht der Bauwirtschaft klar zu weit. So haben vertikale Absprachen nicht per se eine schädliche Wirkung für den Markt, sondern können geradezu erwünscht sein, wenn sie bspw. eine Vertriebskette von der Produktion über Vertrieb bis Service sicherstellen, wie das auch der Bundesrat selber in seiner Botschaft aus dem Jahr 2010 eingeräumt hat. Auch die vorgeschlagene Beweislastumkehr, wonach künftig das Unternehmen die Beweislast trägt, dass die Absprache unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Effizienz gerechtfertigt ist, passt nicht recht in das schweizerische Rechtssystem. Für die Bauwirtschaft kommt zudem ein weiterer Unsicherheitsfaktor hinzu: Die in der Branche weit verbreiteten Arbeitsgemeinschaften könnten durch ein Teilkartellverbot ungerechtfertigterweise unter Druck geraten. Diese Form von Zusammenarbeit ist aber für die Baubranche von zentraler Bedeutung, ohne die die Durchführung von grösseren Bauprojekten schlicht undenkbar wäre (vgl. auch Artikel „Zusammenarbeit als Wirtschaftsfaktor“ in Bauwirtschaft aktuell Nr. 5).

Die auf die entsprechende Motion Schweiger zurückgehende Compliance-Regelung ist aus Sicht der Bauwirtschaft wenig zweckmässig. Die in der Botschaft gemachte Aussage, wonach künftig viel mehr als heute von den Unternehmen erwartet wird, dass sie vorbeugende Massnahmen gegen allfällige Verstösse gegen das Kartellgesetz ergreifen, lässt aufhorchen. Es ist zu befürchten, dass hierfür eigentliche Papiertiger geschaffen werden, wo Form statt Inhalt zählt, und dass die Unternehmen in einem weiteren Gebiet Kosten und Zeit aufwenden müssen, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, statt sich ihren eigentlichen Tätigkeiten widmen zu können. Gerade KMU dürfte ein solcher administrativer Zusatzaufwand vor grosse Probleme stellen.

Die beabsichtigte Stärkung des zivilrechtlichen Wegs, was durch die Ausdehnung der Klagebefugnis auf Konsumentinnen und Konsumenten erfolgen soll, wird von der Bauwirtschaft ebenfalls nicht unterstützt. Die Gefahr ist gross, dass ein derartiges Klagerecht, dereinst eigentliche „Sammelklagen“ auslösen würde, was hierzulande wohl weder gesellschaftlich erwünscht noch volkswirtschaftlich sinnvoll ist. So erfordert auch die Stossrichtung der Kartellgesetzgebung selbst kein derartiges Klagerecht. Das Kartellgesetz bezweckt nämlich, den wirksamen Wettbewerb zu fördern und keineswegs den Konsumenten den tiefsten Preis zu garantieren.

Wie weiter…
Die vorberatende Kommission des Ständerats (WAK-S) hat sich in mehreren Sitzungen intensiv mit der Gesetzgebung auseinandergesetzt, um die Vorlage in dieser Frühjahrssession in ihren Rat zu bringen. Für die Bauwirtschaft ist die beabsichtigte Revision nach wie vor mit zu vielen negativen Aspekten behaftet. Neben den kritisierten Punkten ist es für die Wirtschaft und insbesondere für KMU auch grundsätzlich schwierig, wenn Spielregeln immer wieder neu definiert werden. Die aus Sicht der Bauwirtschaft beste Lösung wäre, wenn das Parlament die Revision gar nicht erst weiterverfolgen würde. Da aber die vorberatende WAK-S schon im letzten Sommer einstimmig beschlossen hat, auf die Vorlage einzutreten, hat sich bauenschweiz jüngst auch zu den Kommissionsanträgen im Hinblick auf deren Beratung im Ständerat geäussert. Sie hat sich namentlich für den Minderheitsantrag zu Art. 5a Abs. 2 ausgesprochen, welcher das Teilkartellverbot wenigstens dahingehend einschränken will, als Abreden nur dann unzulässig wären, wenn sie sich nicht durch Gründe der wirtschaftlichen Effizienz rechtfertigen liessen und ausserdem eine erhebliche Beschränkung des Wettbewerbs darstellten. bauenschweiz unterstützt auch den Antrag der Kommissionsmehrheit, wonach Wettbewerbsbeschränkungen von den Behörden nicht aufgegriffen werden, wenn sie einen vernachlässigbaren Einfluss auf den Wettbewerb haben, womit sinnvollerweise Bagatellfälle gar nicht erst aufgenommen werden sollen. Des weiteren votiert bauenschweiz auch für die von der Kommissionsminderheit eingebrachte Ergänzung zu Art. 27 Abs. 2, welche fordert, dass die Wettbewerbskommission ihrerseits sorgfältig zu prüfen hat, ob bei einer Abrede Gründe von wirtschaftlicher Effizienz vorliegen. Dies kann die Schwierigkeit, mit welcher die Unternehmen konfrontiert sein werden, wenn sie den Nachweis erbringen müssen, dass ihre Abreden keine schädliche Wirkung entfalten, wenigstens etwas abmildern, auch wenn eine solche Regelung die Problematik der Beweislastumkehr nicht ausräumt. In die gleiche Richtung peilt der von der Kommissionsminderheit eingebrachte und von bauenschweiz unterstützte Antrag, wonach die unter Artikel 49 vorgesehene Sanktion entfällt, wenn nicht über jeden Zweifel erwiesen ist, dass die Wettbewerbsbeschränkung als unzulässig zu taxieren sind.

Der Ständerat folgte am 21. März 2013 über weite Strecken seiner vorberatenden Kommission. Die vielen Vorstösse und Revisionsbestrebungen, aber auch die relativ häufige Thematisierung in den Medien zeigen, dass das Kartellrecht bewegt. Die angepeilte Revision dürfte noch einiges zu reden geben und die Politik – und damit auch die Wirtschaft – noch einige Zeit beschäftigen.

Sandra Burlet, Leiterin Projekte und Kommunikation bauenschweiz

Weiterhin zuversichtliche Lagebeurteilung im Baugewerbe

Konjunktur durch weltwirtschaftliches Umfeld gebremst

Auch in der Schweiz wurde die gesamtschweizerische Konjunktur im Jahr 2012 durch das verschlechterte weltwirtschaftliche Umfeld gebremst und die Arbeitslosigkeit befand sich in einem leichten Aufwärtstrend, wie das SECO gegen Jahresende schrieb. Das BIP-Wachstum blieb indes laut SECO klar im positiven Bereich und belief sich auf rund 1%.

Beim Baugewerbe stellte BAK Basel im Verlauf des vergangenen Jahres nochmals einen kräftigen Schub im Bereich der Auftragseingänge fest. Neben der allgemein hohen Wohnbaunachfrage ortet BAK Basel den erneuten Anstieg auch bei den „Last-Minute“-Projekten, welche nach Annahme der Zweitwohnungsinitiative noch in Angriff genommen worden seien. In seinem Szenario rechnet BAK Basel denn auch damit, dass ein Grossteil der vorgezogenen Zweitwohnungsprojekte tatsächlich realisiert werden kann und sieht seine für 2013 und 2014 positive Bauprognose eher durch Kapazitätsengpässe als durch zu wenig Aufträge gefährdet.

Verschlechterung der Ertragslage trotz gefüllter Auftragsbücher

Laut der von der Konjunkturforschungsstelle der ETH KOF im Januar 2013 durchgeführten Umfrage ist die Schweizer Wirtschaft gut ins neue Jahr gestartet. Die Beurteilung der Geschäftslage im Januar 2013 fällt deutlich besser aus als noch im vergangenen Herbst. Auch in der Bauwirtschaft hält die gute Stimmung an: Die Geschäftslage wird als gut beurteilt und insgesamt sind die Bauunternehmen auch mit den vorhandenen Auftragsbeständen mehrheitlich zufrieden. Trotz gut gefüllter Auftragsbücher rechnen die befragten Baufirmen jedoch mit Preisabschlägen und erwarten deshalb eine leichte Verschlechterung der Ertragslage.

Projektierungssektor in äusserst guter Verfassung

Der Projektierungssektor befindet sich laut der im Auftrag des SIA durchgeführten KOF- Umfrage gesamthaft in einer weiterhin äusserst guten Verfassung. Beinahe alle der insgesamt 664 befragten Planungsbüros vermelden einen guten oder zumindest zufriedenstellenden Geschäftsgang. Auch für die kommenden Monate werden eine gleichbleibend hohe Nachfrage und eine gute Geschäftslage erwartet. Die Reichweite des Auftragsbestandes verbleibt bei rekordverdächtigen 11 Monaten. Als einziges relevantes Produktionshemmnis nennt die KOF den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, da immerhin 50% der Büros angeben, darunter zu leiden. Bei den Architekturbüros schätzen zwei Drittel die Lage als gut oder zufriedenstellend ein. Die Reichweite der Auftragsbestände beträgt rund ein Jahr. 15% haben die Beschäftigung in den letzten 3 Monaten ausgebaut, weitere 20% beabsichtigen dies in nächster Zeit zu tun. Auch die Ingenieurbüros beschreiben ihre Geschäftslage als sehr gut; es existieren kaum negative Rückmeldungen in Bezug auf die Geschäftslage. 90% der Befragten gehen ausserdem davon aus, dass sich an dieser guten Lage in den kommenden Monaten nichts ändern wird.

Bauhauptgewerbe: Ende des Wachstums nach acht Jahren

Die Umsätze im Schweizer Bauhauptgewerbe sind gemäss den Ergebnissen der Quartalsstatistik des Schweizerischen Baumeisterverbandes im vierten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorjahresquartal nominell um 0,8% auf 5,1 Mrd. Fr. gesunken. Über das gesamte Jahr gingen die Umsätze um knapp 800 Millionen auf 18,9 Mrd Franken zurück, was einem Minus von 3,9% gegenüber 2011 entspricht. Dabei entwickelten sich sowohl der Tiefbau (-4,9%) als auch der Hochbau (-2,9%) rückläufig. Damit muss die Branche laut SBV nach acht Jahren stetigen Wachstums erstmals wieder einen Rückgang hinnehmen.

 Für den SBV bleiben die Aussichten aber weiterhin intakt, auch wenn das erste Quartal 2013 – wie bereits im Vorjahr – stark von der Witterung beeinflusst wurde und die Bautätigkeit in dieser Periode eingeschränkt war. Die Auftragseingänge legten aber im vierten Quartal 2012 um 3,5% zu und die Arbeitsvorräte lagen Ende 2012 um 4,4% höher als ein Jahr zuvor. Aufgrund der knappen Kapazitäten vor allem im Wohnungsbau und der fehlenden Grossprojekte im Tiefbau rechnen die SBV-Experten für 2013 zwar kaum mit weiterem Wachstum, aber mit Stabilität auf hohem Niveau.

Ausbau und Gebäudehülle

Laut dem Gebäudetechnikverband suissetec wird die Geschäftslage anfangs 2013 in der Sanitärbranche positiv, in der Heizungsbranche als eher schwach beurteilt. Für die Zukunft erwarten die Sanitär -Unternehmer gemäss den suissetec-Ergebnissen leicht rückläufige, die Heizungs- und Klimaunternehmer etwas höhere Auftragseingänge.

Laut dem Verband Gebäudehülle Schweiz hat das Volumen der Auftragsbücher bei den befragten Gebäudehülle-Unternehmen gegenüber dem Vorjahresquartal stark zugenommen. Auch die Beurteilung des zukünftigen Auftragseingang hat sich verbessert, wie Gebäudehülle Schweiz weiter schreibt. In den Branchen Boden-, Wand- und Deckenbeläge ist die Auslastung in dieser eher heterogenen Unternehmensgruppe trotz langfristig tiefen Erwartungen auf einen sehr hohen Stand geklettert, was sich laut der Interessengemeinschaft der Schweizerischen Parkettindustrie ISP auf die rege Bautätigkeit zurückführen lässt. Die Metall- und Stahlbranche ist laut der Schweizerischen Metallunion- SMU erfreulich ins neue Jahr gestartet, wobei sich der positive Trend sowohl bei der Beurteilung der Geschäftslage als auch bei den erwarteten Verkaufspreisen fortsetzt.

Konjunktur-Ausblick

Das SECO stellt in seiner Frühjahrsprognose vom 18. März auf breiterer Front eine Stimmungsaufhellung fest und erachtet die Gefahr, dass auch die Schweiz stärker in den konjunkturellen Abwärtssog geraten könnte, fürs Erste als gebannt. Das SECO warnt aber auch vor überbordender Euphorie, sind doch Risiken der Schuldenkrise im Euroraum alles andere als vom Tisch.

BAK Basel rechnet in seinen Konjunkturprognosen vom Frühjahr 2013 für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,4% für die Schweiz. Für 2014 wird eine leichte Beschleunigung auf rund 2% erwartet.

Sandra Burlet, Leiterin Projekte und Kommunikation bauenschweiz

Baukonjunktur-Barometer März 2013

4.Q. 1.Q. 2.Q. 3.Q. 4.Q. 4.Q. 1.Q. 2.Q. 3.Q. 4.Q.
2011201220122012201220112012201220122012
Planung (KOF/SIA) Urteil aktuelle Geschäftslage Geschäftslage im nächsten halben Jahr
Insgesamt6165675865-645-32
Architekturbüros61636761612114-17
Ingenieurbüros6666675669-12-15-6-2
Bauhauptgewerbe (SBV)Aktuelle Geschäftslage (Bautätigkeit) Auftragsbestand (am Quartalsende)
prozentuale Veränderung der Umsätzeprozentuale Veränderung des Arbeitsvor-
gegenüber dem Vorjahresquartalrats gegenüber dem Vorjahresquartal
Insgesamt5-14-2-2-175-514
          
Hochbau5-1232-65121125
 - Wohnungsbau14-1224-10118-3150
 - Wirtschaftsbau-9-93-20-91110721
 - öffentlicher Hochbau-12-23750936762
          
Tiefbau6-16-6-5480-8-64
          
öffentlicher Bau5-15-6-5382-9-72
Privater Bau6-1411-4582127
Ausbau und Gebäudehülle (KOF) Urteil aktuelle Geschäftslage Reichweite Auftragsbestand in Monaten
Boden-/Wand-/Deckenbel. (ISP) 6 11 33 20 10 3.5 3.0 3.0 3.0 3.5
          
Sanitärgewerbe (suissetec) 24 46 59 60 35 3.0 3.5 5.5 4.0 4.5
          
Heizungsgewerbe (suissetec) -5 9 19 33 1 3.0 3.0 5.0 7.0 5.5
          
Dachdecker (Gebäudehülle Schweiz) 38 43 54 61 46 3.5 4.0 4.5 4.0 7.0
          
Elektroinstallationsgew. (VSEI) 80 77 80 80 67 4.5 5.5 7.5 4.5 4.0
          
Maler- und Gipsergewerbe 70 58 68 66 20 3.5 5.0 9.0 6.5 4.0
          
Metallbaugewerbe (SMU) -13 -10 1 8 16 3.0 4.5 3.5 4.0 4.0
          
Schreinereigewerbe (VSSM) 43 17 14 13 12 3.0 3.5 3.5 2.5 3.0
Produktion und Handel
Cemsuisse 4. Qu. 20111. Qu. 20122. Qu. 20123. Qu. 20124. Qu. 2012
Lieferung in Tonnen1'105'259798'0081'262'2981'242'5891'092'190
Veränderung in % zum Vorjahr0.3-21.8-3.2-1.2-1.2
Resultat = Differenz zwischen Anteilen positiver und negativer Meldungen in %. Fragestellungen:
      "Insgesamt beurteilen wir unsere Geschätslage als gut, befriedigend, schlecht" 
      "Unsere Geschäftslage wird sich verbessern, nicht verändern, verschlechtern" (im nächsten halben Jahr)